Bonn als Europas Kulturhauptstadt 2020?

Bonn als Europas Kulturhauptstadt 2020?

Bonn könnte als Kulturhauptstadt Europas Beethovens 250. Geburtstag adäquat feiern. So weit die Vorstellung der Bonner CDU. Sie will eine Bewerbung der Stadt um den attraktiven Titel vorantreiben. Am kommenden Dienstag soll die Initiative gestartet werden.

Bonn. Ein gewaltiger Ruck ist 2010 durch das Ruhrgebiet gegangen, die Chance, als Kulturhauptstadt Europas aufzutreten, wurde brillant genutzt. Alle Kräfte hat man mobilisiert, um der Welt eine blühende, aufregende Kulturlandschaft zu präsentieren.

2020 könnte Bonn in der Lage sein: Bonn könnte als Kulturhauptstadt Europas Beethovens 250. Geburtstag adäquat feiern. So weit die Vorstellung der Bonner CDU. Sie will eine Bewerbung der Stadt um den attraktiven Titel vorantreiben. Am kommenden Dienstag soll die Initiative gestartet werden, Kultursprecher Markus Schuck will das Thema möglichst schnell in den Stadtrat bringen, erste Gespräche sind schon gelaufen.

Auch die Stadtspitze ist im Boot. "Es wäre eine einmalige Chance für die Bonner Kultur und die Bildung", sagte Schuck dieser Zeitung, "nach etlichen Rückschlägen, nach dem Verlust des Hauptstadtstatus' und dem WCCB-Desaster braucht die Stadt ein neues Selbstbewusstsein".

Zugpferd für die Bewerbung sei das "Weltkulturereignis Beethoven", 2020 müsse man daher auch den Schulterschluss mit Wien suchen. Schuck räumt ein, dass auch andere Städte Chancen auf den Titel hätten, seit 1997 stehe Mannheim auf der Bewerberliste für 2020, und auch Freiburg hat seinen Hut in den Ring geworfen. Bis 2019 sind alle Titel bereits vergeben, "2020 wäre Deutschland wieder dran".

Die CDU-Initiative hat auch eine kulturpolitische Fußnote: Schuck traut der gerade installierten Kulturkommission nicht zu, die Probleme zu lösen, "die führt nur zum Abbau". Schuck möchte die Szene mobilisieren, "allein schon die Bewerbung hätte riesige Effekte". Laut Auskunft des Presseamts hat die Stadt Bonn gegenüber dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bereits Interesse geäußert, sich für das Jahr 2020 um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt zu bewerben.

"In diesem frühen Stadium geht es darum zu prüfen, ob eine solche Bewerbung überhaupt realistisch ist", sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Das Jahr 2020 wurde nicht zufällig ausgesucht, erläuterte Kulturdezernent Martin Schumacher die Grundidee: "Bonn und die Musikfreunde in aller Welt feiern dann Beethovens 250. Geburtstag. Sowohl der Europarat als auch die Europäische Union nutzen die Melodie der Neunten Symphonie von Beethoven mit Schillers Text als ihre Hymne."

Verhalten positiv hat die kulturpolitische Sprecherin der SPD, Bärbel Richter, auf die Initiative reagiert. Die sei aber nur sinnvoll in Verbindung mit einem bis dahin realisierten Festspielhaus. Generell begrüßt Richter, dass man sich solche Daten wie Beethovens Geburtstag vornimmt: "Ich gehe ohnehin davon aus, dass wir als Stadt Bonn zu dem Anlass etwas Besonderes auf die Beine werden stellen müssen."

Die Verknüpfung zum Festspielhaus möchte auch Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel gewährleistet sehen. Für sie wäre es "noch ein Grund mehr, bis dahin das Festspielhaus in Betrieb zu haben", sagte sie dieser Zeitung. Das Beethoven-Haus, wo der Komponist 1770 geboren wurde, wäre im Falle eines Zuschlags ein wichtiges Zentrum für die Aktivitäten im Kulturhauptstadtjahr 2020.

Manfred Harnischfeger, derzeitiger Direktor in der Bonngasse, sieht eine Bewerbung jedenfalls als große Chance für sein Haus und für Bonn: "Selbst eine langjährige Bewerbungsphase, ohne am Ende den Zuschlag zu bekommen, wäre aus werblicher Sicht für Bonn und Deutschland vorteilhaft. Da werden viele auf das aufmerksam, was hier geschieht."

Für Harnischfeger ist klar, dass für eine Bewebung viele Kräfte freigesetzt werden müssten. "Unabdingbar für die Realisierung sind Professionalität, Schwung und gemeinsame Energie, die Bonn bisher nicht immer gezeigt hat", sagte er. Wichtig erscheint ihm auch: "Der Bund muss es wollen." Eine Zusammenarbeit mit Wien als zweiter Beethovenstadt erscheint dem Direktor des Beethoven-Hauses ebenfalls als ein sehr reizvoller Gedanke: "Dann würde vieles leichter", ist er überzeugt.

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