Kampf gegen Fremdparker: Immer mehr Supermärkte lassen Parkplätze überwachen

Kampf gegen Fremdparker : Immer mehr Supermärkte lassen Parkplätze überwachen

Immer mehr Märkte in der Region lassen ihre Kundenparkplätze von externen Dienstleistern überwachen. Wer dort parkt und kein Kunde ist, dem droht ein Knöllchen.

Es ist ja so bequem. Einfach den Wagen auf dem Kundenparkplatz eines Supermarktes kostenlos abstellen, dann diverse Sachen in der Stadt erledigen, aber nicht in dem Markt einkaufen. Weil diese Vorgehensweise überhand nimmt, beauftragen immer mehr Geschäftsleute private Unternehmen mit der Kontrolle ihrer Parkplätze.

Beispiel Bornheim: In Roisdorf liegt der Penny-Markt direkt neben dem Bahnhof. Weil es am Bahnhof zu wenig Stellplätze gibt, weichen manche Autofahrer auf den benachbarten Penny-Parkplatz aus und steigen dann in die Bahn. Auf dem Penny-Gelände weisen allerdings Schilder des Unternehmens „fair parken“ darauf hin, dass der Platz nur für Kunden vorgesehen ist, und dass bei Überschreiten der maximalen Parkzeit von einer Stunde eine Strafe von 24,90 Euro verhängt wird.

Am Edeka-Markt Bell in Bornheim sind den Kunden zwei Stunden Parkzeit erlaubt. Wird diese überschritten, droht der Abschleppwagen. Dies sei aber noch nicht vorgekommen, sagt Marktleiter Tim Schallenberg. Markus Domjahn, Verwaltungsleiter bei porta in Bornheim, sieht ebenfalls keine Probleme mit Fremdparkern. Der Parkplatz mit Bauhaus und Boss sei zu weitläufig, um ständig zu kontrollieren.

Auch Manfred Hümmer, der stellvertretende Leiter des Obi-Marktes in Oedekoven, stellt keine Fremdparker an seinem Markt fest.

Beispiel Rheinbach:Seit der gemeinsame Kundenparkplatz von Rewe, Aldi, Deichmann und Takko an ein externes Unternehmen abgetreten wurde, stellt sich das Thema Dauerparker nicht mehr. Kunden können zwei Stunden kostenlos parken, danach wird eine Gebühr von 15 Euro fällig. Laut Rewe-Marktleiter Bernd Esser kam es früher häufiger vor, dass Leute ihr Auto morgens dort abstellten, dann mit der Bahn vom nahen Bahnhof nach Bonn zur Arbeit fuhren und erst am Abend zurück kamen. So blockierte das Auto einen Tag lang einen Kundenparkplatz. Auch das Dauerparken von Angestellten von Geschäften und Arztpraxen aus der Nachbarschaft hat laut Esser aufgehört.

Am Obi-Markt ist Dauerparken kein Problem. Marktleiter Jörg Truhn sagt, der Platz werde von seinen Kunden sowie von den Kunden des Bettenlagers und des Fitnesscenters genutzt.

Sankt Augustiner beschweren sich bei Facebook

Beispiel Meckenheim:Willi Wittges-Stoelben ist Vorsitzender des Gewerbevereins Meckenheimer Verbund. Er schlägt vor, dass die maximale Parkdauer in der Altstadt von einer halben auf eine Stunde erhöht wird. „Dann könnte der Kunde nach seinem Gang in die Bäckerei noch andere Geschäfte aufsuchen“, sagt er. Die Stadt will aber bei der Halbstundenregelung bleiben, weil der Umlauf an Parkplätzen so höher ist. Probleme mit Fremdparkern auf Kundenparkplätzen sind Wittges-Stoelben in Meckenheim nicht bekannt.

Beispiel Sankt Augustin:An der Südstraße an den Südarkaden stehen an jeder Zufahrt fünf bis sieben Schilder mit Piktogrammen und Text. Auch in den Geschäften hängen Zettel an den Türen, die auf die Parkscheiben-Pflicht hinweisen. Die Parksheriffs sind dort sehr freundlich. Wenn man gerade einparkt, erinnern sie einen an die Pflicht. Wenn man allerdings parkend ohne Parkscheibe erwischt wird, kostet es Geld. Bei Facebook hatten sich einige Sankt Augustiner darüber beschwert. Die Aufregung war aber schnell beigelegt, weil sowohl die Kunden als auch die Geschäftsleute sich freuten, dass es endlich wieder Parkplätze an den Südarkaden gibt.

