Pflanzenmenschen ziehen in Villa Friede

Pflanzenmenschen ziehen in Villa Friede

Neuer Eigentümer Ren Rong will sanierungsbedürftiges Gebäude zum Kunst-Treffpunkt entwickeln

Mehlem. Sein Ziel ist klar: "Schöner machen, ja, schöner machen", sagt der Mann, der vor der Villa Friede steht. "Wissen Sie, ich bin Künstler, ich habe es mit Schönheit zu tun", unterstreicht er und strahlt dabei einen ansteckenden Optimismus aus.

Der Mann heißt Ren Rong, ist Künstler, deutscher Staatsbürger chinesischer Herkunft und neuer Besitzer der Villa Friede. Die will er "schöner machen", sie soll ihm künftig als Galerie, Atelier, Wohnhaus dienen und zudem zu einem internationalen Treffpunkt für Kunst und Künstler entwickelt werden. Wann wird es soweit sein?

"Ein, zwei Jahre, müssen wir sehen", sagt Ren Rong, der mit Vornamen Rong, mit Nachnamen Ren heißt und derzeit mit seiner deutschen Frau und drei Kindern noch in Schloss Gelsdorf wohnt. "Als ich es das erste Mal gesehen habe, wusste ich sofort, das ist genau das Richtige."

Doch der erste Anlauf von Ren Rong scheiterte. Als die Villa Friede zum Verkauf stand, gab die Stadt Bonn zunächst einem Mitbewerber, einer Immobilienfirma aus Brühl, den Vorzug. Doch die warf kurz vor Vertragsunterzeichnung das Handtuch. Danach erhielt Ren Rong den Zuschlag.

Er zeigt auf die asphaltierte Fläche vor dem Eingang. Die will er mit Bruchsteinen pflastern und begrünen lassen. Ebenso die Zufahrt zum Saal. "Es soll alles grün werden", betont er mehrfach, "die Menschen sollen sich wohl fühlen." Ren Rong denkt sogar darüber nach, das Grundstück zu erwerben, auf dem jetzt noch ein Kiosk und ein Container stehen. "Das kann man auch schöner machen", sagt er.

Der Kiosk steht derzeit zum Verkauf. Am äußeren Eindruck des Gebäudes will Ren Rong nichts ändern. Im vorderen Teil, früher als Gaststätte genutzt, will er eigene Werke, aber auch die anderer Künstler zeigen. Außerdem schwebt ihm vor, dort Kulturveranstaltungen, etwa Lesungen, durchzuführen. Parkplätze gebe es im Umfeld genug.

Im ersten Stock werden die Kinder, unterm Dach die Eltern wohnen. Den Saal, jahrzehntelang Versammlungsraum von Mehlemer Vereinen, wird er als Atelier nutzen. Den Vereinen will er eine Nutzung des Saales anbieten. Das sei doch selbstverständlich, sagt er: "Ich lebe doch bald in Mehlem, ich will mit den Menschen hier zusammenarbeiten."

Wie sich das mit der Nutzung des Saales als Atelier verbinden lässt, "muss man im Einzelfall sehen". In seinen Papierschnitten, Holzobjekten, Skulpturen und Installationen strebt Ren Rong eine Synthese aus chinesischer Volkskunst und westlichen Kunstauffassungen an.

Bekannt ist er unter anderem durch seine "Pflanzenmenschen". 1986 kam der 1960 in Nanjing geborene Ren Rong nach Deutschland. Mit Bonn verbindet ihn seit langem eine fruchtbare Beziehung. So gehörte er zum Vorbereitungsteam der Ausstellung "Zeitgenössische chinesische Malerei", die 1996 im Kunstmuseum Bonn gezeigt wurde.

"Ich habe das Gefühl, ich kehre in meine Heimat zurück", sagt er lachend. Dass die Villa einen erheblichen Renovierungsstau aufweist, ist dem neuen Eigentümer bewusst. Eine Wärmedämmung und eine neue Heizungsanlage sind nur die wichtigsten Posten.

Welche Kosten da auf ihn zukommen, kann er im Moment noch nicht überblicken. "In zwei Monaten", so hofft er, habe er eine Schätzung auf dem Tisch. Doch schon ist er wieder bei der Kunst: "Hier", er zeigt auf die Ecke links vom Eingang, "stelle ich einen Pflanzenmenschen hin."

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