Projekt Schule ohne Rassismus: Bonner Schüler vereint gegen Hass im Internet

Projekt Schule ohne Rassismus : Bonner Schüler vereint gegen Hass im Internet

Schüler diskutierten beim Netzwerktreffen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ über Hass und rechte Hetze im Internet.

Das Internet ist ein Paradies für Menschen, die anonym Hasskommentare loswerden wollen. Besonders beliebte Opfer: Muslime, Asylbewerber, Nicht-Heterosexuelle. „Früher habe ich das immer ignoriert, wenn da etwas in Kommentaren stand“, sagte Charisma (14), Schülerin an der Godesberger Elisabeth-Selbert-Gesamtschule (ESG). Sie nahm für ihre Schule am Montag am Regionaltreffen der elf Bonner Schulen im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ im Bonner Künstlerforum teil. „Jetzt weiß ich, dass man dagegen argumentieren kann.“

Bei den Lehrern ging es um Rassismus, bei den Schülern um „Hate Speech“, eben solche Hasskommentare, und darum, wie man ihnen begegnen kann, etwa mit „Gegenreden“, und wann man das nicht tun sollte. „Wenn der, der die Kommentare geschrieben hat, ein Argument genannt hat, dann kann man dagegen argumentieren“, erklärte Charisma. Handele es sich aber nur um eine Meinungsäußerung, die vielleicht sogar beleidigend ist, sollte man sich nicht darauf einlassen, sondern eher den Verfasser melden.

Zu diesen Themen sammelte der Referent Pierre Klapp zunächst Erfahrungsberichte der Schüler – jeder hatte dazu etwas zu erzählen. Dann wurde in Kleingruppen diskutiert, was man tun kann, was die Vor- und Nachteile verschiedener Vorgehensweisen sind: Das Gegenreden, so die Ergebnisse, kann den Verfasser zum Nachdenken anregen und andere User motivieren, ebenfalls etwas zu schreiben.

Das Melden und Blocken von Hasskommentaren ist mit wenig Aufwand verbunden und kann den Verfasser treffen, der aber auch einfach anderswo Kommentare posten kann. Und indem man seine Texte ignoriert, schützt man sich zwar selbst, hilft aber den Betroffenen nicht, gegen die er hetzt. Zudem ist Schweigen auch immer Zustimmung.

"Da ist nicht immer ein Hakenkreuz drauf"

Weiterhin wollte der Politikwissenschaftler Klapp die Schüler dafür sensibilisieren, wie extrem rechte Strategien im Internet funktionieren, dass es aber auch andere Formen rechter Hetze gibt: „Da ist nicht immer ein Hakenkreuz drauf.“ Neue Formen der Ansprache würden oft nicht über Rassenideologien funktionieren, sondern um Heimat- und Kulturbewahrung kreisen.

Die Lehrer beschäftigten sich damit, wo Rassismus überall stattfinden kann und wie er sich äußert. „Ich habe gelernt, dass andere Schulen ganz ähnliche Probleme haben wie wir“, sagte Gregor Kistenbrügge, ebenfalls von der ESG. An seiner Schule sei der „große Rassismus“ gar nicht so verbreitet, es gebe eher „Mikroaggressionen“ im Sinne von verbalen Attacken und Mobbing. „Das lässt sich in den Griff bekommen“, so Kistenbrügge. „Aber man muss in kleinen Schritten vorgehen.“

Ganz ausmerzen könne man die Probleme schon deshalb nicht, weil regelmäßig neue Schülergenerationen kommen. „Wir sind Sisyphos“, sagte der Lehrer. „Wenn wir den Stein in der zehnten Klasse relativ weit hochgerollt haben, fangen wir in der fünften wieder unten an. Aber das darf uns nicht nerven.“ Lehrer wie Schüler sollen die Ergebnisse aus den Workshops als Multiplikatoren an die Schulen tragen. Eine große Verantwortung für Charisma, die sich in der Schule in der Gruppe „Aktion Courage“ engagiert: „Wir beraten Kinder, die Fragen oder Probleme zum Thema haben.“ Das Regionaltreffen sei sehr hilfreich gewesen, um diese Aufgabe künftig besser erfüllen zu können.