Landwirtschaft im Vorgebirge: Bornheimer Spargel ist deutlich dünner als im Vorjahr

Landwirtschaft im Vorgebirge : Bornheimer Spargel ist deutlich dünner als im Vorjahr

35 Saisonkräfte sind auf dem Biohof Bursch im Einsatz. Dabei schaut ihnen GA-Tauschreporter Marco Dittmer über die Schulter.

Ivo zieht wieder eine dünne, weiße Stange aus der feuchten Erde. Hat er eine Handvoll gesammelt, legt er sie auf den Erdwall vor sich und schaut, wo die nächsten Exemplare hervorragen. „Er ist dünner als sonst“, sagt Ivo, der seit Jahren die Erntehelfer auf dem Waldorfer Biohof Bursch anleitet. Alle zwei Tage rücken 35 Saisonkräfte aus, um mit geübten Handgriffen den Spargel auf den Feldern zu stechen.

Dass das Edelgemüse in diesem Jahr insgesamt nicht so dick ist, gehört zu den Spätfolgen des vergangenen Sommers. Die lange Trockenzeit und auch die Kälteperiode im Frühjahr haben den Pflanzen zugesetzt. „Viele konnten sich nicht optimal erholen“, erklärt Lothar Tolksdorf, Sprecher des Biohofs. Auf die Qualität des bekannten Bornheimer Spargels soll sich das aber nicht auswirken. „Da spielt der Durchmesser keine Rolle“, so Tolksdorf. Der besondere Geschmack bleibt: würzig im Aroma, zart in seiner Beschaffenheit und blütenweiß.

Spätfolgen des Sommers 2018

Das Bio-Unternehmen Bursch baut rund um Bornheim mittlerweile 60 Sorten Obst und Gemüse an. Rund 150 Mitarbeiter arbeiten auf den insgesamt 44 Hektar. Hinzu kommen weitere 7000 Quadratmeter Folientunnel, 18 Wochenmärkte, ein Hofladen und ein Hofcafé, inklusive Koch und einer Konditormeisterin.

Das Familienunternehmen, das in der vierten Generation existiert, ist laut eigener Aussage zum mittlerweile größten Demeter-Gemüsehof in Nordrhein-Westfalen gewachsen und wird in der Region ernstgenommen. Das war nicht immer so. Jeder Mitarbeiter kennt die Geschichte, wie Heinrich Bursch, Vater der heutigen Geschäftsführer Renate und Heinz Bursch, 1964 den Betrieb am Weidenpeschweg radikal auf Bio umstellte. Von seinen Nachbarn und den umliegenden Landwirten zunächst belächelt, ging er konsequent seinen Weg. Die Nachfrage nach ungespritzten und nachhaltig angebauten Erzeugnissen wuchs stetig. Ein Hofladen wurde eröffnet, in den 90er Jahren entstanden die ersten Bio-Wochenmärkte.

Auch heute erweitert die Familie das Sortiment ständig. Die neueste Errungenschaft ist ein mobiler Hühnerstall mit 220 Hühnern und fünf Hähnen, die jetzt erstmals auf die grüne Wiese gelassen wurden. Das Besondere an dem Stall auf Rädern ist, dass die Hühner künftig an fünf verschiedenen Standorten Auslauf haben. Tolksdorf: „Das ist besser für den Boden, der sich von den Hühnern dann auch wieder erholen kann.“

Ein ebenso spannendes Projekt verbirgt sich auf der Fläche hinter dem Hofcafé. Dort schützt ein spezielles Netz Himbeersträucher vor der japanischen Kirschessigfliege, die in der Vergangenheit den Bauern zu schaffen machte. Es ist ein Forschungsprojekt, das der Biohof zusammen mit der Landwirtschaftskammer umsetzt. Ivo macht sich schon Gedanken um den Spargel im nächsten Jahr. Traditionell ist mit der Ernte am 24. Juni, dem Johannistag, Schluss. Ivo plant, auf einigen Feldern damit aber schon deutlich früher aufzuhören. Der Spargel soll wieder besser wachsen und braucht dafür Erholung.

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