Pater Bernd Werle wird Vikar in Mülldorf

Die Welt, Gott, neues Leben und die Brüche im Leben thematisieren die Bilder, die eine gute Freundin für Steyler-Pater Bernd Werle gemalt hat.

Die Welt, Gott, neues Leben und die Brüche im Leben thematisieren die Bilder, die eine gute Freundin für Steyler-Pater Bernd Werle gemalt hat.

Sankt Augustin. Für den ehemaligen Missionar und Rektor der Steyler Hochschule schließt sich ein Lebenskreis.

Die Regale und Schränke sind aufgebaut, aber Steyler-Pater Bernd Werle kämpft noch mit einigen Dingen, die ihren Platz noch nicht gefunden haben. Das sind vor allem Bücher, aber auch Bilder, die dem ehemaligen Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Steyler Missionare etwas bedeuten.

Werle zieht um ins Pfarrhaus am Pfarrweg 5 nach Mülldorf und wird Nachfolger von Pater Devis Don Wadin. Er freut sich auf die wahrscheinlich letzte Aufgabe seines beruflichen Lebens, dort in Mülldorf, wo sein beruflicher Werdegang vor vielen Jahren begann.

Seine offizielle Einführung als Pfarrvikar in den Seelsorgebereich Sankt Augustin wird im September gefeiert. Bis dahin wird er Aufgaben übernehmen und schauen, wo es Bedarf in der Gemeinde gibt. "Ich kenne zwar das Kleingebilde Mülldorf von vor 15 Jahren. Aber jetzt will ich erst hören, wo denn der Schuh heute drückt und dann entscheiden, wo ich Schwerpunkte und Visionen setze", sagt Werle.

Seine erste Vision hatte er schon als zehnjähriger Steppke, der in dem 280-Seelen-Dorf Rohrbach im Saarland aufwuchs. Er wollte Priester werden. "Das verlor sich in der Pubertät etwas." Werle tendierte nach dem Abitur 1974 eher zur Sozial- oder Heilpädagogik.

Er machte ein Praktikum im Kinderheim, und der Leiter, ein ehemaliger Salesianer, empfahl ihm, Theologie zu studieren. "Ich hatte auch damals schon so einen religiösen Touch", so Werle. Hals über Kopf habe er sich an einem Sonntagmorgen entschieden, Steyler Missionar zu werden.

Er war fasziniert von den Steylern aus Indonesien, die seine Mutter schon mal bekochte, wenn sie den Pfarrer vertraten. Werle wollte nach Indonesien und teilte diese Entscheidung im sonntäglichen Familienrat mit. "Meine Mutter brach in Tränen aus, und mein Vater schaute mich komisch an", erinnert sich Werle.

Letztlich hätten beide seine Entscheidung aber getragen. Aus dem Ort habe keiner daran geglaubt. "Ich war nämlich immer der Letzte, der das Licht ausmachte, wenn Feste gefeiert wurden." Werle studierte in Sankt Augustin Theologie und begann 1980 in Mülldorf als Diakon zu arbeiten. Schon damals entstanden viele Beziehungen zu den Menschen, und genau das ist es, worauf er sich heute freut.

Aus dem Traum von Indonesien wurde nichts, Werle ging 1983 für neun Jahre nach Togo, um Bibelarbeit zu machen. "Die Afrikaner haben eine wunderbare Art, Leute aufzunehmen. Sie rücken ein wenig auseinander, dann ist Platz für dich da. Es gab rund 40.000 Katholiken, die Zahl explodierte, aber ein Kirche gab es nicht", beschreibt Werle die Situation damals.

Zum Beten traf man sich auf dem Dorfplatz. Heimweh kannte er nicht, auch wenn er nur alle drei Jahre Heimaturlaub bekam.

Werle kehrte nach neun Jahren zurück nach Sankt Augustin. Nach einer Erkrankung - er litt unter einem Burn-out-Syndrom - begann er mit einem Promotionsstudium in Bonn und promovierte zur Moraltheologie. Das unterrichtete er auch an der Steyler Hochschule.

Nebenbei arbeitete Werle seit 1994 in Mülldorf als "Teilzeit-Kaplan". Nach der Promotion nahm seine Karriere Fahrt auf. Werle wurde 2004 Leiter der Steyler Ordensgemeinschaft in Norddeutschland, 2007 fusionierten Nord und Süd, und er leitete das Steyler Provinzial für ganz Deutschland.

Seine Zeit in Togo hat ihn geprägt und für Werle steht fest: "Auch ohne Strukturen mit wenig Leuten und wenig Geld, aber großer Begeisterung, kann man viel erreichen."

Werle leitete die Ordensgemeinschaft bis 2013 für drei Amtszeiten - mehr geht nicht. Stattdessen wurde er Hochschulrektor. Das Profilierungskonzept der Hochschule aus den Jahren 2009 und 2010 galt es zu evaluieren.  "Die drohende Schließung der Hochschule hing dabei wie ein Damoklesschwert über allem", erinnert er sich.  "Ich musste Leben gestalten und wusste, mein Orden hatte sich für den Tod entschieden." Das habe ihn zerrissen.

Wie ein Paukenschlag traf ihn dann die Krebsdiagnose im November 2017. Nach Operation und Reha war klar für ihn: Wenn er gut für sich sorgen wolle, müsse er sich beruflich verändern.  "Die Erkrankung war für mich der Anlass, über die Zukunft nachzudenken." Seelsorger sei er immer gerne gewesen.

"Menschen haben mich immer fasziniert, und das Wichtigste im Leben ist Begegnung und Beziehung." Er habe deshalb nicht überlegen müssen, als man ihn fragte, ob er nach Mülldorf kommen wolle. "Mein Lebenskreis schließt sich, und als Pfarrvikar muss ich keine Leitung übernehmen." Das sei ihm wichtig für seine Seele und  seine Gesundheit.