Premiere im Kleinen Theater: Märchenhafter Krimi spielt am Rheinbacher Hexenturm

Premiere im Kleinen Theater : Märchenhafter Krimi spielt am Rheinbacher Hexenturm

Der Krimi „Rapunzelgrab“ der Bonnerin Judith Merchant ist in einer Bühnenversion ab Donnerstag im Kleinen Theater zu sehen. Die Autorin sucht auf Spaziergängen nach Tatorten.

Walter Ullrich holt in seiner letzten Saison in Bad Godesberg noch einmal einen märchenhaften Krimi ins Kleine Theater. Am Donnerstag, 7. März, fällt der erste Vorhang für die Inszenierung „Rapunzelgrab“ von Andreas Lachnit nach dem gleichnamigen Roman der Bonner Krimiautorin Judith Merchant. Die Hauptrollen spielen Nikolas Knauf, Vanessa Frankenbach, Ursula Michelis und Gerhard Fehn.

„Zur Dramatisierung kam es, weil Nicole Jünger aus Meckenheim und Herr Ullrich vom Kleinen Theater fanden, dass sich der Roman toll für die Bühne eignen würde“, berichtet Merchant. Die 43-jährige Germanistin war nach einer Schreibkrise bei ihrer Doktorarbeit zum Krimiverfassen gekommen, wie sie erzählt.

Statt der Doktorarbeit schrieb Merchant Krimis

„Weil ich dann gleich für meine zweite Kurzgeschichte den begehrten Friedrich-Glauser-Preis erhalten habe, sattelte ich kurzentschlossen aufs Krimischreiben um – Mord und Totschlag statt Goethe und Fontane“, bringt Merchant es auf den Punkt. „Rapunzelgrab“ ist nun das dritte Buch von Merchants Rheinkrimiserie. Im Stück passiert sozusagen ein Mord wie im Märchen. Ein Kommissars-Duo findet am düsteren Rheinbacher Hexenturm eine malerisch drapierte weibliche Leiche – mit blonden langen Rapunzelzöpfen. Wer hatte im exzentrischen regionalen Schriftstellerkreis einen Grund, das beliebte Opfer zu töten? Schließlich bringt eine rheinische Miss Marple die Kommissare auf die richtige Spur.

Nicole Jünger habe die Bühnenfassung geschrieben, berichtet die Autorin. Sie selbst habe die Arbeit daran nicht begleitet, weil sie gerade mit Hochdruck an einem neuen Roman gearbeitet habe.

„Ich denke aber auch, dass Romanschreiben und Theatermachen grundsätzlich verschiedene Sachen sind“, sagt Merchant. Als Schriftstellerin habe sie ja über 400 Seiten Platz, auf denen sich all ihre Figuren tummeln könnten. „Auf so eine Theaterbühne passen nur etwa acht von ihnen“, rechnet sie vor.

Bei der Bearbeitung müssten also schon einmal Köpfe ihrer heiß geliebten Figuren, für die einfach kein Platz sei, rollen. Auch Dialoge und Szenen müssten wegfallen. „Das ist sicher nötig, aber ich gucke mir das lieber erst an, wenn es fertig ist“, sagt Merchant. Sie freue sich also sehr auf die Premiere im Kleinen Theater, in dem der Betrieb ja nun erfreulicherweise nach dem Sommer auch weitergehen könne (der GA berichtete über die Entscheidung für das Konzept des Theatermachers Frank Oppermann).

Ihre Bücher gefielen glücklicherweise ganz unterschiedlichen Leuten, berichtet Merchant. Sie schreibe das, was sie selbst gerne lese und womit sie sich beschäftige, antwortet die Autorin über ihr Themenspektrum. Mythen und Sagen gehörten seit ihrer Kindheit einfach dazu. Auch die Landschaft, in der sie lebe, fließe ganz automatisch in ihre Romane mit ein.

Die Autorin ist leidenschaftlicher "Tatort"-Fan

„Für meine Rheinkrimiserie überlege ich beim Spazierengehen immer automatisch, wo man am besten eine Leiche verstecken könnte“, sagt Merchant lächelnd. Vermutlich komme das daher, dass sie sonntags immer den „Tatort“ im TV schaue, und auch da beginne ja fast jede Folge mit einem Leichenfund. „Beim 'Rapunzelgrab' war es so, dass mich das Rapunzelmärchen auf verschiedenen Ebenen interessiert hat“, führt Merchant dann aus.

Alsbald habe sie viel dazu recherchiert und schließlich für die Hauptfigur, die ja bekanntlich ihr langes Haar an einem Turm herunterwallen lässt, die passende Lokalität gesucht. „Die befand sich aus meiner Sicht auf der falschen Rheinseite – aber der Rheinbacher Hexenturm eignet sich wunderbar“, berichtet Merchant lachend von der „Schäl Sick“ her.

Karten für das Theaterstück „Rapunzelgrab“ ab Donnerstag, 7. März, 20 Uhr, im Kleinen Theater, Koblenzer Straße 78, gibt es unter 02 28/36 28 39.

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