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Alter Schlachthof in Bonn: Chancen für Westwerk-Konzerthalle steigen

Pläne für Schlachthof-Gelände : Neue Konzerthalle in Bonn rückt näher

Acht Jahre stand er leer und verfiel: Die Stadt will den verfallenen Ex-Schlachthof nun an die Stadtwerke verkaufen. Die sollen in der Weststadt eine Fläche für das seit Jahren geplante Rock- und Popzentrum, auch „Westwerk“ gerufen, reservieren.

Aus den Ruinen des alten Schlachthofs könnte bald etwas Neues entstehen. Nach acht Jahren Leerstand und Verfall ist für das 28.661 Quadratmeter große Grundstück in der Weststadt der Durchbruch in Sicht. Die Kommune will es an die eigenen Stadtwerke verkaufen, die gemeinsam mit dem Eigentümer der mehr als doppelt so großen Nachbarflächen das gesamte Dreieck zwischen Immenburgstraße, Am Dickobskreuz und Bahngleisen neu bebauen will. Dort soll auch das seit Jahren diskutierte Westwerk – eine Halle für Pop- und Rockkonzerte – einen Platz finden.

Sowohl die Jamaika-Koalition als auch die Stadtverwaltung wollen das Westwerk-Projekt. Das soll sich auch im Kaufvertrag mit den Stadtwerken Bonn (SWB) niederschlagen, wie aus einer nicht-öffentlichen Beschlussvorlage für den Rat hervorgeht. Die SWB müssen demnach eine „privatrechtlich abgesicherte Ansiedlungsmöglichkeit für das Kompetenzzentrum Popkultur“ anbieten, heißt es dort.

Ein Rückkaufrecht der Stadt soll diese Forderung untermauern. Formal holt sich die Verwaltung mit dem Beschluss zunächst grünes Licht für die Verhandlungen mit den Stadtwerken. Eine Mehrheit im Rat dürfte nach GA-Recherchen sicher sein. Der Kaufpreis hängt auch von den Abriss- und Entsorgungskosten auf dem Schlachthofgelände ab, die von der Stadt auf mehr als drei Millionen Euro taxiert werden.

SWB will mit Partner neue Firma gründen

Sobald die SWB Eigentümerin geworden ist, soll ein entscheidender Schritt erfolgen: Der kommunale Konzern will mit der „Bauprojekte ehemaliger Güterbahnhof Bonn GmbH“, eine gemeinsame Firma gründen, um das Gesamtareal zu entwickeln. Hinter der GmbH, der dort 63.414 Quadratmeter gehören, steht der Bonner Unternehmer Detlev Klaudt. „Wir haben uns mit den Stadtwerken darauf verständigt, eine Projektgesellschaft zu gründen, in die beide Seiten ihre Grundstücke einbringen“, bestätigt Klaudt auf Anfrage. „Diese Gesellschaft würde dann als Bauherrin auftreten.“

Die Pläne der SWB sehen laut Beschlussvorlage ein „Entsorgungs- und Innovationsdreieck“ vor. Auf dem neu zu ordnenden Areal sollen ein Wertstoffhof für Bonnorange, ein Bauhof für das Tiefbauamt, eine Kohlendioxid-Minderungsanlage der Müllverbrennungsanlage (MVA) Flächen für Recycling- und Laborfirmen, Bürogebäude und ein Parkhaus entstehen. Die Westwerk-Halle sei in der Nähe der Bahngleise vorstellbar, schreibt die Stadt. Gemeint ist offenbar der östliche Zipfel des Areals, der zum Klaudt-Grundstück gehört. Dort wäre das Veranstaltungszentrum direkt von der Immenburgstraße aus erreichbar.

Die Gruppe, die das Zentrum für Popmusik etablieren will, ist von der Stadtverwaltung über die neuen Entwicklungen nicht informiert worden. „Mit uns hat seit Langem keiner mehr gesprochen“, sagt der frühere Rheinkultur-Macher Holger Jan Schmidt. Und: „Die Kommunikation der Stadt war schon einmal intensiver.“ Das Projekt werde weiterverfolgt, ruhe aber im Moment. Die geplante Projektgesellschaft Westwerk KG könne jederzeit gegründet werden, sobald konkrete Verhandlungen anstünden. Der Rat hatte 2015 beschlossen, der KG eine Fläche in Erbpacht zu überlassen. Dieser Beschluss soll nun aufgehoben werden, um die neue Lösung umzusetzen.

Belebung des Areals: Streetfood und Bowlingcenter?

Ursprünglich wollte Unternehmer Klaudt das Schlachthofgelände selbst kaufen. Seine Pläne sahen unter anderem ein Hotel, Büros und Gastronomie vor. Doch MVA-Geschäftsführer Manfred Becker hat ein Immissionsschutz-Gutachten erstellen lassen, in dem die Anwälte vor möglichen Einschränkungen für den Müllverwertungsbetrieb warnen. Diese Bedenken gelten auch für das Westwerk. Direkt neben der MVA wollen die SWB deshalb nur „robustes Gewerbe“ ansiedeln. Was dann auf den restlichen Flächen von Klaudts Konzept übrig bleibt, ist unklar.

„Wir möchten weiterhin etwas Schönes bauen, das zur Belebung des Areals beiträgt – einen Streetfood-Court oder ein Bowlingcenter zum Beispiel“, betont der Unternehmer. „Die Planungen und weiteren Gespräche werden zeigen, was möglich ist.“ Die Westwerk-Idee jedenfalls begeistert Detlev Klaudt. Vor allem dann, wenn die Stadt die seit Jahren diskutierte Fußgängerbrücke über die Bahntrasse bauen sollte, die eine Verbindung von der Konzerthalle zur Nordstadt schaffen würde. „Wir haben auf diesem zentralen Gelände eine einmalige Chance“, unterstreicht der Bonner. „Dort könnten wir Köln als Konzertstandort auch mal Paroli bieten.“