Gemeinsam unter einem Dach: Mehrgenerationenhaus in Menden funktioniert gut

Gemeinsam unter einem Dach : Mehrgenerationenhaus in Menden funktioniert gut

Genossenschaftlich geführtes Haus am Mendener Markt zieht fünf Jahre nach dem ersten Einzug Bilanz. Die 40 Bewohner im Alter von vier bis 89 Jahren fühlen sich in der Gemeinschaft wohl.

Gemeinsam statt einsam wohnen, sich gegenseitig unterstützen, dabei persönliche Freiräume bewahren und eine gute Nachbarschaft pflegen – das war und ist bis heute der Wunsch des Mehrgenerationenhauses „Gemeinsam Wohnen mit Jung und Alt“ in Menden. Aus dem gemeinsamen Wunsch von Freunden und Nachbarn entstand 2009 ein Verein und damit auch das konkrete Ziel, ein Mehrgenerationenhaus zu bauen.

Als Verein und Pläne vor zehn Jahren publik wurden, gab es viele Interessierte, viel Zustimmung, aber auch Skepsis, ob das Zusammenleben der bislang getrennt lebenden Bewohner funktionieren würde. 2010 gründete der Verein eine gleichnamige Genossenschaft, erwarb 2011 ein Grundstück am Mendener Markt und feierte im März 2013 Spatenstich. Vor fast genau fünf Jahren, im Mai 2014, wurde der Einzug in den markanten Neubau mit seinen barrierefreien 28 Wohnungen von 45 bis 117 Quadratmetern auf vier Etagen gefeiert.

Seit dem Einzug hat sich die Gemeinschaft gefestigt und weiterentwickelt, resümiert Bruno Kremer, Vorstand der Genossenschaft. „Es funktioniert sehr gut.“ Seine Ehefrau Ilona, Manfred Flottrong und Angela Zemke, die in Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft tätig sind, würden dem Projekt heute mit all seinen Stärken und Herausforderungen die Schulnote „2“ geben. Die Finanzen seien stabil, mit den bilanziellen Gewinnen würden die Baukosten abgetragen oder ins Gebäude investiert, in zwei oder drei Jahren werde vielleicht eine Dividende ausgeschüttet. „Oder wir senken die Nutzungsgebühren, das werden wir noch gemeinsam entscheiden. Seit dem Einzug haben wir unsere Nutzungsgebühren nicht erhöht“, sagt Bruno Kremer.

Statt eines Kaufs oder einer Miete haben die Bewohner für ihren Einzug Genossenschaftsanteile erworben. Monatlich zahlen sie, abhängig vom Anteil, Nutzungsentgelte für ihre Wohnungen. Genossenschaften, die keine Gewinne für Dritte generieren, machten das Wohnen auch langfristig für die Bewohner bezahlbar, erklärt Kremer: „Wir wohnen zudem in einem barrierefreien KfW-55-Haus. Eine 100 Quadratmeter große Wohnung hat Heizkosten von rund 150 Euro im Jahr. Das ist unschlagbar gut.“

Einmal im Monat wird zum Bewohnertreffen geladen

Seit 1. April dieses Jahres ist die Genossenschaft auch Energieerzeuger und betreibt eine Photovoltaikanlage mit rund 30 Kilowatt Spitzenleistung auf ihrem Dach für das sogenannte Mieterstrommodel. „Zumindest für jene Bewohner, die den Strom nutzen wollen, schränkt Kremer ein: „Das Gesetz sieht vor, dass sich jeder Bewohner seinen Stromanbieter selbst aussuchen darf. Nicht jeder Bewohner macht bei uns mit.“ Andere Meinungen und auch spürbare Meinungsverschiedenheiten gehörten zum Zusammenleben der 40 Bewohner im Alter von vier bis 89 Jahren dazu, erklärt Ilona Kremer: „Einmal im Monat laden wir zum Bewohnertreffen ein. Beim anschließenden offenen Rederaum darf und sollte man alles ansprechen, was gut ist oder stört.“ All das sei normal, wo Menschen zusammenlebten, ergänzt Manfred Flottrong: „Es kommt auf den Tisch, und das ist gut so.“

Für solche Treffen gibt es den großen Gemeinschaftsraum, der auch für private Feiern oder gemeinsame Feste genutzt wird. Bewohnern steht zudem ein Gästeappartement zur Verfügung, in dem bis zu vier Gäste der Bewohner schlafen können. Eine gemeinsame Werkstatt und einen Fitnessraum gibt es im Keller.

Neue Bewohner müssen anderen vo

Wer sich im Garten an die große Tafel setze, bleibe selten lange allein, sagt Ilona Kremer: „Gerade im Sommer ist das abends wirklich schön. Manchmal kommen auch die Nachbarn zu Besuch.“ Die Gemeinschaft funktioniere aber auch fernab der Feste, sagt Angela Zemke und gibt ein Beispiel: Ihre beiden kleinen Kinder fühlen sich im Haus nicht nur wohl, sondern sind von den Mitbewohnern derart ins Herz geschlossen worden, dass sich diese auch regelmäßig um die Kinder kümmern. „Einmal in der Woche bringe ich die Kinder zur Schule“, sagt Flottroggn mit Freude im Gesicht: „Das ist ein schöner Spaziergang, mir bereitet das Freude. Jemand anderes holt sie wieder ab.“

Gegenseitige Unterstützung sei ein wichtiges Ziel der Gemeinschaft, sagt Zemke, die gern selbst mehr Unterstützung anbieten würde: „Tatsächlich aber brauchen die meisten meine Hilfe noch nicht.“ Vielleicht aber später, wenn die Bewohner, von denen die meisten bereits in der zweiten Lebenshälfte angekommen sind, älter werden. Damit es wirklich auch zukünftig ein Mehrgenerationenhaus bleibt, hat die Genossenschaft reagiert und eine Altersgrenze für neue Mitbewohner eingeführt, die nicht älter als 55 Jahre sein sollen. Vorstand Bruno Kremer erklärt es: „Bevor jemand Bewohner wird, wird er den anderen Bewohnern vorgestellt. Schließlich muss derjenige zu unserer Gemeinschaft passen. Wir haben das Glück, dass wir uns unsere Nachbarn aussuchen dürfen. Das Glück hat man in einer Reihenhaussiedlung oder einem normalen Mehrfamilienhaus leider in der Regel nicht.“

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