Zu wenig Besonderes: Harsche Kritik am Siegburger Stadtfest

Zu wenig Besonderes : Harsche Kritik am Siegburger Stadtfest

Viele Siegburger äußern nach dem Stadtfest ihre Kritik an der Gestaltung. Veranstalter und Stadt wollen damit offen und konstruktiv umgehen.

Zu viel Autoschau, zu viele Werbestände und zu wenig Besonderes – die kritischen Stimmen zur 38. Auflage des Siegburger Stadtfestes sind nicht zu überhören. Seit dem Wochenende äußerten viele Siegburger via Facebook oder beim Fest selbst ihren Unmut. Auch bei der Stadt und dem veranstaltenden Verkehrsverein lief gehäuft Kritik auf. „Wir gehen damit sehr offen und konstruktiv um“, sagt die kommissarische Geschäftsführerin Martina Reichenbach auf Nachfrage. Der Verein, der das Fest seit 1980 veranstaltet, sei dankbar für jede Kritik, Verbesserungsvorschläge und Rückmeldungen zum aktuellen Fest.

Bei aller Kritik: Das Fest am letzten Augustwochenende liegt den Siegburgern am Herzen. So hat Horst Stöcker etwa am Dienstag die Facebook-Gruppe „Rettet das Siegburger Stadtfest“ gegründet. „Damit die rege Diskussion nicht abebbt“, erklärt er. Man könne das Fest in jedem Fall besser machen. Er wolle Ideen bündeln, auf deren Grundlage es vielleicht einen Neuanfang geben könnte. „Es muss ein Umdenken stattfinden, sonst kann man es auch ganz sein lassen“, findet der Siegburger, der in der Vergangenheit vor allem das Bühnenprogramm kritisiert hat. „Das hatte in diesem Jahr mehr Hand und Fuß“, sagt er. Allerdings mangelte es ihm an Bandbreite: „Zu viel kölsche Musik.“

Kritik an Gebrauchtwagenausstellung in der Kaiserstraße

„Es ist nicht schön, wenn der Großteil einer gemütlichen Innenstadtstraße zum Gebrauchtwagenmarkt verkommt“, findet Leserin Siggi Richter. Zudem lehnt die Siegburgerin ab, dass „ein anderer Stadtteil im Rahmen des Festes voller Verkaufsstände mit dem übelsten Ramsch zugebaut war“. Die Bestückung des Stadtfestareals sei zum Schämen und einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig.

„Das Stadtfest möchte die Bandbreite des ansässigen Handels widerspiegeln“, erklärte der Verkehrsverein. Dazu gehörten auch Siegburger Autohäuser, Handelsvertreter und Einzelhändler, die das Fest teils auch sponsern würden. „Ohne solche Sponsoren wäre ein Event dieser Größenordnung auch gar nicht erst möglich“, sagt Martina Reichenbach. Der Verkehrsverein werde von knapp 200 Mitgliedern finanziert, und der Vorstand arbeite ehrenamtlich.

„Ich erinnere mich an schöne Stadtfeste in meiner Jugend“, sagt Paul Remmel. Ein wenig dieser Atmosphäre sei in der Holzgasse um die Taverne Sirtaki spürbar gewesen. Auf dem restlichen Areal sei aber nicht mehr viel davon übrig. Eine Kaiserstraße voll mit Autos sei eine Bankrotterklärung. „Dabei fiele einem so viel ein“, sagt der Siegburger Buchhändler. Man müsse nur Leute mit Herzblut etwas machen lassen. „Die bekäme man zusammen“, ist er sich sicher. Der Frust sei dafür hoch.

Verkehrsverein steckt in der Nachbereitung

Mit Herzblut dabei sind von der ersten Stunde an die Siegburger Funken Blau Weiss. Seit ein paar Jahren mit ihrer Reibekuchenrutsche am oberen Markt. „Es ist gut gelaufen, wir hatten regen Betrieb“, zieht Funkensprecher Klaus Stock eine erste Bilanz. Viele kämen zu ihrem Stand, um Freunde zu treffen. „Da haben wir aber auch häufig Kritik am Fest gehört“, sagt er. Es gebe zu viele Lücken und die Bandbreite fehlte.

„Haben die Siegburger Bürger nicht mehr verdient?“, fragt René Böttcher. Er habe das Fest mehrfach besucht und sei entsetzt gewesen, ob Automeile, Staubsaugerverkäufer und Ähnlichem. „Ich wünschte mir, etwas Liebevolles zu sehen“, sagt er. Die Bürger seien kaum beteiligt am Fest. Ein positives Gegenbeispiel hat der Leiter der Siegburger Studiobühne vor Augen: „Das 950-Jahr-Fest vor vier Jahren, das hat eine lebendige Stadt gezeigt, die gestalten und mitreden will.“ Für ihn stelle sich die Frage, ob eine Werbegemeinschaft überhaupt die Kraft habe, eine neue Vision zu entwerfen. „Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich die auch mitgestalten.“

Der Verkehrsverein steckt unterdessen mitten in der Nachbereitung des Festes. „Wir können noch kein allumfassendes Feedback zu sämtlichen Details abgeben“, sagt Reichenbach. Wer Kritik oder Anregungen habe, könne sich per E-Mail an sie wenden: info@siegburg-erleben.com.

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