Bonner Kellertheater „Die Pathologie“ führt „Nipple Jesus“ auf

Augenkontakt mit den Schauspielern : Bonner Kellertheater „Die Pathologie“ führt „Nipple Jesus“ auf

Das Kellertheater „Die Pathologie“ spielt mit der Nähe zum Publikum. An diesem Samstag steht Nick Hornbys „Niple Jesus“ auf dem Programm.

Vor bald 20 Jahren entstand die Idee, im Keller der damaligen Südstadtkneipe „Pathos“ ein Theater einzurichten. Der Name „Die Pathologie“ war schnell gefunden. Schließlich beschäftigt sich die Pathologie fernab vom Pathos mit messerscharfer Analyse. „In unserem Theater kann man nichts ‚vorspielen‘, hier muss man ehrlich spielen“, sagt Johannes Prill (56), der vor zwei Spielzeiten die künstlerische Leitung von Maren Pfeiffer übernommen hat. Am Wochenende gibt es wieder zwei Vorstellungen.

Das Zimmertheater mit 25 Plätzen schafft Nähe zum Geschehen auf der Bühne. „Mich reizt, mit filmischen Mitteln arbeiten zu können“, bringt es Prill, der als Dozent an der Kölner Film Acting School tätig ist, auf den Punkt. Er freut sich über die Möglichkeit von leisen Tönen, die ihm die Nähe zum Publikum bietet. Die minimalen Gesten. Blicke, die Zuschauer unmittelbar treffen können. Prill möchte, dass man sein Theater versteht. „Ich möchte ich nicht, dass die Leute hier kopfschüttelnd rausgehen“.

Bisher scheint ihm das gelungen zu sein. Mit den Premieren der Spielzeit von Jelineks „Schatten“, Nick Hornbys „Niple Jesus“ oder Maren Pfeiffers „Fräulein Wunder“ und auch von „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Bernd Capitain wird die große Bandbreite der „Pathologie“ deutlich. Auch junge Menschen finden den Weg unter das Restaurant Schumann’s, dessen Inhaberin Ina Faber die Pathologie seit jeher unterstützt. Doch nicht immer sind die Vorstellungen ausgebucht. Selten, aber manchmal müssen sie sogar ausfallen. „Die Pathologie ist noch nicht in allen Köpfen der Bonner angekommen“, bedauert ihr Spielleiter, dessen Anspruch es ist, die „enttäuschten Theatergänger“ mit „verständlichem Theater“ wiederzugewinnen.

Mit ansteckender Begeisterung erzählt er von der Wiederaufnahme von „Niple Jesus“, entstanden aus einem Essay von Nick Hornby. Sein Schauspielkollege Steven Reinert hat es ihm für die Pathologie vorgeschlagen. Nun gibt der Kölner Film- und Theaterschauspieler den Dave, einen Ex-Nachtclub-Türsteher, der als Museumswärter ein Jesus-Bild bewacht, das sich als eine Collage von aus Pornoheften ausgeschnittenen Brustwarzen entpuppt. „Mit seinem Stück hat Hornby die künstlerisch intellektuelle Arroganz aufs Korn genommen“, sagt Prill. Der Hauptfigur gelinge es mit rührender Naivität, die richtigen Schlüsse zu ziehen, ohne es selber zu wissen. „Er stellt den ganzen Kunstmarkt infrage“, so Prill, der mit seiner bewegten Vita nicht weit davon entfernt ist, es selber zu tun. „Es kann nicht richtig sein, Geschichten so zu verklausulieren oder mit Symbolen zu überfrachten, dass kein Mensch mehr versteht, um was es geht“, sagt er. Er ärgert sich noch heute über die ihm stereotyp erscheinende Aussage der damaligen Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp, die veröffentlichen ließ, dass man nicht angetreten sei, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen. „Für wen soll man denn Theater sonst machen?“ fragt Prill rhetorisch. Im Moment hofft er, der keine Subventionen bekommt, dass die Bonner Theatergemeinde „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ in ihr Programm aufnimmt. Prill möchte junge Menschen erreichen und seine Produktionen auch Lehrern für den Unterricht anbieten.

„NippleJesus“. Samstag um 20 Uhr, Sonntag um 18 Uhr in der Pathologie, Weberstrasse 43, Eintritt 20 Euro (ermäßigt zwölf Euro). Karten möglichst im Restaurant Schumann’s unter ☏ 0228/22 23 58 zwischen 11 und 23 Uhr bestellen.