Ab 1. Juli: Lkw-Maut bald auch auf Straßen in der Region

Ab 1. Juli : Lkw-Maut bald auch auf Straßen in der Region

Ab 1. Juli gilt die Maut für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen nicht nur auf Autobahnen, sondern auch auf allen Bundesstraßen. Regionale Unternehmen sehen das mit gemischten Gefühlen.

Es wird für alle teurer, und am Ende wird es der Endverbraucher bezahlen. Das ist das Resümee, das Spediteure, Logistiker, Fuhr- und Umzugsunternehmen aus der Region aus der angekündigten Maut-Ausweitung auf Bundesstraßen zum 1. Juli und insbesondere zur Maut-Erhöhung zum neuen Jahr erwarten. Dieser Tage installiert der Betreiber Toll Collect an Bundesstraßen blaue Kontrollsäulen, die Mautpreller im Verkehr erkennen sollen.

Gegenwärtig wird für Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen auf etwa 15.000 Kilometern Autobahn und ausgewählten Bundesstraßen eine Maut fällig. Ab 1. Juli wird das Netz mautpflichtiger Straßen um sämtliche Bundesstraßen auf 52.000 Kilometer ausgeweitet. Mit rund zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen pro Jahr rechnet der Deutsche Speditions- und Logistikverband, kurz DSLV – Geld, das in die Bundeskasse fließt. Die Berechnung der Maut richtet sich nach zurückgelegten mautpflichtigen Kilometern, aber auch nach Faktoren wie Gewicht, Achsenanzahl und Schadstoffklasse. Da können für ein Speditionsunternehmen schon heute schnell einige Tausend Euro im Monat zusammenkommen.

Was bedeutet die Ausweitung der Maut für die Spediteure in der Region? Öffentlich wollen sich nur die wenigsten angefragten Betriebe zum Thema äußern: Der Unmut über die zusätzliche Belastung ist spürbar, aber auch etwas Resignation. Die Mauterfassung erfolgt automatisch. Zwei Mal im Monat wird abgebucht. „Mittlerweile sind nahezu alle zugelassenen und jeder neue Lkw mit der notwendigen Technik dafür ausgestattet“, erklärt Jürgen Menz, Serviceleister bei MAN in Sankt Augustin: „Die Fahrzeuge kommen mit vorbereitetem Kabelstrang und den On-Bord-Units, mit denen die Maut erfasst wird, bei uns an. Einbau und Programmierung dauern dann 30 bis höchstens 60 Minuten.“

Technisch kein großer Aufwand

Das war bei Einführung der Lkw-Maut zum Januar 2005 noch ganz anders: rund drei bis vier Stunden, im Einzelfall bis zu 13 Stunden, dauerte der Einbau, sofern die Hersteller mit dem Nachschub an Technik überhaupt hinterherkamen. In der MAN-Werkstatt sei die aktuelle Maut-Ausweitung derzeit kein Gesprächsthema: „Die Technik aktualisiert sich in der Regel von selbst, die Fahrer müssen sich um nichts kümmern. Um den Rest kümmern sich die Spediteure und ihre Buchhaltung.“

Das bestätigt auch Oliver Böckem, Geschäftsführer eines 1873 gegründeten Speditionsunternehmens in Siegburg. Technisch gesehen bedeute die Maut-Ausweitung keinen großen Aufwand. Anders sehe es bei den Kosten aus: „Wir müssen die Maut an unsere Kunden weitergeben. Anders geht es nicht, denn die Preise sind in der gesamten Branche hart kalkuliert.“ Auf Fernverkehrsrouten wie nach München mache die Maut derzeit 18 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus, so Böckem: „Auf solchen Distanzen fährt man nahezu ausschließlich Autobahn. Dennoch beträgt der Anteil an Bundesstraßen etwa zehn bis 15 Prozent, für die nun auch Kosten entstehen.“

Je mehr man auf Fernrouten unterwegs sei, desto weniger spüre man die prozentuale Mehrbelastung, berichtet Jens Spath, Prokurist des Bonner Unternehmens Baumann Logistik. Bis zu 34 Europaletten und 85 Kubikmeter Volumen können einzelne Fahrzeuge des großen Fuhrparks transportieren. „Unser Streckenanteil an Bundesstraßen ist gering, weil wir viel international und daher auf Autobahnen unterwegs sind. Auf den Gesamtpreis der Fracht umgerechnet, sind das nur ein paar Euro mehr, die am Ende irgendwo der Endverbraucher zahlen wird“, so Spath.

Es gebe und gab nur wenige Routen, bei denen Bundesstraßen echte Alternativen zur Autobahn waren und sind, berichtet Spediteur Böckem aus der Praxis: Eine beliebte Abkürzung über Bundesstraßen sei bislang etwa die Umfahrung des Autobahnkreuzes Koblenz über die Bundesstraße 262 zwischen Mendig an der A 61 und der Anschlussstelle Mayen an der A 48 – mit 13 statt 36 Kilometern eine Weg- und Zeitersparnis. Bis zur Einführung eines Lkw-Durchfahrtverbotes im bergischen Overath war auch die Bundesstraße 484 zwischen der A 3 bei Lohmar-Nord und dem Anschluss Overath an der A 4 mit 15 statt 48 Kilometern Fahrtstrecke eine gern genutzte Umfahrung des Heumarer Dreiecks.

Hohe Mautbelastung belastet Spediteure

Grundsätzlich lohne es sich aber fast nie, mautpflichtige Strecken zu umfahren, um Geld zu sparen, sagt Thomas Wilberg, Mitglied der Geschäftsführung der Siegburger Spedition Hoss: „Der entscheidende Faktor sind heute die Lohnkosten. Also möchte man schnell vorankommen und lange Fahrzeiten durch Umwege vermeiden.“ Spezialität der Siegburger Spediteure, die unmittelbar neben der Auffahrt zur Bundesstraße 56 sitzen, ist das Stückgut.

Beim Stückgut und auch im Verteilverkehr im Großraum Köln-Bonn werde man die Maut-Ausweitung spüren, sagt Wilberg: „Hier im Rheinland sind wir immer schon viel auf Autobahnen statt auf Bundesstraßen gefahren, aber eben auch auf Bundesstraßen auf dem letzten Stück zum Kunden. Deutlich anders sieht das für unsere Partner zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern aus, die jetzt schlagartig mit einer hohen Mautbelastung konfrontiert werden: Dort gibt es wenige Autobahnen, dafür aber viele und lange Bundesstraßen.“

Auch Wilberg erwartet, dass seine Kunden den Kostenschub durch die Maut-Ausweitung und spätestens durch die Maut-Erhöhung zum Jahreswechsel spüren und schließlich weitergeben werden: „Umgerechnet für jeden Endkunden zum Beispiel im Supermarkt sind das dann ein paar Cent mehr je Einkauf.“

Derweil befürchtet die Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg, dass die Lkw-Maut auch auf leichtere Nutzfahrzeuge ausgeweitet werden könnte. Immer wieder im Gespräch ist die Maut für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen, aber auch eine Ausdehnung auf Wagen ab 2,8 Tonnen. Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher blickt mit Sorge in die Zukunft: „Wir sind auf dem Weg zur Maut für Jedermann.“

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