Wanderer stürmen Gipfel im Ahrtal

Wanderer stürmen Gipfel im Ahrtal

Vier Berge in vier Tagen lautet die Herausforderung bei der dritten Auflage des Gipfelfestes - Friedens-Äpfel und Bunte Kühe

Kreis Ahrweiler. Ein paar erwartungsvolle Wanderer waren schon da, bevor es mit dem dritten Ahrtaler Gipfelfest so richtig losging. Vier Tage Zeit hatten sie, vier neue Gipfel im Vergleich zu den beiden Vorjahren zu erklimmen: Steckenberg und Bunte Kuh bei Bad Neuenahr, Sankt Florianshütte bei Rech und Eifelblick bei Altenahr.

Doch Ritter Konrat von Blankart zu Arwilre staunte nicht schlecht, als er am Fronleichnamstag Stunden vor der offiziellen Eröffnung aus seinem Zelt auf dem Steckenberg stieg und schon zwei Senioren aus der Kreisstadt gegenüberstand, die sich mit dem Gipfelbuch offensichtlich einiges vorgenommen und bereits in aller Früh den mit 371 Metern höchsten der vier Gipfel bezwungen hatten.

"Aus dem Gipfelfest sind Wanderspaßtage geworden, an denen sich auch Einheimische mit Freuden kleine Oasen in der Natur ansehen, die sie bisher noch gar nicht kannten", stellte der Ritter fest, der schon bei der Gipfelfest-Premiere dabei war.

Da der Steckenberg am Donnerstag auch Tagesgipfel war, ging es dort besonders bunt zu. Ins Mittelalter entführten neben Ritter Konrat auch seine Holde Birgitta und Graf Hardo. Im Bogenschießen unterrichteten sie die Jüngsten, fochten mit etwas älteren Kindern kleine Gefechte aus und luden anschließend aufs Schafsfell zur Verspeisung von Friedens-Äpfeln, während "Freddy, the Piper" "Oh Susanna" und traditionelle irische und schottische Klänge intonierte.

Nach dem Gipfelsturm schnauften die Erwachsenen noch, während ihre Kinder schon die Attraktionen nutzten, die oben geboten wurden. Der neunjährige Timo etwa hatte noch genug Puste, um gleich zwei Stufen auf einmal des Steckenturms zu erklimmen und in der Ferne die Landskrone und den Drachenfels auszumachen. Nicht sehen konnte er von dort allerdings den Uhu und den Weißkopfseeadler von der Falknerei Pierre Schmidt, die auf der Bunten Kuh ihre Schwingen erhoben.

Allseits für Begeisterung sorgte der Kindergipfel, der seinem Namen alle Ehre machte, denn auf der Bunten Kuh wimmelte es geradezu vor Bunten Kühen: Zum einen lud der Bunte Kreis, der sich um die Nachsorge chronisch- und schwer kranker Kinder und ihrer Familien kümmert, dazu ein, gemeinsam ein lebensgroßes Konterfei einer Kuh nach Herzenslust zu bemalen. Zum anderen gestalteten die Kinder kleine Sperrholz-Kühe ganz nach Gutdünken - ob als lila Kuh oder ganz farbenfroh gesprenkelt und mit Schwanz aus Wollfäden.

"Jetzt hab ich ein prima Frühstücksbrettchen", erklärte die sechsjährige Lisa auf dem Weg von der Bunten Kuh. Aber auch den Berg hinauf hatten sie und ihre Freundinnen sich nicht gelangweilt, sondern versucht, die Fragen der Gipfelrallye zu beantworten: Leise lauschten sie, welches Tier im Wald wohl seinen eigenen Namen ruft, und fingen schon mal an zu zählen, wie viele Blätter eine alte Eiche hat. Als Belohnung gab es einen Gipfelpin und eine Urkunde.

"Weitaus mehr verkaufte Stempelkarten wie im Vorjahr" meldeten die Veranstalter vom Ahrtal-Tourismus nach dem ersten Gipfelfest-Tag, und schon viele Stammgäste hatten sie ausgemacht: Treue Fans waren nämlich an ihrer grünen Gipfelstürmer-Ausrüstung zu erkennen, und daran, dass sich manche noch vom Vorjahr wiedererkannten. Da gab es ein großes "Hallo" unterwegs, und auf dem Gipfeln wurde gemeinsam Stockbrot gebacken oder ein Glas Rotwein genossen.

Die Regenjacken blieben am ersten Gipfelfesttag ungenutzt, aber einige Picknickdecken wurden nach anstrengendem Aufstieg gemütlich ausgebreitet. Ob des Andrangs wurden mancherorts gar schon am frühen Nachmittag einzelne Speisen und Getränke knapp, so dass schnell Nachschub auf die Gipfel geschafft werden musste.

Eine Flasche Wein mit nach Hause nahmen als erste Jutta Walther und Olivier Dröge aus Bad Honnef, weil sie Stempel von allen vier Gipfeln auf ihrer Karte hatten: "Wir kommen öfter ins Ahrtal und haben uns unsere eigenen Wege auf der Wanderkarte schon vorher eingezeichnet", erklärten sie. Zeit ließen sich dagegen Margarete und Walter Bergheim aus Bad Godesberg, die erst mal nur einen Gipfel erklommen: "Aber wenn das Wetter so bleibt, kommen wir in den nächsten Tagen wieder. Das haben wir vergangenes Jahr auch gemacht."

Das Gipfelfest dauert noch bis Sonntag, täglich ab 11 Uhr. Tagesgipfel am Samstag ist der Eifelblick bei Altenahr mit Musik und Miniwellness und am Sonntag die Bunte Kuh mit Greifvogelschau und Sinnesparcours für Kinder. Weitere Infos: www.gipfelfest.de.

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