Combahnviertel in Bonn-Beuel: Anwohner wehren sich gegen Abrisspläne

Quartiersentwicklung in Beuel : Anwohner sorgen sich um den Charakter des Combahnviertels

Im Combahnviertel in Bonn-Beuel machen Anwohner gegen die Pläne mobil, dort Häuser abzureißen. Die Bezirksvertretung will nun versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Der Abbruch von zwei Altbauten aus dem Jahr 1903 an der Rheindorfer Straße ist nicht zu verhindern. Die Häuser stehen laut Verwaltung nicht unter Denkmalschutz. Den Politikern in der Bezirksvertretung Beuel seien nach Lage der Fakten die Hände gebunden, so der Tenor. Allerdings soll mit einem mehrheitlich beschlossenen Antrag für die Zukunft im Combahnviertel gerettet werden, was zu retten ist.

In ihrem Antrag beauftragen die Stadtratsfraktionen von CDU, Grünen und FDP die Verwaltung, mit dem Bauherrn Montana Kontakt aufzunehmen. Die Stadt soll noch einmal verhandeln, ob nicht die Fassaden der beiden Häuser Rheindorfer Straße 15 und 17 in die Neuplanung aufgenommen werden können. Punkt 2: Die Verwaltung soll innerhalb von Denkmalschutz, Erhaltungs- und Gestaltungssatzung darstellen und erklären, wie sie zum Schutz gewachsener Quartiere wie des Combahnviertels angewendet werden können.

Vor Beginn der Sitzung hatten Abrissgegner aus dem Combahnviertel zu einer spontanen Demonstration auf dem Rathausvorplatz aufgerufen. Rund ein Dutzend Anwohner kamen. Allerdings berichtet Wolfgang Linnemann, dass die Initiative bereits 320 Unterschriften gegen den Abriss gesammelt habe. Er und seine Mitstreiter wollen dranbleiben. Derzeit würde eine einstweilige Verfügung juristisch geprüft. In einem Schreiben an den Regierungspräsidenten fordern sie das „sofortige Einschreiten und Abrissstopp.“ Linnemann: „Es ist unverständlich, dass es keine Erhaltungssatzung für das Viertel gibt.“ Schließlich sei doch 2003 ein Denkmalpflegeplan vorgelegt worden. „Es kann nicht sein, dass schöne Häuser verschwinden“, sagte er in der Bezirksvertretung. Guido Schlottmann, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, hielt dagegen: „In der Öffentlichkeit werden häufig Schönheit und Denkmalschutz verwechselt.“

Gespräche mit Investor laufen

Unmissverständlich machte Bauordnungsamtschefin Sigrun Scharf klar: „Der Zug ist abgefahren. Der Eigentümer entscheidet.“ Montana habe bereits einen positiven Bescheid auf die Bauvoranfrage bekommen – die Rede ist von zwölf Wohneinheiten. „Er kann morgen abreißen.“

Und um einen falschen Zungenschlag aus der Welt zu räumen, wies Scharf darauf hin, dass der Verwaltung der Abriss eines Gebäudes lediglich angezeigt werden müsse. So die aktuelle Gesetzeslage. Die Stadt erteile keine ausdrückliche Genehmigung. Gespräche mit dem Investor Montana, dem die drei leerstehenden Häuser Rheindorfer Straße 15,17 und 19 gehören, führe Scharf bereits, um Gestaltungsspielraum auszuloten. „Wir können nur in die Zukunft denken.“

Frust bei den Anwohnern

Bereits zweimal sei die zuständige Behörde dem Vorschlag, Rheindorfer Straße 15 und 17 unter Denkmalschutz zu stellen, nicht gefolgt, betonte Bezirksbürgermeister Guido Déus. „Das sind Tatsachen.“ Wenngleich künftig mehr Augenmerk auf den Charakter des Viertels gelegt werden soll. „Das Combahnviertel bleibt lebenswert“, fand auch Marco Rudolph (CDU). Ziel müsse sein, dass auch in dem Quartier weitere Wohnungen gebaut werden, sagte SPD-Stadtverordneter Dieter Schaper. Er begrüßte, dass das Vorhaben der Montana mehr Wohnraum schaffe. Allerdings sei er der Auffassung, dass der Neubau, von dem bislang keine Pläne veröffentlicht wurden, Rücksicht auf die Nachbarbebauung nehme.

Verärgert zeigten sich Politiker über Plakate der Combahn-Initiative, die mit falschen Behauptungen Stimmung mache. „Schrille Töne“ sollten vermieden werden, mahnte Detmar Jobst (Grüne). Seine Partei war auf den Plakaten und Handzetteln von der Initiative sehr ausdrücklich angegriffen worden.  Doch Wolfgang Linnemann bleibt dabei: „Die Initiative ist heterogen. Es überschneiden sich verschiedene Interessen, die keine einheitliche Stimme bilden – auch nicht wollen.“ Bei den einen überwiege das Interesse, „dass alles so bleibt wie es ist“. Andere seien verwundert, dass private Bauherren im Viertel ihre Pläne umsetzen könnten, ohne auf die Umgebung Rücksicht zu nehmen. Wiederum anderen gehen es rein um den Erhalt der Häuser. „Wenn Politiker nur mit der Schulter zucken, reagieren die Leute sauer.