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Vorfälle in Medinghoven: Zerwühlte Sperrmüllberge schon Tage vor der Abfuhr

Vorfälle in Medinghoven : Zerwühlte Sperrmüllberge schon Tage vor der Abfuhr

Sperrmüllsammler haben in Medinghoven am Europaring schon Tage vor der Abfuhr das Sperrgut durchwühlt. Bonnorange stellt klar: Der herausgestellte Hausrat gehört uns. Allerdings drückt das Unternehmen beide Augen zu.

Schwer zu sagen, woher die einschlägigen Sperrmüllsammler mit den weißen Transportern von ausrangiertem Hausrat wussten, der irgendwo am Bürgersteig abgestellt ist. Jedenfalls kurvten sie in Medinghoven auf dem Europaring herum und machten reiche Beute.

Der Sperrmüll türmte sich an vielen Stellen zu Halden. Anwohner hatten sich offensichtlich ihrer kompletten Wohnungseinrichtung entledigt. Möglicherweise war das Mobiliar ursprünglich ordentlich aufgetürmt. Doch am Mittwochabend bot sich ein Bild der Verwüstung. Schlimmer noch am Donnerstag: Bis zu fünf Lieferwagen standen vor den Sperrmüllhaufen. Systematisch wühlten die Sammler. Aber auch Anwohner mit Bollerwagen inspizierten das Mobiliar und zogen mit mehr oder weniger sperrigen Dingen nach Hause.

„Es ist nicht erlaubt, Sperrmüll von der Straße mitzunehmen“, stellt Jasmin Mangold von Bonnorange klar. Ab dem Moment, wo der Eigentümer Hausrat auf die Straße stelle, gehöre er Bonnorange. Der Entsorger kann nämlich mit Sperrmüll Geld verdienen. „Er wird nach den verschiedenen Rohstoffen wie Holz und Metall sortiert, die verkauft werden“, so Mangold. Was am Ende übrig bleibe, sei nur noch Restmüll, den Bonnorange kostenpflichtig entsorgen müsse. Unterm Strich schlage sich also das offensive Sperrmüllsammeln Privater in den Müllgebühren nieder. „Wenn nur noch der Rest am Straßenrand steht, fehlen uns Einnahmen.“ Allerdings hat Bonnorange keine Handhabe gegen Privatsammler. Dafür ist das Ordnungsamt zuständig, das nach Kontrollen Bußgelder verhängen kann.

Dass Hausbewohner weit vor dem ausgewiesenen Termin Sperrmüll auf die Straße stellen, kann Bonnorange nicht verhindern. Ein Mitarbeiter habe sich vor Ort ein Bild gemacht und nichts Außergewöhnliches festgestellt, so Mangold. „Die Vorschrift ist, dass Sperrmüll nur am Morgen des Abfuhrtags herausgestellt werden darf.“ Bonnorange drücke allerdings ein Auge zu, um Hausbewohnern einen zeitlichen Spielraum zu verschaffen.

Um einige der Probleme zu entschärfen, hat Bonnorange unter anderem in einigen Hardtberger Bezirken Anfang des Jahres das Modell „Sperrmüll auf Abruf“ eingeführt. Laut Entsorgungsunternehmen ist die Zwischenbilanz gut.