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Mit dem Europäischen Freiwilligendienst nach Walberberg: Damit Europa zusammenwächst

Mit dem Europäischen Freiwilligendienst nach Walberberg : Damit Europa zusammenwächst

Seit einem halben Jahr ist die 18-jährige Sizilianerin Dalila Zappalá als Seminar-Assistentin in der Jugendakademie in Walberberg beschäftigt. Sie hat sich nach dem Abitur über den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) für eine Stelle in Deutschland beworben.

Damit gehört sie zu den etwa 10 000 jungen Menschen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren, die sich in jedem Jahr dafür entscheiden, mit Unterstützung des EFD durch Europa zu reisen. „Deutschland ist so gut organisiert, und es gibt hier so viele Möglichkeiten“, erklärt Dalila Zappalá ihre Wahl.

Sie lebt in einer von der Jugendakademie angemieteten Wohngemeinschaft in Köln und fährt täglich nach Walberberg. Sie weiß den idyllisch gelegenen Ort am Vorgebirgshang genauso zu schätzen, wie die Möglichkeiten, die Köln ihr bietet.

„Man kann auch in fremde Länder reisen, bekommt ein Bändchen um das Handgelenk und hat dann – außer dem Swimmingpool des Hotels – nicht viel gesehen“, formuliert Reinhard Griep, der Leiter der Jugendakademie, den Gegensatz zu den Auslandsreisen, die der EFD den Jugendlichen ermöglicht. „Es ist ganz wichtig, dass Europa von unten wächst“, spricht Griep die politische Intention an, den jungen Menschen, die in zehn bis 20 Jahren selbst für die Entwicklung Europas verantwortlich sein werden, Erfahrungen zu ermöglichen, die sie in die Lage versetzen, fremde Kulturen und Sichtweisen kennenzulernen.

„Wenn die jungen Leute nicht anderen jungen Menschen aus anderen Ländern begegnen, deren Situation und Meinung verstehen lernen und dabei erfahren, wo ihre Zukunftsvorstellungen oder auch ihre Ängste eigentlich herkommen, dann wächst Europa nicht zusammen“, befürchtet der Diplom-Pädagoge. „Wir lernen das ja gerade bei den Themen ‚Flüchtlinge‘ und ‚Rechtsextremismus‘. Es ist da am meisten Rechtsextremismus, wo am wenigsten Flüchtlinge sind, das heißt da, wo sie keine kennenlernen.“

In die Walberberger Jugendakademie bringen dagegen junge Menschen die Themen aus der Welt mit, um sie mit anderen zu besprechen und mit neuen Erkenntnissen und Sichtweisen zu gestalten.

Dalila Zappalá profitiert von dem Anspruch der Einrichtung, ein Ort der „erfahrungsbasierten, lebensgeschichtlich bedeutsamen Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung“ zu sein. Sie beschreibt sich selbst – kurz vor ihrem 19. Geburtstag – mitten in der Entwicklung stehend, in der sie Erfahrungen und Wissen sammeln möchte. Eine Entscheidung für ihr Berufsleben wird sich finden.

Aktuell könnte sie sich vorstellen, in Deutschland Sozialpädagogik zu studieren, weil ihr die Arbeit mit den jungen Menschen in der Jugendakademie viel Freude macht. Sie weiß es zu schätzen, dass ihr – anders als ihren Freundinnen im heimatlichen Sizilien – im Ausland weitaus mehr Möglichkeiten geboten werden. Sie empfindet Deutschland als multikulturell.

Sicherlich auch, weil die meisten ihrer Freunde in Köln ebenfalls wie sie über den Europäischen Freiwilligendienst nach Deutschland gekommen sind. Kennengelernt haben sie sich über die regelmäßigen Treffen und Seminare des EFD, die ebenfalls in der Jugendakademie stattfinden.

Es ist anzunehmen, dass sie sich auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren werden. Sie werden es sein, durch die Europa zusammenwächst. Und das geschieht seit 20 Jahren mit inzwischen mehr als 200 000 Teilnehmern durch den EFD. Oder wie Dalila Zappalá resümiert: „I really love the idea of EFD.“ Sprich: „Ich liebe die Idee des EFD wirklich.“

Der Europäische Freiwilligendienst