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Flüchtlingsarbeit in Siegburg: Vertraut mit zwei Kulturen

Flüchtlingsarbeit in Siegburg : Vertraut mit zwei Kulturen

Mouna Salahie steuert für die Caritas den Einsatz ehrenamtlicher Übersetzer. Verband hat seit Kurzem auch im Rechtsrheinischen ein Integrationslotsen-Netzwerk eingerichtet und sucht freiwillige Helfer.

Früher wollte Mouna Salahie Stewardess werden, heute ist sie Lotsin – genau genommen die Koordinatorin der Lotsen. Die Rede ist allerdings nicht von Fluglotsen, sondern von Integrationslotsen. Seit September dieses Jahres baut der Caritasverband Rhein-Sieg ein Netzwerk von Personen auf, die Zuwanderer zu Behörden, Schulen, Ärzten oder Beratungsstellen begleiten und für sie in deren Muttersprache übersetzen. Mouna Salahie kümmert sich um den Aufbau dieses Netzwerkes und wird später die Arbeit der Integrationslotsen begleiten und organisieren.

„Für mich persönlich ist es sehr hilfreich, diesen Background zu haben, den ich in mir trage. Ich kann meistens nachvollziehen, wieso manche 'Klienten' etwas nicht verstehen. Dieses Switchen zwischen den Kulturen kann ich gut“, erzählt die 48-Jährige. Sie wurde in Bonn geboren – ihre Mutter ist Deutsche und der Vater Syrer. Mit 19 Jahren zog sie mit den Eltern nach Syrien. Dort gründete Mouna Salahie selber eine Familie und während der 25 Jahre, die sie dort lebte, besuchte sie nur drei Mal ihre alte Heimat Deutschland.

Bis 2012. Da beschloss ihre mittlerweile sechsköpfige Familie, nach Deutschland zu ziehen. Ein Leben in Syrien war zu gefährlich. „Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, aber nicht nach deutschen Maßstäben – eher nach orientalischen und konservativen Regeln“, sagt sie. Arabisch lernte Mouna Salahie schon in ihrer Kindheit. Früher verbrachte sie ihre Sommerferien immer in Syrien.

Ihr Vater wollte, dass die Verbindung zu seiner Familie und zu seinem Heimatland auch über die Entfernung besteht. „Es ist als Integrationslotse von Vorteil, wenn man zwei Kulturen kennt und in zwei Sprachen heimisch ist. Oft ist es viel mehr als reines Übersetzen. Dann ist es gut, die Kultur zu kennen und zu wissen, wie man etwas erklärt, um Missverständnissen vorzubeugen“, erzählt die vierfache Mutter.

Seit September arbeitet sie hauptamtlich als Koordinatorin der Integrationslotsen im Rechtsrheinischen. Davor war Mouna Salahie selber drei Jahre lang als ehrenamtliche Übersetzerin der Caritas im Linksrheinischen aktiv. Sie weiß genau, welche Schulungen Interessierte benötigen und welche Aufgaben auf diese zukommen. „Eins ist wichtig: Die Lotsen tragen nicht die Verantwortung für die Klienten. Natürlich ist das nicht immer ganz einfach, weil man ja gewissenhaft übersetzen möchte und muss – aber es geht ausschließlich um Spracheinsätze“, sagt die 48-Jährige.

Das Projekt „Neue Nachbarn“ des Erzbistums Köln ermöglichte den Aufbau eines solchen Personennetzwerks. Einen engeren privaten Kontakt zwischen Klienten und Integrationslotsen soll es nicht geben. „Die Privatsphäre der Ehrenamtlichen wird immer geschützt. Sie sollen auch nicht vereinnahmt werden, sonst sind sie schon bald ausgebrannt. Ehrenamt soll Ehrenamt bleiben und Spaß machen“, sagt Salahie.

Das Projekt entstand, als immer mehr nicht-deutschsprachige Zuwanderer mit ihren Kindern als Übersetzer zu Beratungsgesprächen erschienen. „Das ist kein Zustand. Mal geht das, aber ein Kind kann nicht auf Dauer der Dolmetscher für seine Eltern sein“, so Salahie.

Daraufhin hat die Caritas zunächst im Linksrheinischen, und seit Kurzem auch im Rechtsrheinischen ein Intragrationslotsen-Netzwerk eingerichtet. Mouna Salahie ist ein wichtiger Teil dieses Teams geworden. Sie sagt: „Es macht mich glücklich, im Gesicht meines Gegenübers ein Lächeln zu sehen, weil er gerade wirklich was verstanden hat, weil ihm jemand etwas in seiner Muttersprache erklärt hat.“