Benefizkonzert in der Universitätsklinik: Gabriela Monteros Dankeschön in Tönen

Benefizkonzert in der Universitätsklinik : Gabriela Monteros Dankeschön in Tönen

Venezolanische Starpianistin und Beethovenpreisträgerin trifft mit der Flötistin Maria Gabriala Rodriguez zusammen, der sie mit Bonner Hilfe eine Krebstherapie ermöglichte.

Für die venezolanische Pianistin Gabriela Montero zählen sie ganz klar zur „Armee der Soldaten der Menschlichkeit“, wie sie am Donnerstag bei einem Auftritt in der Bonner Uni-Klinik sagte: Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsklinik, und Torsten Schreiber, künstlerischer Leiter der Bonner Beethoven-Academy, haben sich diesen inoffiziellen Ehrentitel verdient, weil sie einer an Krebs erkrankten Flötistin aus Monteros Heimat das Leben retteten. Jetzt bedankte sich die Starpianistin mit einem Benefizkonzert im fast voll besetzten Hörsaal des Klinikums für den Einsatz. Und traf an bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal persönlich mit der Flötistin Maria Gabriela Rodriguez zusammen.

Montero, die im vergangenen Jahr in der Bundeskunsthalle den Beethovenpreis für Menschenrechte der Beethoven-Academy entgegennahm, engagiert sich seit Jahren sehr für die Menschen und insbesondere für Musiker in ihrer krisengeschüttelten Heimat. Die beiden Musikerinnen kamen übers Internet zusammen und tauschten viele Mails aus. Für die in Barcelona lebende Montero war klar, dass sie ihrer kranken Kollegin, die in Venezuela keine Chance auf eine erfolgversprechende Krebsbehandlung hatte, helfen würde. Sie wandte sich an Schreiber, der wiederum bei Holzgreve vorsprach. Der Arzt ermöglichte durch eine erfolgreiche Spendenakquise die teure Krebstherapie in Bonn.

Melodien aus Venezuela

Doch bevor Montero die Bühne betrat, spielte Rodriguez ein paar volkstümliche venezolanische Melodien, bei denen sie von Luis Magallanes an der Ukulele begleitet wurde. Der junge Venezolaner ist eigentlich Sänger mit einer schönen, lyrischen Tenorstimme. Und auch er ist ein Schützling Monteros, die ihn dann unter anderem in Antonio Caldaras Arie „Sebben crudele“ begleitete, bevor sie sich auch zu dritt hören ließen.

Den zweiten Teil, der dann Gabriela Montero allein gehörte, begann sie mit Robert Schumanns „Kinderszenen“. Dass sie weniger für Kinder geschrieben sind und mehr rückblickend in die Stimmung der Kindheit versetzen sollen, machte sie durch ihr beherzt-virtuoses Spiel in „Hasche-Mann“ oder „Ritter vom Steckenpferd“ sehr deutlich. In den nachdenklicheren Stücken wie dem eröffnenden „Von fremden Ländern und Menschen“ oder der „Träumerei“ offenbarte sie ihre poetische Ader.

In Beethovens Klaviersonate war die angriffslustige Virtuosin und souveräne Gestalterin gefragt. Für Montero eine Paraderolle. Im ersten Satz entfachte sie einen regelrechten Sturm, der in der Introduzione nur kurz abflaute, bevor sie das hymnische Finale mit seinen sinfonischen Klangsteigerungen brillant und mit Leidenschaft bewältigte. Der aufbrandende Applaus wurde ihr stehend entgegengebracht. Und weil Montero zu den wenigen klassischen Musikern zählt, die die Kunst der Improvisation beherrschen, war das Publikum eingeladen, ihr eine Melodie vorzusingen. Man einigte sich im Saal auf die Volksweise „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“, die Montero in verschiedenen Durchgängen nach Bach und Wiener Klassik klingen ließ, in einen Chopin-Walzer verwandelte und zum Schluss als mitreißenden Turbo-Ragtime verabschiedete.

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