Jugendmedientage in Bonn: Die Verantwortung der User im Netz

Jugendmedientage in Bonn : Die Verantwortung der User im Netz

Die neuen Medien sind schnell, meist kostenlos und fast überall verfügbar. "Aber wer übernimmt eigentlich die Verantwortung bei Posts auf Facebook und Co?", fragte gestern Abend Tilo Jung in die Runde.

Mit einer Podiumsdiskussion im Brückenforum begannen die Jugendmedientage der Jugendpresse in Bonn, zu denen 350 junge Medieninteressierte aus Deutschland angereist waren.

Wie Erkan Binici (21) und Talha Güzel (24) aus Tübingen. Sie hörten gebannt zu, als der Programmgeschäftsführer des jungen Angebots von ARD und ZDF, Florian Hager, auf das Diskussionsthema einging. "Im Netz hat jeder Verantwortung", sagte er. Da stimmte ihm André Nagel von der Bundeszentrale für politische Bildung zu. "Die User, also Nutzer müssen jeden Post kritisch betrachten", sagte Nagel und zielte damit auch auf eine gewisse Kontrollfunktion der Masse ab.

Allerdings fand er es auch nicht richtig, dass Plattformen wie Facebook alle Verantwortung von sich wiesen. Die TV-Journalistin Franziska von Kempis, die auch auf Youtube Bildungsbeiträge veröffentlicht, fragte daraufhin das Publikum, ob das Schreiben von Leserbriefen noch in der Schule geübt und geprüft würde. Die jungen Leute zwischen 16 und 27 Jahren nickten.

"Das macht mich fassungslos, weil Themen wie Posts oder Kommentare im Internet nicht ausreichend besprochen werden", erzählte sie. Die Youtuberin "InkaSchminka" wurde von Jung gefragt, ob sie Kommentare unter ihren Videos lösche. "Nur wenn ich beschimpft werden. Ich nehme Kritik an und diskutiere", sagte sie. Ab einer gewissen Masse von Zuschriften sei das aber nicht mehr möglich.

Obwohl das Augenmerk der Jugendmedientage 2015, die es schon seit mehr als zehn Jahren gibt, auf der digitalen Welt liegt, mahnte der Leiter der Jugendredaktion "Schreiberling" des Tagesspiegelns, Simon Grothe (20), in seiner Begrüßungsrede zu mehr Kontakten in der realen Welt: "Macht die Smartphones aus und guckt den Menschen in die Augen, um Geschichten zu finden." Dazu haben die Teilnehmer noch bis Sonntag Zeit.

In unzähligen Kursen zu Themen wie Satire, Bildbearbeitung, Fragenstellen und Sprechtraining lernen sie journalistisches Handwerk und produzieren eigene Beiträge. "Hier bekommt man sehr viel auf einmal vermittelt", sagte Erkan Binici. Die Jugendmedientage seien aber auch eine Plattform, um Gleichgesinnte kennenzulernen. So traf Cagdas Yüksel im vergangenen Jahr auf Kollegen, mit denen er später den Film "Asyland" drehte, den er nun in der ganzen Republik vorstellt.

Noch bis Sonntag dauern die Jugendmedientage, die jährlich in einer anderen Stadt Halt machen. Bonn habe mit seiner Internationalität gepunktet. "Hier gibt es die Deutsche Welle und weltweit tätige Organisationen", erklärte Projektleiterin Lilly Burger.

Wer noch an Workshops teilnehmen möchte, kann sich an fragen@jugendmedientag.de wenden.

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