"Oberkasseler Mensch": Auch Fisch gehörte zur täglichen Nahrung

"Oberkasseler Mensch" : Auch Fisch gehörte zur täglichen Nahrung

Vor 100 Jahren wurde von Arbeitern eines Steinbruchs das Doppelgrab von Oberkassel entdeckt. Unter flachen Basaltblöcken lagen die Skelette eines etwa 50 Jahre alten Mannes, einer 20- bis 25-jährigen Frau, die Überreste eines Hundes und weitere Tierreste.

Auf Einladung des Bürgervereins stellte die Wissenschaftlerin Liane Giemsch am Donnerstag in der Aula des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums die neusten Forschungsergebnisse vor.

Erst vor wenigen Tagen ist ihr die Projektleitung des vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) getragenen internationalen Forschungsprojektes anvertraut worden. "Es handelt sich bei den Oberkasseler Menschen, dem Hund und einem Kunstobjekt, wohl ein Haarpfeil, um eine einzigartige Fundkombination", berichtete Giemsch.

14.000 Jahre alt sind die Skelette und Beigaben. Zähne, Knochen und andere Teile werden nun rund um den Globus in einer Kooperation renommierter Wissenschaftlern mit modernsten Analysemethoden untersucht. Die DNA aus einer Zahnwurzel etwa wertet der Paläoanthropologe Professor Erik Trinkaus von der Washington University in Saint Louis aus.

"Ich habe die Wissenschaftler angeschrieben oder sie auf Kongressen angesprochen. Geld bekommen die Forscher für ihre Arbeit nicht", beantwortete Giemsch die Fragen von Oberkasseler Bürgern. "Die Überreste des Hundes werden in Finnland untersucht, und man kann bereits sagen, dass es sich um einen Vorfahren unserer heutigen Haushunde handelt. Die Kulissenstellung der Zähne ist ein typisches Domestikationszeichen", so Giemsch.

Auch Details über die Ernährung von Mann und Frau konnten bereits herausgefunden werden. Nicht nur Fleisch gehörte zum Speiseplan, sondern auch Frischwasserfisch. Bei den Menschen weiß man bis jetzt nur, weshalb sie wohl an der Fundstelle lebten.

Giemsch: "Der gute Überblick, der Blick ins Rheintal, waren optimal für einen Lebensstandort, um Feinde oder Tiere für die Jagd zu sehen." Das Verwandtschaftsverhältnis wird am Max-Planck-Institut Leipzig erforscht. "Die zierliche Frau war Anfang 20 und hatte bereits ein oder zwei Kinder geboren. Der Mann war zwischen 40 und 50 Jahre alt, robust und mit ausgeprägten Muskelansätzen. Geschwister waren die beiden nicht".

Eine Vermutung ist, dass es Vater und Tochter waren, eine andere Vermutung ist, dass sie an einem Virus starben. Mord zieht Giemsch nicht in Erwägung. Die Grabbeigaben, zu denen ein Haarpfeil mit Verzierung gehört, schließen Mord oder Unfall eher aus.

Auch die Hämatid-(Mineral)-funde deuten darauf hin, dass es sich um ein Grab handelt, da Hämatid-Beigaben zu den Bestattungsritualen gehörten. Ob die beiden gemeinsam gestorben sind, wird noch erforscht. "600 Säcke wurden bei einer Nachgrabung 2012 vom Fundort gefüllt und lagern jetzt im Rheinischen Landesmuseum. Sie werden weiter auf Fundstücke untersucht", so Giemsch.

In einer Ausstellung werden im Herbst im Rheinischen Landesmuseum die aktuellen Forschungsergebnisse präsentiert. "Auch Gesichtskonstruktionen, die derzeit in Frankfurt an der Uni gestaltet werden, sind dann zu sehen", versprach Giemsch.