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Plötzlich war das Wasser da: Rätsel des „Holtorfer Sees“ gelöst

Plötzlich war das Wasser da : Rätsel des „Holtorfer Sees“ gelöst

Als plötzlich Wassermassen auftauchten, rätselten die Bauherren in Niederholtorf. Jetzt haben sie den Grund für den „Holtorfer See“ gefunden: Offenbar hat eine unbekannte Drainageleitung das Gelände geflutet.

Private Bauherren haben den Grund für die große Wasseransammlung in den beiden vergangenen Wintern im Neubaugebiet Holtorf-Süd gefunden. Eine etwa 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche verlaufende Drainageleitung soll 24 Stunden rund um die Uhr am Ende des Plastikrohrs Wasser ins Erdreich spülen. Dadurch steige der Grundwasserspiegel deutlich an und Wasser trete in Massen an der Erdoberfläche zutage. So bewerten jedenfalls Rainer Hilberath und Berthold Schmitz, beides Väter von Grundstückseigentümern und Bauherren, die aktuelle Sachlage an der Burghofstraße in Niederholtorf.

„Seit Montag sind wir mit einem Bauunternehmer auf dem Grundstück und versuchen der Sache auf den Grund zu gehen, warum gerade auf unserem Grundstück so viel Wasser steht“, sagte Hilberath. Schmitz schätzt, dass an den ersten Tagen täglich ungefähr zwölf Kubikmeter Wasser abgepumpt worden seien. „Und das Wasser fließt permanent weiter“, so Schmitz.

Bereits seit vielen Monaten stehe man im ständigen Kontakt mit der Stadt Bonn, „die uns gesagt hat, sie habe bei den Kanalbauarbeiten 2019 keine Drainage gefunden“. Tiefbauamtsleiter Peter Esch hatte vor wenigen Wochen erklärt, dass die ausgeprägte Tonschicht im Boden dafür verantwortlich sei, dass sich bei starken Niederschlägen dort Wasser ansammele.

Horst Wolfgarten, Landwirt aus Oberholtorf, hat diese Aussage angezweifelt: „Wir bewirtschaften diese Felder seit vielen Jahren und sie waren immer trocken.“ Er ist bislang davon ausgegangen, dass bei den Kanalbauarbeiten im Vorjahr eine alte Wasserleitung zerstört wurde oder eine defekte Drainage die Ursache ist, die zu dem See geführt hat (der GA berichtete). „Die Drainage muss komplett freigelegt werden. Bei den anstehenden Bauarbeiten ist die Gefahr, dass sie zerstört wird, viel zu groß. Dann steht dort alles unter Wasser.“

Rainer Hilberath, der in der Eifel lebt und dort als Hobby-Landwirt tätig ist, glaubt: „Diese Drainage ist wahrscheinlich vor Jahrzehnten gelegt worden, damit die Felder eben trockener sind. Aber die Wahrheit wird man wohl nach so vielen Jahren nicht mehr herausfinden.“

Die Grundstückseigentümer hatten sich vor Ort mit Christian Chmela, Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, getroffen. „Er hat uns gesagt, dass er sich wünsche, dass diese Wassermassen unter der Fahrbahn der Burghofstraße in den angrenzenden Ennertwald umgeleitet werden würden. „Das wollen wir jetzt in Absprache mit der Stadt Bonn regeln. Es muss doch möglich sein, dass das Grundwasser in einen Kanal gelenkt und dann unter der Fahrbahn in den Wald geführt wird“, sagten Hilberath und Schmitz.

Jedenfalls müsse eine Lösung für das Neubaugebiet gefunden werden, damit die Häuser nicht ständig im Wasser stehen, sobald es stärker regnet. „Wir sind jedenfalls einen entscheidenden Schritt weiter. Wir wissen, wo der Stausee herkommt. Wir werden darüber ein Gutachten anfertigen lassen und es der Stadt und den Naturschützern zur Verfügung stellen“, erklärten die beiden Väter. Auch Elisabeth Schmid, Vorsitzende des Bürgervereins Holtorf, versucht seit Monaten, den Grund für den See herauszufinden: „Der Anblick mit den Nilgänsen auf dem Wasser war zwar schön, für uns ist aber wichtig, dass das Gelände jetzt endlich bebaut werden kann. Die Grundstückseigentümer haben lange genug warten müssen.“

Aus diesem Plastikrohr in etwa 80 Zentimeter Tiefe fließt das Wasser permananet ins Erdreich und flutet das Baugebiet. Foto: Holger Willcke

Derweil baut die Stadt Bonn für die Erschließung des Neubaugebiets. Dafür ist die Löwenburgstraße zwischen Ungarten und Niederholtorf seit Anfang Januar für mindestens ein halbes Jahr gesperrt. Die Maßnahme beinhaltet die Kanalisation, die Verlegung der Versorgungsleitungen und eine provisorischen Erschließungsstraße. Die Arbeiten sollen bis Anfang Dezember 2020 abgeschlossen werden.

Es werden circa 230 Meter Kanal mit Durchmessern von 30 bis 50 Zentimetern aus Betonrohren einschließlich Schachtbauwerken in offener Bauweise erstellt. Im Bereich der Planstraße durch das Baugebiet werden etwa 30 Kanalhausanschlüsse und im Bereich der Löwenburgstraße rund 16 Kanalhausanschlüsse verlegt. Die Erstellung eines Regenrückhaltebeckens und die provisorische Baustraße erfolgen im Anschluss. Die Gesamtkosten der Erschließung belaufen sich auf rund 950.000 Euro.

Zwischenzeitlich hat der Umlegungsausschuss der Stadt Bonn das Umlegungsverfahren für das Baugebiet abgeschlossen.  In intensiven Verhandlungen mit den 27 Eigentümerinnen, Eigentümern und Eigentümergemeinschaften der ungeordneten Grundstücke wurden die Flächen so neu geordnet, dass sie nun bebaut werden können. Insgesamt sind 58 Baugrundstücke für eine Einzelhaus- und Doppelhausbebauung entstanden. Es können zwischen 80 und 100 Wohneinheiten entstehen.

Auch die Stadt Bonn hat fünf Baugrundstücke erhalten, die im Jahr 2020 zum Verkauf ausgeschrieben werden. Das Exposé wird auf der städtischen Internetseite www.bonn.de veröffentlicht. Der Ausschuss für Wirtschaft und Arbeitsförderung wird entscheiden, welche Bewerber die Grundstücke erhalten werden. Bei der Vergabe werden insbesondere junge und kinderreiche Familien bevorzugt, die noch nicht über Grundeigentum verfügen. Als Ausgleich für den Eingriff in Natur und Umwelt werden zwei an die Bebauung angrenzende Flächen durch die Stadt Bonn als ökologische Ausgleichsfläche hergerichtet, bepflanzt und langfristig unterhalten.