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Entdeckungstour durchs Revier: Jäger Lutz Schorn sucht nach Frühlingsspuren im Bonner Kottenforst

Entdeckungstour durchs Revier : Jäger Lutz Schorn sucht nach Frühlingsspuren im Bonner Kottenforst

Mit Jäger Lutz Schorn geht es auf Entdeckungstour im Bonner Kottenforst. Mit dabei in dem insgesamt 200 Hektar großen Revier ist auch seine Hündin Finja.

Warme Sonnenstrahlen spiegeln auf der Wasseroberfläche, als Lutz Schorn auf einen kleinen See im Bonner Kottenforst zugeht. „Frieda und Ernst sind heute nicht an ihrem Lieblingsort“, merkt der 54-jährige sofort. Er schiebt lächelnd nach: „Das ist wohl der Presseeffekt.“ Frieda und Ernst, dem Stockenten-Pärchen, hat der Jäger mittlerweile Namen gegeben – für ihn gehören sie zu seinem Revier dazu. Doch auch wenn das frühlingshafte Wetter an diesem  Tag die Enten nicht von einem Ausflug an den See überzeugen konnte, zeigt sich der belebte Kottenforst an verschiedensten Stellen als bunter Vorbote des Sommers. Schorn nimmt mich mit auf einen Spaziergang durch die Natur – und auf die Suche nach dem Frühling.

Nur ein paar Meter von der A 565 entfernt, noch in Hörweite des Autolärms, scheint die Welt eine andere zu sein. Eine große Freifläche zeigt sich, von hübsch aufgereihten Bäumen geschmückt. „Das sind alte Apfelsorten, die je nach Art sogar sehr selten sind“, erklärt Lutz Schorn stolz. Er untersucht die Nagespuren, die die Rehe nachts an den noch kleinen Stämmen hinterlassen, während seine Jagdhündin Finja sich eher für die Wühlmäuse interessiert, die auf dem Gelände leben. „In der Familie ist sie die einzige, die gehorcht“, lacht der zweifache Vater, der sein etwa 200 Hektar großes Revier schon seit mehr als 20 Jahren pflegt.

Hündin Finja springt ins kühle Nass

Mit aufmerksamem Blick deutet er auf den weißen Teppich aus Buschwindröschen nur ein paar Meter weiter. „Sie tanken die Sonne, solange es noch kein Laub und keine Blätter an den Bäumen gibt“, erklärt Schorn. Der Jäger schaut sich um. Inmitten des dichten Blumenteppichs sind immer wieder Baumstämme zu sehen, die die vergangenen Stürme aus dem Boden gerissen haben. „Tod ermöglicht Leben“, sagt Lutz Schorn und zeigt auf viele kleinere Bäume, die aus dem breiten Stamm einer umgestürzten Linde wachsen. Das sei nur möglich, weil nun kein Licht mehr von der Krone des auf dem Boden liegenden Baumes abgehalten würde. „Die Nährstoffzufuhr ist nicht ganz unterbrochen“, erklärt er weiter – für die kleinen Linden sei das eine Chance, einige Zeit weiter zu wachsen.

Doch nicht nur die Linden wachsen, auch andere Lebewesen freuen sich sichtlich auf den Frühling im Wald. Eine Wasseransammlung neben Friedas und Ernsts Lieblingssee scheint ein Paradies für Kröten und Frösche zu sein. Unzählige Kaulquappen schwimmen dort, und auch Hündin Finja ist von einem Bad nicht abgeneigt. „Wenn es wieder so trocken wird, werden die meisten Kaulquappen es nicht schaffen, auch das ist Evolution“, sagt Schorn. Ein paar Minuten später kommt er auf das Thema allerdings noch einmal mit einem Lächeln zurück: „Aber wenn ein Eimer Wasser ihnen hilft, wird es daran nicht scheitern. Das ist die emotionale Note.“

Jagd hat eine Anteil zur Erhaltung der Natur

Insgesamt wehrt sich der 54-Jährige gegen das weit verbreitete Vorurteil, Jägern seien die Tiere unwichtig: „Wenn ich ein Lebewesen oft wiedersehe und ihm sogar einen Namen gebe, ist’s vorbei.“ Dennoch: Jagd sei „eine Notwendigkeit“ zur Erhaltung der Natur. Dann aber streng nach dem sogenannten Abschussplan und stets verantwortungsbewusst, betont Schorn, der schon im Alter von 16 Jahren einen Jugendjagdschein machte. Sein 16-jähriger Sohn hat die Begeisterung für Jagd und Naturschutz wohl geerbt: Auch er ist auf dem besten Weg, seinen Jugendjagdschein zu absolvieren.

„Der Vogelgesang ist wirklich schön“, freut sich Schorn, als er auf seinem orangenen Fahrrad auf filmkulissenreifen Waldwegen zu einer großen Lichtung fährt. „Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch diesen Wald geht, kann man richtig viel Faszinierendes erleben“, betont er und erklärt anhand eines zersägten Baumstamms, wie an den Ringen im Holz „gute und schlechte Jahre“ erkennbar sind.

Mit Blick auf vorbeigehende Waldbesucher spricht er von „immer mal wieder auftretendem Fehlverhalten“, das er aber immer konstruktiv zu lösen versuche. „Man muss irgendwie respektieren, dass alle ein Interesse daran haben, in der Natur zu sein“, sagt Schorn. Den Frühling haben die Waldbesucher wohl jedenfalls alle gefunden – denn auch das Schöne ist in Krisenzeiten wichtig.