1. Bonn
  2. Hardtberg

Schützen: König wider Willen in Duisdorf

Schützen : König wider Willen in Duisdorf

Duisdorfer Sankt Hubertus Schützen ermitteln ihre künftigen Majestäten. Der Sieger wollte eigentlich den Konkurrenten den Vortritt lassen, freut sich aber dennoch.

Trotz seiner jahrzehntelangen Schützenerfahrung hat Jürgen Rödelsperger am Wochenende noch etwas Neues am Schießstand gelernt, nämlich zur Hebelwirkung seines letzten Schusses auf den Rumpf des Königsvogels. „Ich wollte eigentlich, dass ein anderer Schützenkönig wird“, erzählte der 73-Jährige auf dem Schützenfest der Duisdorfer Hubertusschützen am Vereinshaus im Derletal. „Also habe ich die untere Ecke des Rumpfes anvisiert.“ Hätte er genau mitten rein geschossen, wäre das Holz nicht von der Halterung gesprungen, vermutete er.

Aber es ist trotzdem passiert, er setzte sich gegen seine beiden Kontrahenten durch und wird im November zum zweiten Mal nach 2015 zum Schützenkönig gekrönt, und das fand er auch nicht schlimm. „Ich bin dafür, dass die Tradition erhalten bleibt. Es ist wichtig, dass das Königsschießen nicht verloren geht. Dafür trete ich an.“ Seine Frau Marie Sedena ist natürlich wieder seine Königin.

Rödelsperger ist im Duisdorfer Verein, seit der ehemalige Postbeamte aus dem hessischen Bad Vilbel sich 1995 nach Bonn versetzen ließ. Er ist Schütze durch und durch, weiterhin Mitglied im Heimatverein, außerdem in einem Verein in der Schweiz, weil er nur dort seiner Lieblingsdisziplin am Gewehr, dem Schießen über 300 Meter, nachgehen kann. Ihm zur Seite stehen Jugendprinz Tim Schmitz (17), gerade mitten im Abitur, der nur einen Konkurrenten um den Titel hatte. Beide schossen deshalb nur auf den Rumpf. Und Schützenliesel ist Petra Vogt „die Vierte“, wie Brudermeister Volker Stahl bei seiner Begrüßung am Sonntag nach dem Antritt vor den Gastvereinen sagte. So oft hatte sie dieses Amt schon inne.

Die neuen Vereinsmajestäten wurden am Samstag ausgeschossen, am Sonntag waren die Gäste dran. Vormittags setzte sich Waltraud Zimmer von den Hardtberger Senatoren beim Ehrenkönig-schießen durch. Nachmittags folgte das Antreten der Duisdorfer mit Unterstützung des Musikvereins Duisdorf und der Bonner Böllerschützen. Dann wurde der Bürgerkönig ausgeschossen, was sich in den Abend zog, und die Gastschützen maßen sich untereinander. Die Schützenvereine aus Alfter-Impekoven und Bornheim-Brenig sowie die Lengsdorfer Schießsportfreunde waren gekommen, eine vor Jahrzehnten schon gewachsene Freundschaft, sagte Stahl.

Früher habe man auch mit den Alfterer Schützen diese Freundschaft gepflegt, das aber aufgegeben, erklärte er. Was nicht an den Alfterern lag, sondern daran, dass die Mitgliederzahl der Duisdorfer Schützen eher nach unten als nach oben geht. Denn man lade die Vereine ja nicht nur ein. Zur Freundschaft gehöre auch, dass man sie bei ihren Schützenfesten beehre. Und wenn zwei Vereine gleichzeitig Schützenfest haben, müsse man die eigenen Kräfte aufteilen. Dafür fehle den Duisdorfern derzeit das Personal.