Win-win-Situation für Bands und Vereine: Integration von Derletalfest und Rock im Tal gelungen

Win-win-Situation für Bands und Vereine : Integration von Derletalfest und Rock im Tal gelungen

Rock im Tal ins Derletalfest zu integrieren, erwies sich als gute Entscheidung - weil das Wetter mitspielte. Zwar stand für die Aussteller weniger Platz zur Verfügung, insgesamt aber konnten sie sich über mehr Zuschauer freuen.

Vielleicht wird aus Tom ja mal ein echter Rocker. Bis dahin hat er noch Zeit, er ist ja erst sechs Jahre alt, aber die Musik, die am Samstag beim Derletalfest auf der großen Bühne gespielt wurde, fand er schon mal ziemlich gut. Zur Freude seiner Mutter Evelyn, die mit Tom und seiner kleinen Schwester Anna (3) vor allem wegen der „Rock im Tal“-Bühne ins Derletal gekommen war.

Sie genossen, wie einige andere Gruppen auch, auf ihrer Picknickdecke die Festival-Musik und den gemütlichen Nachmittag. „Wir sind schon immer zum Derletalfest gegangen“, so die Mutter. „Aber bei Rock im Tal war ich immer in anderen Umständen.“ In der Schwangerschaft hatte sie keine Lust, danach war es ihr wegen des Stillens zu umständlich. Aber jetzt, wo Fest und Festival erstmals zusammengelegt wurden und die Kinder alt genug sind, nutzte sie die Gelegenheit. Ihr gefiel dieses Konzept. „Ich hoffe, dass so beide Veranstaltungen überleben.“

Was Rock im Tal angeht, ist das keine unbegründete Sorge. Nach dem auch finanziellen Schiffbruch im letzen Jahr, als es ununterbrochen regnete, stand eine Fortsetzung auf der Kippe. Zudem hatte der Spielmannszug Rot-Weiß Duisdorf, der das Festival mitorganisiert und den Ausschank übernommen hatte, wegen seiner Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum kaum personelle Kapazitäten zur Verfügung. Die Zusammenlegung mit dem Derletalfest war eigentlich die einzige Option für eine Weiterführung.

Nicole und Dennis Schreiner, Mitglieder der Band Coldstack und Organisatorin von Rock im Tal, fühlten sich an die Schlammschlacht von 2017 erinnert, als sie am Samstagmorgen aus dem Fenster blickten. Schon der Bühnenaufbau erfolgte im Regen, was aber laut der Keyboarderin der Live-Coverband nicht so große Probleme mit sich brachte wie man meinen könnte. Zu ihrem Glück verzogen sich die Regenwolken rechtzeitig, der Boden trocknete erstaunlich schnell im Derletal. Gute Bedingungen fürs Derletalfest, das ja auch schon nahezu jede Wetterlage gesehen hat, und somit auch für das Rock-Festival. „Ich finde das Konzept eigentlich super“, meinte Nicole Schreiner. Bands und Vereine hätten gleichermaßen etwas davon: Die Bands würden neue Besucher zum Fest bringen und die Vereine neues Publikum vor die Bühne. „Wir hoffen, dass die Stadt Bonn und die Vereine das positiv bewerten.“ Sie jedenfalls war mit allem zufrieden, vor allem mit der Anzahl der Leute, die vor der Bühne standen - so viele hatte man dort tagsüber früher selten gesehen.

Rock im Tal auf der Hauptbühne, das bedeutete für die Vereine, die ringsherum ihre Stände aufgebaut hatten, vor allem eine neue Art der musikalischen Beschallung. Nicht jedermanns Sache: „Die Musikauswahl ist nicht mein Geschmack“, meinte Holger Eich, erster Vorsitzender der 2017 neu gegründeten KG Duisdorfer Funken, die an ihrem Stand Slush-Eis und Popcorn anbot und auf ihre Veranstaltungen hinwies. Dort nutzte man die Spielpausen, um mit Karnevalsmusik aus eigenen Lautsprechern den eigenen Geschmack zu bedienen. Ein Problem hatte man bei den Vereinen mit dem Bühnenprogramm aber nicht. „Die Musik ist lauter, aber man gewöhnt sich dran“, sagte Uschi Klein vom Turn- und Kraftsportverein. Ähnliches hörte man auch bei der Brückenberger Trachtengruppe und den Waldfreunden.

Neben Coldstack spielten im Lauf des Tages poly deluxe, die den Auftakt machten, Funkymodo, Spiegelblick, Jahm!, Stunde2 und Die Versenker. Einige waren schon früher bei Rock im Tal aufgetreten, vor drei Jahren zum Beispiel Spiegelblick. Für deren Sänger Moe war es dennoch eine neue Erfahrung. „Früher waren die Leute mehr zentriert.“ Dieses Mal gebe es mehr Durchgangsverkehr. Außerdem kam ihm die Bühne etwas kleiner vor. Sein Fazit nach dem Auftritt: „Es hat Spaß gemacht, die Leute waren gut drauf.“