Der Vesuv vom Rhein

Der Vesuv vom Rhein

164,4 Meter sind geschafft. So tief ist inzwischen das Bohrloch, das für die Männer um Vorarbeiter Lothar Klaczek seit einigen Wochen in gewisser Weise zum Lebensmittelpunkt geworden ist. Die Forschungsergebnisse an der Bohrstelle, die übrigens exakt auf der Stadtgrenze zwischen Bonn und Wachtberg liegt, sollen weiteren Aufschluss über die geologischen Besonderheiten des Vulkans Rodderberg geben.

"Jetzt haben wir die Endtiefe erreicht", sagt Franz Binot, Pressesprecher beim Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik im Geozentrum Hannover. Weil die Bohrung bei der topographischen Höhe von 147 Metern über dem Meeresspiegel gestartet ist, reicht die Bohrspitze nunmehr bis zu 17,4 Meter unter dem Meeresspiegel. "Die letzte erbohrte Schicht ist ein klüftiger Basalt", sagt Franz Binot und ergänzt: "Wir nehmen an, dass der Basalt noch bis in größere Tiefe reicht".

Eine geophysikalische Messung im Bohrloch, die es ermöglicht noch ein Stück unterhalb des Bohrlochendes weitere Schichtwechsel zu erkennen, habe jedenfalls keine Anzeichen für markante Schichtwechsel in den nächsten Dekametern gezeigt. Auch aus geologischer Sicht werde es als plausibel eingeschätzt, dass im Kraterzentrum überwiegend Basalt liegen wird. "Wir haben daher entschieden, die Bohrung jetzt nicht weiter zu vertiefen. Sie hat ihr Ziel erreicht", so der Sprecher.

Inzwischen ragt ein blaues PVC-Rohr aus dem Bohrloch. Es reicht bis zum Boden der Bohrung und dient der Grundwasseruntersuchung. In etwa 155 Metern Tiefe ist das Plastikrohr mit feinen Schlitzen versehen, so dass Grundwasser einströmen kann. Davon gibt es im Innern des Rodderbergs reichlich: Rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser könnten Schätzungen zufolge dort abgelagert sein.

Enttäuschen muss Franz Binot jedoch all jene, die aufgrund plakativer Berichte in der Boulevardmedien im Rodderberg einen unterirdischen Grundwassersee vor Augen haben: "Das Wasser befindet sich in den Strukturen des Tuffgesteins", so Binot. Eine unterirdische Höhlenwelt wie bei Jules Verne muss eine schwärmerische Träumerei bleiben.

Dass der Rodderberg für die Forscher von so großer Bedeutung ist, liegt an der Besonderheit seines Alters von 800.000 Jahren. Andererseits ist die fast kreisrunde Form bis zum heutigen Tage nicht gänzlich aufgefüllt. "Weiter erscheint er wie ein geschlossenes System, kein Bach fließt hinein, keiner heraus", so Binot.

Für die Geowissenschaftler besteht die Hoffnung, mit der jetzt anstehenden Kernbohrung Sedimente von mehreren Kalt- und Warmzeiten übereinander abgelagert zu finden, in die Abfolge sind zusätzlich Aschen von Vulkanausbrüchen in der Eifel, etwa des Laacher Sees, wie Zeitmarken eingelagert.

Solche Konstellationen sind selten, die Geowissenschaftler nennen sie Klima-Archiv. Schließlich ist der erloschene Vulkan-Komplex Rodderberg seit dem Erwachen der geologischen Forschung im 18. Jahrhundert ein Forschungs- und Lehrobjekt hohen Ranges. Als der britische Pionier der systematischen Geologie, Sir Charles Lyell, den Rodderberg seinerzeit für seine Studien besuchte, zog er Vergleiche zum Vesuv.