Burg Wissem zeigt Künstlerbücher von Leiko Ikemura

Burg Wissem zeigt Künstlerbücher von Leiko Ikemura

Sie weiß nicht, ob sie Landschaft heute noch so malen könnte wie früher, sagt die 1951 im japanischen Tsu geborene Leiko Ikemura nachdenklich vor ihrem neuesten Zyklus, der einen spanischen Titel hat: "Todo y nada", alles und nichts.

Bonn. Sie weiß nicht, ob sie Landschaft heute noch so malen könnte wie früher, sagt die 1951 im japanischen Tsu geborene Leiko Ikemura nachdenklich vor ihrem neuesten Zyklus, der einen spanischen Titel hat: "Todo y nada", alles und nichts.

Ihr großes Thema Landschaft, einer in stetigen Wandlungen fließenden Natur, hat durch die schrecklichen Bilder aus ihrer Heimat eine gespenstische Note bekommen. Unweigerlich sucht man ihre so duftig leicht mit Farbkreide gezeichneten Blätter nach Bruchstellen ab, Spannungen und Verwerfungen.

Und auch die düstere Szenerie mit einer riesigen Welle (2007), vor der ein blondes Mädchen wegläuft, bekommt vor dem aktuellen Kontext eine neue Dimension. Und das, obwohl sie ein altes Motiv des Katsushika Hokusai aus dem 18. Jahrhundert aufgenommen hat. Hier wie dort sind eine Urangst und die Ehrfurcht vor den Mächten der Natur der Hintergrund.

Auch ohne den Japan-Kontext ist die Ausstellung von Leiko Ikemura im Museum Burg Wissem in Troisdorf ein Ereignis. Schon der Titel "Wusstest Du, ich habe zwei versteckte Flügel" leitet über in eine Sphäre, in der Wort- und Bildpoesie ineinander übergehen, in der es fließende Entwicklungen von Zeichnung zu Malerei und Keramikskulptur gibt.

Leitthema ist das Künstlerbuch, dem sich die Burg Wissem mit Werken von Uecker, Baselitz, Partenheimer und Virnich in der Vergangenheit gewidmet hat. Jetzt ist Ikemura mit 30 Künstlerbüchern an der Reihe, mit Illustrationen zu Kenzaburo Oe, den Haikus von Matsuo Bascho, Marina Zwetajewa sowie zu eigenen Texten.

Große Teile ihrer Biografie lassen sich dort ablesen. 1972 wanderte sie nach Spanien aus, gehörte dann zur Züricher Avantgarde. 1983 wurde sie "Stadtzeichnerin von Nürnberg", fand in einem wahren Schaffensrausch zu großen Formaten, kantigen Figuren, präsentierte sich im Bonner Kunstverein. Und sie beschloss, fortan in Deutschland zu leben, in Köln und Berlin.

Japanische Tradition und europäische Kunstgeschichte bilden bei ihr ein spannendes Amalgam, noch immer sind ihre Räume japanisch geprägt, ist die Natur eine Quelle der Kraft. Mit herrlich wilden Katzen und rätselhaften Schatten hat sich Ikemura künstlerisch beschäftigt, jedes Künstlerbuch eröffnet ein neues Spektrum. "Wellen, Wind, Wesen" erklärt sogar, wie die Kunst funktioniert: Zarte Zeichnungen auf Japanpapier überlagern einander, Räume und Unschärfen entstehen, "wie im Film", sagt sie.

Museum Burg Wissem, Troisdorf; bis 19. Juni. Eröffnung: 27. März, 11 Uhr. Di-So 11-17 Uhr. Im Verlag für moderne Kunst ist ein Katalog mit Werkverzeichnis erschienen.

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