Hilfe für Kinder und Jugendliche: Preis für Kinder- und Jugendtelefon Sankt Augustin

Hilfe für Kinder und Jugendliche : Preis für Kinder- und Jugendtelefon Sankt Augustin

Das Kinder- und Jugendtelefon in Sankt Augustin erhält den Ehrenamtspreis 2019. 32 Freiwillige helfen bei Sorgen und Nöten. Die Einrichtung sucht jetzt weitere Berater.

Das Engagement und die Arbeit der 32 aktiven Ehrenamtler des Kinder- und Jugendtelefons Sankt Augustin (KJT) wurde mit dem Jubiläumspreis „Ein Ohr für Kinder“ der Stiftung Deutsche Kinder-, Jugend- und Elterntelefone ausgezeichnet. Im Haus der Stiftungen in Berlin übergab Schirmherrin Doris Schröder-Köpf einen Check über 2500 Euro an das KJT. Die Kriterien zur Vergabe waren Nachhaltigkeit, Kreativität, Qualität, Engagement sowie persönlicher Einsatz der Ehrenamtler. Dabei wurde besonders gewürdigt, dass das KJT Sankt Augustin, das beim Ortsverein des Deutschen Kinderschutzbundes angesiedelt ist, einen großen Teamzusammenhalt hat. Neue Berater hospitieren zuerst bei erfahrenen Ehrenamtlern, ehe sie selbst Anrufe entgegennehmen. Rund zwölf Mal im Jahr gibt es eine Supervision für einen gegenseitigen Austausch. „Es gibt manchmal Fälle, die einen sehr belasten, und das Reden darüber mit anderen hilft bei der eigenen Psychohygiene“, sagte Elisabeth Glaser, Koordinatorin des KJT. Der Preis sei ein Qualitätsmerkmal für den Standort Sankt Augustin, der als einer von bundesweit 94 Standorten Telefonberatungen durchführt.

Bereits seit 35 Jahren helfen die Berater in Sankt Augustin Jugendlichen, die Rat suchen: „Für die Kinder ist es wichtig, dass ihnen jemand zuhört. Sie können ohne Angst vor Konsequenzen ihre Sorgen schildern und dabei anonym bleiben“, sagte Nihan Salgar vom KJT. Sie sei mittlerweile seit sechs Jahren als ehrenamtliche Telefonberaterin tätig und kümmere sich gern um die Kinder und Jugendlichen. „Die Ausbildung tat mir und auch meinen eigenen Kindern gut. Durch die Digitalisierung haben sich neue Problemfelder, wie zum Beispiel Cyber-Mobbing, ergeben. Ich kann den Kindern am Telefon Tipps geben, wie sie sich im Chat verhalten sollten oder wo sie Missstände melden können. Dadurch bin ich nah an den Problemen der Jugendlichen von heute und kann die Sorgen meiner eigenen Kinder besser verstehen.“

Hilfe bei Problemen, Liebeskummer und Fragen

Die Themenfelder der Anrufer reichen von Problemen in der Familie mit den Eltern und Geschwistern über das eigene Aussehen bis hin zu Liebeskummer, Streit im Freundeskreis, Sexualität oder auch den Tod. „Wir sind für viele Jugendliche die erste Anlaufstelle, weil es manchmal Probleme gibt, über die zu reden man erst einmal üben muss. Einige weinen ganz lange, bis überhaupt ein Gespräch möglich wird“, so Glaser. Langeweile sei auch oft ein Anrufmotiv. Was zuerst wie ein Scherzanruf zu beginnen scheine, entwickele sich schließlich zu einem ernsten Anliegen.

6558 Anrufe wurden im vergangenen Jahr vom KJT entgegengenommen. Längst nicht alle Anrufer erreichten auch einen Berater. Damit mehr Jugendliche einen Gesprächspartner finden, benötigt das KJT dringend mehr Telefonberater. Die Tätigkeit beinhaltet zwei Dienste pro Monat für jeweils drei Stunden in der Zeit von montags bis freitags von 14 Uhr bis 20 Uhr sowie die Teilnahme an Supervisionen und einem jährlichen Fortbildungswochenende. Die neunmonatige Schulung vermittelt ab September jeden Montag für 27 Abende das nötige Grundwissen. Unter Anleitung einer Diplom-Heilpädagogin lernen die Teilnehmer Theorie, Praxis und Methode der Telefonberatung kennen. In Rollenspielen werden Kommunikationstechniken geübt.

Am Samstag, 29. Juni, findet von 10 Uhr bis 14 Uhr ein erstes Kennenlern- und Informationstreffen für interessierte Berater statt. Interessenten können sich bei der Geschäftsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes Sankt Augustin unter 02241/28000 oder per E-Mail an kjt@kinderschutzbund-sankt-augustin.de melden.

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