Leitfaden erneut überarbeitet: Aloisiuskolleg stellt sich gegen sexualisierte Gewalt

Leitfaden erneut überarbeitet : Aloisiuskolleg stellt sich gegen sexualisierte Gewalt

Alle fünf Jahre will das Gymnasium nun eine Risikoanalyse vorlegen. Der aktuelle Leitfaden setzt auf Prävention bei sexualisierter Gewalt und beschreibt einen Verhaltenskodex für Mitarbeiter und Schüler. Aschermittwoch geht er online.

Am Sonntag endete in Rom das von Papst Franziskus initiierte internationale Treffen zu Missbrauch und Kinderschutz in der katholischen Kirche. Am Aschermittwoch veröffentlicht das Aloisiuskolleg (Ako) seinen neuen „Leitfaden zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“. Rektor Pater Martin Löwenstein stellte dem GA die umfänglich überarbeitete Fassung des ersten Leitfadens schon einmal vor.

„Wir nehmen unseren Auftrag ernst: Schule soll immer ein Schutzraum sein, in dem sich jeder Einzelne sicher und behütet bewegen kann“, betont der Jesuit, der 2017 die Nachfolge von Pater Johannes Siebner antrat, als dieser ins Amt des Jesuitenprovinzials aufstieg. Der Weg zu diesem Schutzraum liege in einer Klarheit der Schulorganisation, aber auch in der Entschlossenheit aller, Gewalt nie mehr zu dulden.

Das neue Papier ist drei mal so umfangreich wie das alte

Das Papier ist mit seinen 72 Seiten drei Mal so umfangreich wie die erste Version, die der damalige Internatsleiter Christopher Haep Ende 2010 unter direktem Eindruck des Missbrauchsskandals herausgegeben hatte. Es enthält jetzt wichtige Dokumente wie die Präventionsleitlinien der katholischen Ordensoberenkonferenz, die „Leitlinien zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden“ des Bundes, aber auch die eindrückliche Erklärung des Ako zum Thema von 2016.

Das neue Papier dokumentiert aber vor allem das inzwischen erarbeitete Prinzip des direkten Austauschs. „Etwa durch unsere wöchentlichen Hilfekonferenzen“, berichtet Lehrerin Annalena Scholz, die neue Ako-Kinderschutzbeauftragte. Auch die eingeführte kollegiale Hospitation schaffe Transparenz: Die Mitarbeiter beurteilten sich gegenseitig im Unterricht. „Das alles bedeutet einen absoluten Systemwechsel am Ako“, betont Pater Löwenstein.

Verhaltenskodex für jeden Mitarbeiter

Der neue Leitfaden ist vor allem auch das Ergebnis einer intensiven Auswertung von Fragenkatalogen innerhalb des Kollegs und einer Risikoanalyse, die das Ako nun alle fünf Jahre angehen wird. „Es macht den Riesenunterschied aus, dass dieser Leitfaden viele Leute mitnimmt und damit die Entwicklung der Präventionsarbeit seit 2010 spiegelt“, sagt der Rektor. So führt das Papier nicht nur explizit die Rechte und Pflichten von Schülern aus und bringt alle Formen von Machtmissbrauch, auch den unter Schülern, auf den Punkt. Es beschreibt vor allem auch penibel den Verhaltenskodex für jeden Mitarbeiter und nennt bei Nichtbeachtung die Folgen. Die „Wahrung professioneller Distanz“ zum Schüler ist leitendes Prinzip. „Dazu entdramatisieren wir den Ton der ersten Version, um lesbar für alle zu werden“, sagt der Rektor. Es gehe ihm vor allem um Prävention.

Und das gelte umso mehr, seit die Kollegsgemeinschaft habe erfahren müssen, dass Schülern durch Mitarbeiter, teilweise unter dem Deckmantel jesuitischer Pädagogik, „in unmenschlicher Weise Verletzungen durch sexualisierte Gewalt“ zugefügt wurde, betont Pater Löwenstein. Dass Ako könne nie achtsam gegenüber heutigen Schülern sein, „wenn wir das Unrecht, das in der Vergangenheit geschehen ist, nicht mehr beim Namen nennen und um der Überlebenden willen erinnern“.

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