Neue und alte Ideen für die innere Stadt

Neue und alte Ideen für die innere Stadt

Viele neue Ideen wurden am Donnerstagabend im Münster-Carré vorgestellt, wo vor rund 120 Besuchern der Masterplan Innere Stadt präsentiert wurde. Neue Boulevards, Grünräume sind dabei, eine Entwicklung von Ermekeilkaserne, Güterbahnhof und Poliklinik-Gelände schwebt den Experten nach dem einjährigen Planungsprozess vor. Aber auch eine Sperrung des Cityrings.

Letzteres ist eine alte Idee, die auch unter dem neuen Namen "City-Spange" nicht weniger umstritten sein dürfte. Vor der Universität und vor dem Hauptbahnhof würden die Planer gerne den Autoverkehr verbannen. "Der Cityring ist für viele Verkehrsabläufe eher ein Hindernis als ein Gewinn", argumentierte Kunibert Wachten vom beauftragten Planungsbüro.

Es sei sinnvoller, den Cityring als "Spange" zu entwickeln, bei der der Hauptbahnhof nur über "Schleifen" erreichbar wäre. Die Oxfordstraße müsse dann städtebaulich aufgewertet werden, schon allein, weil dort dann mehr Verkehr zu erwarten sei. Abgesehen von der Verkehrslenkung, die laut Wachten mit den städtischen Verkehrsplanern abgestimmt ist, konzentrierten sich die externen Planer bei ihrer Arbeit auf drei Leitmotive:

  • Das "Urbane C", was eine Sichtbarmachung der alten Wallanlage Kasernenstraße bis Stiftsplatz und auf der Gegenseite bis Münsterplatz, Neutor und Viktoriabad hin zum Rhein bedeutet. In dem Zuge sollten auch verschiedene Routen zum Rhein entwickelt und die Spaziermöglichkeiten am Fluss aufgewertet werden.
  • Die Bonner Promenaden: Eine ganz neue Idee, neben der Poppelsdorfer Allee als große Achse auch eine weitere zu entwickeln, vom Poppelsdorfer Schloss über Nussallee, Kaufmannstraße bis zur Immenburgstraße. Dort könnte man einen neuen Boulevard schaffen, wo heute Hinterhof-Atmosphäre herrscht. Ein attraktives Szenario nicht nur für viele Studenten, die dort unterwegs sind.
  • Die grünen Trittsteine: Darunter verstehen die Planer viele kleine öffentliche Grünräume sowie deren Freihaltung und Aufwertung, darunter das Umfeld des Römerkrans, den Chlodwigplatz, das Frankenbad-Umfeld, das Areal am Alten Friedhof, das Baumschulwäldchen und den Platz rund um die Elisabethkirche.

Was den Einzelhandel angeht, verfolgen die Planer ein klares Ziel. "Wir schlagen eine Konzentration auf das Areal am Bahnhof vor, aber nicht auf das Viktoriabad-Karré", sagte Wachten. Denn letzteres würde zu einer Verschiebung der "Lauflagen" der Passanten führen. Eine Bebauung am Bahnhof sei nur mit Einzelhandel zu realisieren. Aber auch eine kleinere Ansiedlung von Geschäften entlang des Stadthauses in der Maxstraße sei wünschenswert. Würde man dann noch die Zufahrtsmöglichkeit zur Stadthausgarage verändern, könne aus der Maxstraße eine autofreie Flaniermeile werden.

Den größten Beifall fanden allerdings nicht die Planer für ihre Ideen, sondern Bürgerin Elisabeth Struwe, als sie unter viel Beifall offenbar die Meinung vieler Menschen äußerte: "Vieles, was die Stadt bisher entwickelt hat, ist hässlich und ohne Ästhetik", meinte sie.

Es sagten...

  • Michael Isselmann (Leiter Stadtplanungsamt): "Das Ziel des Masterplans ist nicht, die Straße X und den Platz Y umzubauen, sondern eine Vision mit Tragkraft aufzubauen wie Anfang der 90-er Jahre mit dem Fünf-Säulen-Modell für den Bonner Strukturwandel. Wenn das gelingt, hat der Prozess viel gebracht."
  • Uwe Stephan (Einzelhandelsverband): "Wenn der Einzelhandel zentraler Faktor sein soll, konterkarieren die Vorschläge dies jedoch, wenn gleichzeitig der Individualverkehr zurückgedrängt und die Erreichbarkeit der Innenstadt erschwert wird. Dadurch wandern Kunden ins Umland ab. Mit der Idee, den Cityring aufzulösen, wird die Stadt einen guten Sparringspartner in uns finden."
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