Interview mit Klaus Grewe

"Auf die Preisträger sind wir stolz"

SWISTTAL. Vor 25 Jahren hob Klaus Grewe in seinem Heimatort Morenhoven den Verein KuSS (Kultur und Spektakel in Swisttal) ins Leben. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wird das kleine Theater in der alten Schule saniert. Im Interview sprach Grewe über seine Lieblingskünstler, die Sanierung und die Kosten.

Wie kamen Sie auf die Schnapsidee, hochwertiges Kabarett auf dem Dorf anzubieten?
Grewe: Damals konnte die Kreativitätsschule ihr zehnjähriges Bestehen feiern, und viele Eltern waren an uns mit der Bitte herangetreten, doch nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für die Erwachsenen anzubieten. Auch ehemalige Kurskinder waren inzwischen erwachsen geworden und zeigten Interesse an einem entsprechenden Angebot. Nach einigen Versuchen, auch in anderen Sparten, haben wir uns auf das literarische Kabarett konzentriert.

Hätten Sie gedacht, dass sich die Reihe zu einer solchen Erfolgsstory entwickelt?
Grewe: Ehrlich gesagt: nein. Wir sind damals eigentlich sehr naiv ins Wasser gesprungen und haben ganz überrascht festgestellt, dass wir schwimmen konnten.

Wie sind Sie auf die Idee mit der Lupe gekommen?
Grewe: Wir wollten bei der Gründung der Kabaretttage etwas Außergewöhnliches machen. Dass wir 1988 mit der Morenhovener Lupe den drittältesten Kabarettpreis im deutschsprachigen Raum geschaffen hatten, haben wir erst später gemerkt. Darauf und natürlich auf die Liste der Preisträger sind wir mächtig stolz.

Wie viele Künstler waren in den 25 Jahren bei Ihnen?
Grewe: Unsere Künstlerliste umfasst so etwa 200 Namen. Im alten Theater hatten wir eine wunderschöne Wand mit Künstlerplakaten von Anfang an. Nicht nur das Publikum, sondern auch wir selbst, haben uns manchmal die Augen gerieben, wer da so alles zu sehen war: Man denke nur, Georg Schramm vor 20 Jahren auf unserer kleinen Bühne.

Ihre drei bis fünf Lieblingskünstler aus dieser Zeit?
Grewe: Die Antwort ist schwer, denn unsere Künstler sind alle "handverlesen". Bei uns kommt keiner auf die Bühne, den wir zuvor nicht selbst gesehen haben. Deshalb, ohne den anderen weh zu tun: Konrad Beikircher, weil er 1988 unser erster Gast war und heute immer noch ein guter Freund ist. Jürgen Becker weil er trotz Tiefgangs die Schlammschichten immer noch nicht berührt. Erwin Grosche, weil er so leise und sensibel und dennoch wahnsinnig komisch ist. Ulan und Bator, weil sie völlig verrückt sind (und einer sogar aus Flerzheim kommt) und natürlich Rainald Grebe, der 2004 bei uns auf der kleinen Bühne war und heute die Köln-Arena füllt.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr müssen Sie ins Morenhovener Bürgerhaus und ins Rheinbacher Stadttheater ausweichen. Wann ist Ihr Theater in der alten Schule komplett saniert?
Grewe: Planmäßig soll zum Jahreswechsel alles fertig sein. Wir werden also im nächsten Jahr auf unserer alten Bühne in neuen Räumen spielen.

Wie wird es außerhalb der Kabaretttage genutzt?
Grewe: Da sind natürlich in erster Linie die Kinderkurse der Kreativitätsschule zu nennen, die das ganze Jahr über laufen. Aber wir wollen auch ganzjährig ein Kulturprogramm anbieten. Wir werden dabei ganz sicher nicht mit anderen Kulturanbietern in Swisttal in Konkurrenz treten, im Gegenteil, wir wollen zeigen, dass wir eine große Gemeinde kulturinteressierter Bürger sind, in der jeder jedem etwas bieten kann. Wir haben uns sogar etwas ausgedacht, um dieses Gefühl des Miteinanders zu wecken und zu stärken. Wir wollen ein Kulturprogramm anbieten von Bürgern für Bürger.

Wie teilen sich die Kosten auf? Was zahlt die Gemeinde, wie viel Ihr Verein KuSS?
Grewe: Die Gemeinde Swisttal schafft in Morenhoven ein Kulturhaus und bietet ihren kulturell engagierten Bürgern ein Forum - das ist ein großer Wert an sich. Wir füllen dieses Haus mit kulturellem Leben - das ist auch ein Wert. Die Kosten für die Innenausstattung und die technische Ausstattung sind von uns zu tragen - ein enormer Brocken, an dem wir arg zu schlucken haben. Aber wir hoffen, das mit Hilfe von Kulturstiftungen und der Hilfe von Künstlern zu stemmen. Die Kulturstiftung der Kreissparkasse hat uns bereits ihre Unterstützung zugesagt. Im übrigen - wir werden in dem Haus Mieter sein und im Rahmen unserer Möglichkeiten auch Miete und die Nebenkosten zahlen.

Warum bekommt in diesem Jahr Helmut Schleich die Lupe 2012?
Grewe: Helmut Schleich ist ein großartiger Kabarettist - ein Vollblutkünstler, einer der besten in Deutschland. In der Erklärung unserer Jury heißt es zu recht: "Helmut Schleich - das ist im deutschen Kabarett kein Hoffnungsträger mehr, das ist auch beileibe kein Nachwuchskünstler, nein, der Helmut ist längst oben angekommen. Er ist einer der ganz Großen im deutschen Kabarett - für uns ist er dieses Jahr zum Größten geworden." Wir hatten ihn 2003 zum ersten Mal auf unserer Bühne und schon damals hat er in Morenhoven begeistert.

Neben den bekannten Gesichtern wie Rainer Pause, Norbert Alich und Erwin Grosche tritt Philipp Weber auf. Was können die Besucher von ihm erwarten?
Grewe: Er ist einer, der auch das junge Publikum in seinen Bann ziehen kann. Philipp Weber ist nicht nur ein hochtalentierter Kabarettist, er ist auch studierter Biologe und Chemiker. Und mit dieser Doppelbegabung hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Verbraucherschutz zur humoristischen Kunstform zu erheben.

Wen möchten Sie gerne verpflichten, den Sie noch nicht in Morenhoven hatten?
Grewe: Einen hätten wir wirklich gern bei uns: Wilfried Schmickler. Wir werden dranbleiben.

 

Zur Person
Der Morenhovener Professor Klaus Grewe (68) war Archäologe beim Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn. Er gilt als Experte für technische Bauten der Antike. Über den Römerkanal hat er Bücher und Beiträge in wissenschaftlichen Publikationen verfasst. 1987 hob er die Morenhovener Kabaretttage aus der Taufe.