Der Eigentümer des Hauses des Handwerks an der Grantham-Allee (neben der Hochschule) musste reagieren, nachdem der Parkdruck im Umfeld der Hochschule zu groß geworden war und Studenten und Hochschul-Mitarbeiter seine Kundenparkplätze belegten. Auch dort wird das Parken per Parkscheibe regelt. Insgesamt weisen etwa zehn Schilder auf die Regelung hin.

An der Marie-Curie-Straße steht ein großes Geschäftshaus, in dem auch ein Fastfood-Restaurant untergebracht ist. Auch dort hat der Immobilieneigentümer die neue Parkregelung eingeführt. Obwohl der Eigentümer die Zahl seiner Parkplätze rund um das Gebäude massiv erweitert hatte, waren die Plätze ständig durch Dauerparker belegt. Das waren zum Teil Mitarbeiter umliegender Firmen, aber auch Pendler, die sich dort zur gemeinsamen Weiterfahrt auf der Autobahn verabredeten.

Beispiel Oberpleis:Seit fast zwei Jahren gibt es auch auf dem Rewe-Parkplatz in Oberpleis eine Parküberwachung. „Der Parkdruck war zu groß geworden, nachdem Edeka und Aldi das vor mir eingeführt haben. Irgendwann haben alle Dauerparker bei mir geparkt“, sagt der geschäftsführende Inhaber Sascha Fickeis. Vorher hätten Angestellte, die in Oberpleis arbeiten, teilweise über zehn Stunden auf seinem Parkplatz mit insgesamt 150 Plätzen gestanden.

Bei Fickeis darf das Auto bis zu zweieinhalb Stunden stehen

Fickeis entschied sich damals für das Unternehmen „Fair Parken“. Auf dem Rewe-Parkplatz darf das Auto seitdem bis zu zweieinhalb Stunden abgestellt werden. Dazu muss die Parkscheibe benutzt werden. Wer diese vergisst, kann das „Knöllchen“ gegen Vorlage des Kassenzettels stornieren lassen. Das gilt genauso für Kunden der Volksbank, des Bäckers, der Postfiliale und des Getränkemarktes. „Wir wollen ja keine Kunden bestrafen. Es kann immer schon mal vorkommen, dass man die Parkscheibe vergisst“, so Fickeis. Auch nachträglich könne man sich noch an Fair Parken wenden und dort unter Angabe des Aktenzeichens den Beleg einreichen.

Der eine oder andere aufgebrachte Kunde habe auf diese Weise nachträglich wieder beruhigt werden können. Die relativ hohe Strafgebühr in Höhe von 24,90 Euro erklärt Fickeis mit der hohen Zahl an Stornierungen. „Das Überwachungsunternehmen muss von einem Strafzettel leben, wenn neun storniert werden“, sagt er. Der Parkdruck habe seit Einführung der Überwachung deutlich nachgelassen. „Jetzt gibt es auch freitags und samstags wieder freie Parkplätze“, so der Inhaber.

Beispiel Linz:Satt war Fabian Fett, der Inhaber eines Edeka-Marktes in Linz, die Beschimpfungen und Reklamationen durch Kunden, die vergessen hatten, ihre Parkscheibe zu stellen. Deshalb hat er ein neues System eingeführt. An jedem einzelnen Parkplatz ist seitdem ein Sensor installiert, der minutengenau erfasst, wann ein Fahrzeug dort abgestellt wird. Zwei auf dem Parkplatz angebrachte Sender übertragen die Daten auf das Handy einer Kontrolleurin von der Firma „Besser Parken“, die von 9 bis 18 Uhr auf dem Parkplatz Dienst tut. Wenn ihre Anzeige auf dem Handy rot wird, verteilt sie einen Strafzettel über 19,50 Euro. „Dabei gibt es aber immer eine Kulanz von rund zehn Minuten“, sagt Fett. Durch die Innenstadtnähe, die benachbarten Ärztehäuser und die Schule habe der Edeka-Parkplatz besonders in den Morgenstunden sehr viele Fremdparker.

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