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Sanierung der Herseler Ursulinenschule: „Operation am offenen Herzen“

Sanierung der Herseler Ursulinenschule : „Operation am offenen Herzen“

Neue Räume, neue Technik: Seit 2009 wird die Ursulinenschule Hersel saniert und erweitert. Die Gesamtkosten betragen rund 21 Millionen Euro.

Karl Kühling holt eine alte Postkarte hervor. Sie zeigt eine Luftaufnahme der Herseler Ursulinenschule, aufgenommen in den 1970er Jahren. Wer das Foto von damals mit heute vergleicht, erkennt sofort, wie sich die Schule verändert hat – und sich noch weiter wandelt, um die Einrichtung gut für die Zukunft aufzustellen.

Seit 2009, also seit sieben Jahren, wird die Mädchenschule, die aus einem Gymnasium und einer Realschule besteht, umfassend saniert und erweitert. Mit dem vierten und letzten Bauabschnitt ist ein Ende der Arbeiten in Sicht. Im Frühjahr 2017 sollen Bohrmaschinen und Kreissägen endlich schweigen.

Das Erzbistum Köln, das die Trägerschaft der Schule im Jahr 2001 von der Ordensgemeinschaft der Ursulinen übernommen hat, schätzt die Gesamtkosten auf rund 21 Millionen Euro. Und wer mit Gymnasiumsleiter Kühling durch die bereits sanierten Trakte der Schule geht, merkt, dass das viele Geld gut angelegt ist.

Zum Beispiel in der Schüler- und Lehrerbibliothek, die sich im Dachgeschoss des Ursula-Traktes befindet. Ein heller und offen gestalteter Raum mit modernen Arbeitsplätzen lädt zum Verweilen, Recherchieren und Lesen ein.

Im Frühjahr 2017 sollen die Bauarbeiten beendet sein

Der Ursula-Trakt ist der Ursprungsbau der Schule und stammt aus dem Jahr 1854. Laut Kühling wurde er im Jahr 2011 als erster Teil der Schule nach der Sanierung wieder in Betrieb genommen. „Der Trakt ist komplett entkernt worden“, erläutert Kühling. Das Innenleben sei vollständig neu geschaffen, die historische Außenfassade aber erhalten worden. Ein Teil des Gebäudes wurde allerdings in Gänze abgerissen.

Dieses ragte einst in den Schulhof hinein. Es diente den Schwestern des Ursulinenordens als Klausur, Refektorium und Tagungsstätte, den Schülerinnen als Pensionat und Speisesaal, als Klassenräume und Veranstaltungsort. Laut Kühling soll das Gebäudeensemble mit dem hinteren Hof einmal wie ein Campus wirken. Auch deshalb sei der Gebäudeteil entfernt worden.

Im Herbst 2013 wurde die Sanierung des Park-Trakts abgeschlossen, ein Jahr später war dann der Rhein-Trakt soweit. Kühling bittet in einen der neu gestalteten Klassenräume. Er will zeigen, dass die Sanierung noch mehr bedeutet als Wände, Decken oder Fenster zu erneuern. Neben der klassischen Tafel hängt ein großer Bildschirm. Durch ein kabelloses Internetnetzwerk sei der Bildschirm mit einem Tabletcomputer verbunden. So könnten die Lehrkräfte etwa Videos der Klasse präsentieren – oder Noten für den Musikunterricht, ergänzt er: „Wir leben in einer digitalisierten Welt.“

Weiter führt er durch einen Gang. Kühling lenkt den Blick auf den Boden. Dessen Muster wirkt im Vergleich mit der modernen Gestaltung des restlichen Gebäudes überraschend historisch. Ist er auch. Wie Kühling sagt, sei der Boden bei den Sanierungsarbeiten unter dem Linoleum zum Vorschein gekommen.

Hinter einer Glastür bricht der sanierte Bereich der Schule ab. Durch die Scheibe fällt der Blick auf den Angela-Trakt, den letzten Bauabschnitt. Dort entstehen zurzeit auf drei Etagen sechs neue Klassenräume sowie moderne Biologie-, Physik-, Informatik-, Geografie-, Musik- und Hauswirtschaftslehrräume, ein Multimediaraum und eine Lehrküche mit Speisesaal. Überdies solle im Keller des Gebäudes, das in Teilen neu errichtet wird, die Heizungsanlage für die gesamte Schule eingebaut werden.

Kühling, Lehrer für Deutsch und Musik, kam im Jahr 2010 an die Schule. „Da habe ich die Großbaustelle bereits vorgefunden.“ Um zu illustrieren, welche Ausmaße die Arbeit haben, hat er ein gutes Beispiel zur Hand. Es gebe eine ganze Generation von Abiturientinnen, die bis auf ihr erstes Jahr die Schule nur als Baustelle erlebt hätte.

Sieben Jahre Bauzeit verlangen den rund 1140 Schülerinnen sowie der Lehrerschaft einiges an Improvisationstalent und nicht selten starke Nerven ab. Je nach Bauabschnitt gab und gibt es mal hier, mal dort provisorische Fach- und Klassenräume. Der Aufenthaltsbereich für die Oberstufe befindet sich aktuell auf der Empore der Schulkapelle. Auch seien schon Klassenarbeiten geschrieben worden, während nebenan gebohrt worden sei, so Kühling. „Es ist wie eine Operation am offenen Herzen“, meint er. Allerdings habe er auch immer dafür plädiert, ohne Container als Übergangsräume auszukommen. Und bisher habe das funktioniert.

Klar sehnt Gymnasiumsleiter Kühling das Ende der Bauarbeiten herbei. Dabei belassen will er es aber nicht. Am Außengelände müsse auch noch etwas getan werden. Und in der Schulkapelle: „Sie ist das Zentrum des schulischen Lebens.“