Hauptbahnhof Bonn: Neuer Kran trotz starkem Wind aufgebaut

Trotz starken Windes : Neuer Kran für Sanierung des Bahnhofdachs aufgebaut

Damit die Sanierung des Bonner Hauptbahnhofs vorankommt, brauchen die Bauarbeiter neue Kräne auf dem Gelände. Am Sonntag wurde einer von ihnen bei starkem Wind errichtet, was mit einer großräumigen Sperrung verbunden war.

Wenn viereinhalb Tonnen Stahl in der Bonner Innenstadt in 50 Metern Höhe durch die Luft schweben, sind die Vorsichtsmaßnahmen groß. Kommt dann auch noch starker Wind hinzu, werden auch erfahrene Techniker wie Carsten Druske angespannt. Er und sein Team haben am Sonntag binnen weniger Stunden einen neuen Kran aufgestellt, mit dessen Hilfe das Dach des Hauptbahnhofs saniert werden soll.

„Rückblickend kann man sagen, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagte Druske. Er machte aber kein Geheimnis daraus, dass auch eine Menge Glück im Spiel war. Die Bedingungen, unter denen der Kran aufgebaut werden musste, waren erschwert: Nur etwas mehr als zehn Stunden durfte die Konstruktion in Anspruch nehmen – bei Wind und Regen. „Das enge Zeitfenster kommt durch die großräumige Sperrung zustande, die am Abend aufgehoben wurde“, sagte Druske, der für die Firma Wolff aus Heilbronn Kräne in allen Größen montiert. Denn während des Aufbaus konnten keine Straßenbahnen auf den Schienen am Hauptbahnhof entlangfahren, die Oberleitungen mussten von den Stadtwerken Bonn abgeklemmt werden. Zudem brauchten Tieflader und ein Autokran viel Platz, wodurch die Fahrbahn versperrt war.

Lag die Windstärke am Morgen noch bei drei bis sieben Metern pro Sekunde, stieg sie im Laufe des Tages immer weiter an. Zum Schluss waren die Böen so stark, dass der Aufbau nahezu unmöglich gewesen wäre. „Der Autokran kann nur bis zwölf Meter pro Sekunde genutzt werden.“ Er hievte nicht nur die einzelnen Elemente für den roten Kranturm nach oben, sondern auch den rund 65 Meter langen Ausleger, der vorher am Boden montiert worden war.

Druske musste sich aber nicht nur auf die Arbeit, sondern auch die Bonner konzentrieren. Ständig stoppten Schaulustige und fragten nach Details. „Am häufigsten natürlich nach Höhe und Gewicht“, meinte er. Ein älteres Ehepaar, das bei einem Bummel durch die Stadt anhielt, konnte sich noch gut an den Unfall vor drei Jahren erinnern: Damals stand ein Kran wegen anderer Bauarbeiten gegenüber des Hauptbahnhofs und stürzte auf das Dach des Bahnhofsgebäudes. „Wenn es so windig ist, macht man sich schon Gedanken, ob das noch mal passieren kann“, sagte die Frau. 2017 war jedoch ein menschlicher Fehler Schuld. Beim Abriss der alten Südüberbauung stürzte ein Betonteil auf einen rund 15 Meter hohen Staubschutzlappen, der am Baukran befestigt war, und brachte ihn zu Fall.

Der jetzt aufgestellte Kran am Hauptbahnhof wird für die nächsten Restaurierungsschritte des denkmalgeschützten 5500 Quadratmeter großen Hallendachs benötigt. Eigentlich wollte die Deutsche Bahn Ende 2019 fertig sein. Die Kosten wurden vor dem Baustart auf 13 Millionen Euro geschätzt. Doch während der Bauphase auftretende Probleme machten den Planern einen Strich durch die Rechnung: 2018 teilte die Deutsche Bahn mit, erst Ende 2020 sei mit der Fertigstellung zu rechnen. Die Kosten lägen bei 35,4 Millionen Euro.

Bereits jetzt lässt sich im neuen Abschnitt die Verglasung erkennen, die mehr Licht in den Bahnhof lässt. Der Stahl hat keinen blauen Anstrich mehr, sondern einen grauen, weil das der Ursprungsfarbe des 1883/84 errichteten Gebäudes entspricht. Das Zwischendach neben dem denkmalgeschützten Gewölbedach soll fast ausschließlich aus Glas bestehen und nicht wie bisher aus Plastik.