Bestandsschutz wegen Erweiterung gefährdet: Baustopp auf dem Sportplatz Wesselheideweg

Bestandsschutz wegen Erweiterung gefährdet : Baustopp auf dem Sportplatz Wesselheideweg

Auf dem alten Sportplatz des 1. FC Hardtberg in Bonn tut sich nichts mehr. Grund: Mit dem neuen Kleinspielfeld geht der „Altanlagenbonus“ verloren. Jetzt muss die Stadt mit der Bezirksregierung verhandeln.

Den alten Tennenplatz des 1. FC Hardtberg gibt's nicht mehr, der neue Kunstrasen aber wird und wird nicht fertig. Der Untergrund ist bereitet, aber die Kunstrasenbahnen fehlen noch. Es herrschte Baustopp am Wesselheideweg.

Und das schon seit nunmehr fünf Wochen. Eigentlich sollte der neue Platz Mitte April fertig sein, darauf hatte auch der Verein seine Planungen ausgelegt. Doch jetzt das. Es gibt Schwierigkeiten mit der Baugenehmigung. Seit Donnerstag gehen zumindest die Arbeiten am großen Spielfeld weiter, wie die Stadt aktuell mitteilte.

Der Grund ist nicht der Sportplatz selbst, der eigentlich Bestandsschutz genießen sollte, sondern das Kleinspielfeld, das als zusätzliche Trainingsgelegenheit an die Kopfseite angebaut werden soll. Das ist auf Wunsch des Vereins nachträglich durch die Politik genehmigt worden, ebenso wie eine separate Flutlichtanlage dafür sowie ein höherer Ballfangzaun (der GA berichtete).

Sportamtsleiter von Sachlage überrascht

Doch als das Bauordnungsamt zur Auflage machte, eine Baugenehmigung für das Flutlicht zu beantragen und eine Schallschutzexpertise zu erstellen, kam der Gutachter zu dem ernüchternden Ergebnis: Der gesamte „Altanlagenbonus“ geht durch das Kleinspielfeld verloren, weil es sich damit um eine neue Nutzung handelt. Und zwar für die komplette Sportanlage. Außerdem gebe es Punkte, an denen es dann Lärmüberschreitungen geben werde, weil die Nutzung ausgeweitet werde. „Das mussten wir wohl oder übel so zur Kenntnis nehmen“, sagt Sportamtsleiter Stefan Günther zu der neuen Sachlage, die ihm auch nicht gefällt.

Um zu klären, was das für den Platzumbau und den Verein bedeutet, wurde der besagte Baustopp verhängt. „Wir müssen jetzt den Status der Anlage klären und mit der Bezirksregierung in einen Dialog treten, wie wir den Altanlagenbonus möglichst behalten können“, beschreibt Günther das weitere Vorgehen. „Denn es hat ja keiner geahnt, dass eine Baugenehmigung nötig ist. Für uns war das immer eine Platzmodernisierung durch einen Wechsel des Oberflächenbelags.“

Er sprach von einer schwierigen Situation und verwies auf eine ganz neue Landesverordnung vom 8. September 2017 zur Durchführung der Lärmschutzverordnung. „Darin wird der Altanlagenbonus detailliert ausgeführt.“ Maßgeblich sei nun die rechtliche Vorgabe, dass neue Sportflächen in den Grenzen der bestehenden Anlagen zum Verlust des Altanlagenbonus führen. Günther glaubt: „Und dieses Problem haben jetzt alle Vereine, die zusätzlich ebenfalls ein Kleinspielfeld auf ihrer Sportanlage haben wollen.“

Großspielfeld soll fertiggestellt werden

Kleiner Erfolg für den 1. FC Hardtberg: Günther hat die beiden Baumaßnahmen getrennt, damit zumindest jetzt das Großspielfeld fertiggestellt werden kann. „Im allerschlimmsten Fall werden wir aber das Kleinspielfeld aufgrund der Vorgaben nicht vollenden können“, lautet seine Befürchtung. Das sei zwar bitter, man dürfe aber nicht den Umbau des Großspielfeldes in Gefahr bringen.

Beim 1. FC Hardtberg hält man die Entwicklung für unfassbar, eigentlich wollte man den Platz am 10. Juni einweihen. „Das klappt jetzt wohl nicht“, sagt Vorsitzender Bernd Schmidt frustriert.

Für ihn ist die Sachlage nicht nachzuvollziehen. Dass Nachbarn sich von der Sportanlage gestört fühlen könnten, schließt er aus. „Für die Nachbarn verbessert sich ja die Situation im Vergleich zu früher“, sagt er. „Sie haben keine Staubbelästigung vom Tennenplatz mehr, und das Spielen auf Kunstrasen ist auch leiser als auf der Tenne.“ Nicht von ungefähr hätten die Nachbarn für den Bau des zusätzlichen Kleinspielfelds auch Geld gespendet, so Schmidts Argument. Doch Günther ist da skeptisch: „Selbst wenn die Nachbarn ihr Einverständnis erklären, hat das keine rechtlichen Auswirkungen.“ Auch Eigentümer könnten sich schließlich ändern, und dann müsse die Genehmigung des Platzes wasserdicht sein.

Was passiert mit der Hausmeisterwohnung?

Die Kleinspielfläche ist nach Schmidts Worten dringend erforderlich für das Training. Denn der „große“ Kunstrasen sei schließlich deutlich kleiner als die früheren Platzmaße, als noch auf Tenne gespielt wurde. „Wir haben mit dem Kunstrasen rund 1000 Quadratmeter weniger bespielbare Fläche als früher.“ Außerdem fielen noch 7000 Quadratmeter der früheren Laufbahnen weg, die künftig begrünt würden.

Eine andere Frage steht bei dem Verein ebenfalls zur Klärung an. Die Flüchtlingsfamilie, die in der ehemaligen Hausmeisterwohnung am Sportplatz wohnte, ist ausgezogen und lebt jetzt in Röttgen. Das könnte die Gelegenheit für den 1. FC Hardtberg sein, diese Räume als Geschäftsstelle zu nutzen. Das Presseamt teilte vor einer Weile mit, sollte der Verein finanziell dauerhaft in der Lage sein, dieses Objekt anzumieten und die hierfür erforderliche Baugenehmigung einzuholen, würde die Stadt die Wohnung dafür zur Verfügung stellen.

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