Duisdorf: Marinekameradschaft räumt ausgebranntes Vereinsheim aus

Duisdorf : Marinekameradschaft räumt ausgebranntes Vereinsheim aus

Die Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ räumt ihr ausgebranntes Vereinsheim in Duisdorf aus. Ob die Versicherung zahlt, steht noch nicht fest.

„Setz‘ Dich erst mal hin, Horst“, versuchte Berthold Heupel dem zu erwartenden Schreck vorzubeugen, den sein Anruf in den frühen Morgenstunden des schicksalhaften 24. März bei seinem Stellvertreter im Vorstand der Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ auslösen würde. Doch Horst Schageter nahm es zunächst gefasst auf, dass in der Nacht zum Samstag das liebevoll ausgestattete Vereinsheim am Wesselheideweg ausgebrannt war.

In einer mehrstündigen Löschaktion war es der Feuerwehr gelungen, den Brand noch vor dem Morgengrauen zu löschen. Der hölzerne Dachstuhl und der maritim mit Holz gestaltete Vereinsraum ging in dieser Nacht in Flammen auf. Zusammen mit unzähligen Sammler- und Erinnerungsstücken. Als Brandverursacher konnte ein Gutachten den bereits früh gehegten Verdacht bestätigen, dass die Gastherme das Feuer entfacht hatte.

„Ab und zu hat man halt mal Pech“, sagt Schageter und nimmt resigniert das halb verkohlte Bild von der Wand, dass ihn 1983 als ersten Vorsitzenden der Marinekameradschaft (MK) zeigt. Es war das erste Bild in der kleinen „Ahnengalerie“ der Vereinsvorsitzenden. „Dann machen wir eben ein neues“, sagt er sichtlich um Haltung bemüht und wirft es auf den Haufen von Bildern und Glasscherben.

Marinekameraden ringen um Fassung

So gefasst er den Anruf von Heupel entgegennahm, so schockiert war er beim ersten Anblick des tatsächlich in Schutt und Asche daliegenden Vereinsraums. Nur die Wände sind stehengeblieben. Inzwischen weiß man, dass sie das einzige sind, was Bestand hat. Der Dachstuhl muss neu erstellt werden. Und die Inneneinrichtung. Und die Toiletten, die Küche, die Flure, die Türen. Einfach alles. Neuwert rund 100 000 Euro. Ideeller Wert unbezahlbar. Keiner hat sie je gezählt, die gesammelten Mützenbänder mit den gestickten Namen der Schiffe aus aller Welt. Die Schiffsmodelle, die Wimpel und Plaketten, die sich über 35 Jahre angesammelt hatten und dicht an dicht die Wände schmückten. Viele Andenken waren bereits antike Schätze. Oft auch wertvolle Geschenke von Marinefreunden. Oft auch Erinnerungsstücke aus der eigenen Seefahrerzeit der MK-Mitglieder. Unwiederbringliche Erinnerungen. Jetzt liegen sie zur Unkenntlichkeit geschmolzen oder verkohlt auf Schutthügeln und warten auf den Abtransport. Manfred Rheindorf macht gerade die Erfahrung, wie schwer es ist, die verbrannten Überreste zu beseitigen. Entsorger, die vorbeikommen wollten, um vor Ort die Materialen in Augenschein zu nehmen, hat er abgelehnt. „Das wird doch alles zu umständlich“, sagt er. Er möchte am Liebsten alles zusammen in einen Container werfen. Doch so ein „Mischcontainer“ ist teuer.

Noch weiß keiner so genau, was die Versicherung letztendlich zahlen wird. Auch Kassiererin Regina Klewer nicht. „Aber die Hilfsbereitschaft ist riesig“, berichtet sie. Schon wurde der MK eine komplette Küche angeboten. Auch Tische und Stühle werden sie von einer befreundeten MK in Göttingen geschenkt bekommen.

Und Rheindorf weiß schon von einem ersten mit Marine-Andenken vollgestopften Koffer, der auf dem Weg nach Bonn ist. Der erste von fünf Koffern aus dem Nachlass eines Marinekameraden, den sein Enkel den Bonner „Eisbrechern“ überlässt.

„Wer uns etwas Gutes tun will, der kommt an unseren Matjes-Stand auf dem Derletalfest“, sagt Heupel und fügt hinzu: „Kaffee und Kuchen haben wir auch.“ Dabei wird deutlich, dass die Marinekameraden sich von einem Feuer nicht unterkriegen lassen.

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