Spezial-Museen der Universität Bonn: Keine Etats für Werbung oder Restauratoren

Spezial-Museen der Universität Bonn : Keine Etats für Werbung oder Restauratoren

Eine Diskussion spiegelt anspruchsvolle Zukunftsaufgaben für die wahre Fundgrube der Universität Bonn.

Ägyptische Votivgaben, Masken aus der Südsee, ein Meteorit, der vor 118 Jahren direkt neben dem Gummistiefel eines Bauern in Forstbach landete und das unzweifelhaft größte Maul der Stadt - der Abguss eines Tyrannosaurus-Rex-Schädels: Die zehn Spezialmuseen der Universität Bonn sind eine Fundgrube kostbarer, lehrreicher und teils einzigartiger Exponate.

So verwahrt das Horst-Stoeckel-Museum nach eigenen Angaben die größte Sammlung zur Geschichte der Anästhesiologie in Europa. Und die Kollektion antiker Abgüsse von Statuen und Friesen im Akademischen Kunstmuseum gilt immerhin als die umfangreichste in Nordrhein-Westfalen.

Trotzdem führen die Häuser im Kulturleben der Stadt insgesamt ein Nischendasein. Abgesehen vom Arithmeum mit seinem prominenten Bau am Rande des Hofgartens sind sie oftmals gar nicht auf den ersten Blick zu finden, haben teils sehr eingeschränkte Öffnungszeiten und empfangen Besucher fast sämtlich mit dem baulichen Charme der 1950er-Jahre zwischen wenig einladenden Eingängen und nicht immer eingängigen Beschriftungen.

Im internationalen Vergleich mit anderen Museen wirkt die Präsentation oft nicht zeitgemäß. Doch nicht nur das: Mitarbeiter beklagen Vitrinen mit wertvollen Objekten, die nicht richtig schließen, stromfressende Beleuchtung oder grelle Neonröhren. Trotzdem zählen einige Sammlungen jährlich Tausende Besucher.

Wie die Zukunft der Lehr- und Schausammlungen in diesem durchaus nicht konfliktfreien Spannungsfeld aussehen könnte, diskutierten jetzt fünf Vertreter verschiedener Museen im Rahmen des Jubiläumsprogramms der Universität im Arithmeum.

Moderator Klaus Herkenrath lenkte das Gespräch zunächst auf eine recht theoretische Ebene. Martin Sander, Leiter des paläontologischen Goldfuß-Museums im Steinmann-Institut, berichtete, Exponate aus der ursprünglichen Privatsammlung von August Goldfuß (1782-1848) würden nach 150 Jahren im Magazin jetzt in einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft neuerlich ausgewertet.

Als Objekte für Forschung und Lehre seien die Originale und damit die Sammlungen der Institute mithin von großem Wert. Anne Zacke, Kuratorin im Mineralogischen Museum, betonte, dass ein Museum sich stets auch an die breite Öffentlichkeit wenden solle. Viele Besucher kämen ins Poppelsdorfer Schloss, um sich an "funkelnden Schmuckstücken" zu erfreuen.

Mit Führungen für Kinder und Erwachsene versuche das Museumsteam auch auf leichte Weise geologisch-mineralogische Zusammenhänge näher zu bringen. Führungen, das bestätigten alle Museums-Vertreter, sind in den Sammlungen der Schlüssel, um Gäste nachhaltig zu interessieren.

So mag sich Ina Prinz, Direktorin des Arithmeums und Professorin für Diskrete Mathematik, zwar sehr über eine Schenkung von 4000 Rechenschiebern freuen. Deren Wert dürfte Laien ohne angemessene Einführung jedoch weitgehend verborgen bleiben.

Stellvertretend für die Runde berichtete Kornelia Kressierer vom Akademischen Kunstmuseum: "Nach unseren Sonntagsführungen sind die Leute immer total begeistert."

Erst eine energische Nachfrage des langjährigen Uni-Kanzlers Reinhardt Lutz aus dem Publikum brachte dann zutage, dass sich die Museumsmacher keineswegs nur im kleinteiligen fachlichen Elfenbeinturm gefallen, sondern dass sie ihre Häuser gerne anders aufstellen würden.

"Wir stoßen alle an unsere Grenzen", entfuhr Kressirer ein Stoßseufzer. Es gebe keinen Etat für irgendwelche Werbung, für museumspädagogische Angebote oder für erweiterte Öffnungszeiten. So kann das markante Haus mit der Rotunde am Hofgarten werktags nur zwei Stunden am Nachmittag öffnen.

Samstags bleibt es geschlossen. Nur studentisches Engagement und ehrenamtliche Helfer wie ein pensionierter Chemiker, der im Mineralogischen Museum bei der Präparation der Exponate hilft, machen das derzeitige Angebot der Museen überhaupt möglich. Einige seien de facto eine One-Man-Show.

Martin Sander empfahl deshalb dringend, für die chronisch unterfinanzierten Häuser nach zusätzlichen Geldgebern außerhalb der Universität zu suchen, deren Aufgabe ja kein Museumsbetrieb ist. Früher habe die Stadt Bonn für die Angebote zumindest Zuschüsse gewährt. Als natürlicher Partner schwebt Sander der Landschaftsverband Rheinland vor.

Schließlich ist das akademische Erbe aus 200 Jahren Bonner Universität auch ein Teil des regionalen Gedächtnisses. Gerade im Jubiläumsjahr erscheint es unverständlich, dass nicht das Land oder Sponsoren aus der Wirtschaft einspringen, um wenigstens die größeren Sammlungen ansprechender zu präsentieren. Es gibt nicht einmal einen gemeinsamen Werbeflyer der Sammlungen für Besucher der Stadt Bonn.

Ein Zuhörer forderte deshalb auch eine gemeinsame Erklärung zu eigenen Vorstellungen und den nötigen Mitteln ein.

Eines ist klar: Um den Sammlungen wirklich zu helfen, wären nicht nur kosmetische Korrekturen nötig. Sander etwa wünscht sich mehr digitale Angebote in der Schausammlung. Und Frank Förster, Kurator im Ägyptischen Museum, wäre vor allem mit einem Restaurator gedient, um die vorhandenen Exponate zukunftssicher zu erhalten.

Ein erster Schritt in die Zukunft ist immerhin auf dem Weg. Mit dem Kosmos-Projekt - ebenfalls gefördert von der DFG - haben sieben der Uni-Museen 2016 begonnen, ihre Bestände vollständig digital zu katalogisieren.

Als Lustmacher auf die Bestände der Uni-Museen dient die gemeinsame Ausstellung "Rheinische Wunderkammer". Sie zeigt ab 27. März im Arithmeum 200 prägnante Exponate aus 200 Jahren Uni-Geschichte.

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