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Bonn: Jäger retten Rehe mit Wärmebildkamera-Drohne

Tierschutz in Bonn : Jäger retten Rehkitze mit Drohne vor Traktor-Tod

Die Jägerschaft Bonn setzt neuerdings eine Drohne ein, um Wiesen vor der sogenannten Mahd nach jungen Rehen abzusuchen. So konnten schon viele Tiere gerettet werden.

Manchmal ist die Gefahr bis zu 15 Metern breit. Dann gibt es für die Tiere kein Entkommen. Unerbittlich fressen sich die Messer am Mähwerk des Traktors durch die Wiesen und mähen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt – auch mal ein Rehkitz oder einen Fasan.

„Wenn das Mähwerk so breit ist, haben die Tiere keine Chance zu flüchten“, sagt Lutz Schorn, Vorsitzender der Bonner Jägerschaft. „Die Kitze schaffen es dann nicht, zur Seite zu springen.“ In den ersten drei Wochen ihres Lebens setzen die jungen Tiere ohnehin auf den „Duckeffekt“. Statt zu flüchten, verlassen sie sich auf ihre Tarnung und darauf, den Kopf einzuziehen. „In dieser Zeit säugt die Mutter sie noch“, erklärt Schorn. „Sie sind noch keine Fluchttiere.“ Bei natürlichen Feinden wie dem Fuchs funktioniert das gut, auch weil er und andere Räuber sie kaum wittern können. Nur vor den Traktoren sind sie so nicht sicher. „Die zerlegen dann schon mal ein Kitz“, sagt Schorn. Schätzungen würden davon ausgehen, dass dieses Schicksal in Deutschland jedes Jahr bis zu 100 000 Kitze trifft.

Auf dem Display der Fernsteuerung sind Wärmequellen zu sehen. Foto: Lutz Schorn

Damit das nicht passiert, hat die Jägerschaft seit Kurzem eine Drohne mit einer Wärmebildkamera. Bisher suchten die Mitglieder die Wiesen zu Fuß ab. Wenn im Mai oder Juni das erste Mal gemäht wird, haben die Rehe gerade Nachwuchs bekommen. Wenn sie vorhaben, Heu zu machen, rufen die Landwirte bei dem Jäger an, der in dem Gebiet jagt. Die Jäger posten den Termin dann in einer Whatsapp-Gruppe. In der Kitzretter-Gruppe sind Jäger und Nichtjäger, die dann ausrücken, um die Wiese abzusuchen, bevor sie gemäht wird. „Aber je nachdem wie hoch das Gras ist, hat man wenig Erfolg“, sagt Schorn. Mit der Drohne soll sich das ändern. Gleich beim ersten Einsatz zeigte das Display der Kamera zwei rote Punkte. Schorn und seine Helfer konnten zwei Kitze aus der Wiese in Alfter bergen. „Es ist schon eine Gefühlsexplosion, wenn man eins findet“, sagt Schorn. In der vergangenen Woche haben sie wieder Tiere in einer Wiese in Lengsdorf gefunden.

Lutz Schorn schaut seinem Sohn beim Steuern der Drohne zu. Foto: Lutz Schorn

Damit sich die Tiere mit der Wärmebildkamera besser finden lassen, müssen Schorn und seine Mitstreiter früh raus. Morgens, wenn die Umgebung sich noch nicht aufgewärmt hat, sind die Tiere besser zu sehen. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt Schorn. Überlegt dann kurz und korrigiert: „Die frühe Drohne lokalisiert das Kitz.“ Die Suche sei aber schon ein riesiger Zeitaufwand, sagt er. Und nicht alle Landwirte würden Bescheid geben, bevor sie mähen. Kürzlich habe er mit einem Landwirt gesprochen, dem ein Kitz in den Mäher geraten war. „Das ist ihm so nahe gegangen, dass er die Wiese nicht mehr mähen will“, sagt Schorn. Durch einen Kadaver im Heu könne es als Futter unbrauchbar werden, weil sich Bakterien entwickeln, die giftig sind. Tiere, die es fressen, können sogar sterben.

Die Jägerschaft hat dieses Kitz vor dem Ende bewahrt. Foto: Lutz Schorn

Laut Schorn müssen die Landwirte Vorsorge treffen, dass so etwas beim Mähen nicht passiert. Sie seien sogar verpflichtet, sich von innen nach außen vorzuarbeiten, damit die Tiere besser flüchten können. „Heute machen das viele Landwirte nicht mehr selber“, sagt Schorn. Sie beschäftigen dafür jemanden. Diese Lohnunternehmer arbeiten auf Zeit, müssen sich also beeilen. Dementsprechend schnell würden sie über die Wiesen fahren. Manchmal mit bis zu 50 Sachen. Da haben die Tiere noch schlechtere Chancen zu flüchten.

Die Drohne mit der Wärmebildkamera wurde mit Spenden bezahlt. Thomas Brunner von der Jägerschaft startete dafür eine Online-Kampagne. 4000 Euro kamen so zusammen. Für alle, die sehr viel gespendet haben, hat sich Schorn noch etwas Besonderes überlegt: Die gefundenen Kitze werden nach den Spendern benannt. Und so heißen die beiden Tiere aus Alfter nun Verena und Christa. Sie tragen auch eine weiße Marke im Lauscher. Die Jäger im Revier hat Schorn darum gebeten, sie leben zu lassen, um zu verfolgen, wie sie sich entwickeln.

Christa und Verena haben jetzt erst einmal nur noch natürliche Feinde.