Ex-Botschafter Hans-Joachim Heldt: Ein Leben als diplomatischer Nomade

Ex-Botschafter Hans-Joachim Heldt : Ein Leben als diplomatischer Nomade

Hans-Joachim Heldt war als Botschafter in der ganzen Welt zu Hause. Als Pensionär kehrt er nach Bonn zurück

Wenn Hans-Joachim Heldt von Bonn spricht, dann meint er damit nicht nur den Hofgarten, das Alte Rathaus oder die Rheinpromenade. Bonn ist für den pensionierten Diplomaten auch eine Ära. Ein anderes Wort für eine achtsame Form von Politik, deren Errungenschaften bis heute reichen: "Die Bescheidenheit in der Bonner Republik stand ja im vollen Gegensatz zu allem, was Deutschland in den Jahren zuvor ausgestrahlt hatte. Sie hat bewirkt, dass wir in die Familie der Völker wiederaufgenommen wurden."

Deshalb freut sich der 80-Jährige, dass er nach Jahren der Abwesenheit, Auslandsposten und Reisen als Wahlbeobachter endlich wieder in der Stadt lebt, in der er vor 60 Jahren seine Studentenbude bezogen hat. "Damals war es klein bei mir, heute ist es wieder klein", lächelt er und deutet mit einer eleganten Handbewegung auf die Begrenztheit seines stilvoll eingerichteten Apartments im Wohnstift Augustinum. "Aber was für ein interessantes Leben liegt dazwischen!"

Viel erlebt hat gebürtige Stettiner tatsächlich: Mit seiner Familie hatte er 1945, kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee, Breslau mit dem Zug verlassen. Dann absolvierte er sein Abitur in München. Nach dem Studium an der Bonner Juristischen Fakultät und einer kurzen Zeit als Rechtsanwalt wurde ihm klar: "Am Schreibtisch sitzen, Familie gründen, Haus bauen - das ist nicht die Zukunft, die mir vorschwebt."

Mt 32 trat er in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik ein und arbeitete als Vizekonsul, Konsul und Botschafter in Ländern, die viele Flugstunden entfernt lagen: In Japan und auf den Philippinen, auf den Marianen-Inseln und im heutigen Benin, im Tschad, in Togo und Ghana. "Zu meiner ersten Station als Azubi - als Attaché im marokkanischen Rabat - bin ich nicht geflogen, sondern mit dem Käfer gefahren und habe in Spanien dann die Fähre genommen". Mit glänzenden Augen beschreibt er, wie ihn die Schönheit der afrikanischen Landschaft gefangen nahm. "Da habe ich auf Anhieb gesagt: Du hast dich richtig entschieden." Zumal ihm die Familiengründung auch ohne den Hausbau gelang, denn seine damalige Frau ließ sich auf das diplomatische Nomadenleben ein und brachte in verschiedenen Teilen der Welt drei Söhne zur Welt. "Mein Zweitjüngster ist Japaner", sagt der große, gerade aufgerichtete alte Herr schmunzelnd, der inzwischen auch acht Enkel hat.

Es könnte übrigens auch sein, dass Hans-Joachim Heldt ein Schiff meint, wenn er von Bonn spricht - genauer: den dritten Einsatzgruppenversorger der Bundesrepublik Deutschland. Die 174 Meter lange "Stadt Bonn", Baujahr 2010, erhielt ihren Namen auf Betreiben Heldts. Vor vier Jahren rief er im Uni-Club den "Freundeskreis Einsatzgruppenversorger Bonn" ins Leben. "So bleibt die Stadt Bonn auch auf diese Weise ein häufig verwendeter Begriff", erklärt der Oberleutnant zur See d. R.. Wegen einer ungewöhnlichen Regelung für Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes leistete er einen nur zweiwöchigen Wehrdienst bei der Marine ab und gilt seitdem als Reservist. Nicht nur die Arbeit für den Freundeskreis sorgt für ausreichend Beschäftigung im Pensionärsleben, sondern auch seine regelmäßigen - scherzhaft als "Mumientreffen" bezeichneten - Zusammenkünfte von "Ehemaligen" des Auswärtigen Amtes.

Für heute steht noch eine weitere Verpflichtung im Kalender: Schon zu dritten Mal wird Hans-Joachim Heldt das elegante Nikolaus-Kostüm des Augustinums anlegen, sich die Mitra aufsetzen und den goldenen Stab nehmen, um bettlägerige oder demente Mitbewohner zu besuchen. "Offenheit, Neugierde und Kontaktfreudigkeit", all die Eigenschaften, die er als Diplomaten-Tugend bezeichnet, kommen dann auch bei seinem Rundgang zum Einsatz. Plus gründlicher Vorbereitung. Denn der ehrenamtliche Nikolaus hat festgestellt, dass selbst höchst zurückgenommene Senioren sich auf kleine Gespräche einlassen, wenn sie ganz direkt auf Leistungen und Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit angesprochen werden.

"Dieser Mann nimmt seine Aufgabe sehr ernst", sagt die Augustinum-Kulturbeauftragte Eva Rommerskirchen, als sie das Nikolausgewand vorbeibringt: "Und zwar so erfolgreich, dass bei vielen die Augen zu glänzen beginnen, weil ihnen Ihre Kindheit wieder in den Sinn kommt. Das ist dann kein kleiner Gag, sondern eine wirkliche Beglückung."