Beschwerde bei der RSVG: Rollstuhlfahrer wird nicht vom Bus befördert

Beschwerde bei der RSVG : Rollstuhlfahrer wird nicht vom Bus befördert

Roy Askew hat ein Problem. Seit vier Jahren ist der 52-Jährige an Multipler Sklerose erkrankt und auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen, der vom öffentlichen Personen- und Nahverkehr auch befördert wird.

Ganz im Gegensatz zu einem sogenannten E-Scooter, der zwar oftmals auch von älteren und behinderten Menschen genutzt wird, allerdings wegen des Gefahrenpotenzials von der Beförderung ausgeschlossen werden kann (siehe Infokasten). Grundlage sind neue landesweite Regelungen der NRW-Nahverkehrsunternehmen.

Die Unterschiede zwischen einem E-Scooter und einem elektrischen Rollstuhl, dessen Nutzung oft medizinische Gründe hat, die beim E-Scooter nicht vorliegen, sind nicht immer eindeutig zu erkennen. Und im Fall von Roy Askew wurden diese Unterschiede zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit einem Busfahrer.

Askew benutzt mit seinem E-Rollstuhl regelmäßig die Linie 522. Er fährt damit von der Haltestelle am Friedhof Warth in Richtung Bahnhof. "Das klappt normalerweise auch reibungslos", sagt er. Vor etwa zwei Wochen sei es laut Askew allerdings zu einem für ihn unangenehmen Zwischenfall gekommen. Als er mit seinem E-Rollstuhl den Bus benutzen wollte, habe ihm der Fahrer zunächst die Mitfahrt mit dem Argument verweigert, dass Askew einen E-Scooter habe und er diesen nicht befördern könne.

Als sich dieses Missverständnis aufgeklärt habe, stellte der Fahrer fest, dass im hinteren Bereich des Busses bereits zwei Frauen mit jeweils einem Kinderwagen und eine weitere Frau mit einem Rollator standen. Zu wenig Platz also, um nach Auffassung des Busfahrers Askew, aber auch die anderen Fahrgäste, sicher zu transportieren.

"Ich finde schon, dass der Platz ausgereicht hätte, zumal der Busfahrer die Rampe für mich gar nicht hätte ausfahren müssen". Es hätte laut Askew gereicht, wenn der Fahrer den Bus per Hydraulik nach unten abgelassen hätte. "Dann wäre ich bereits reingekommen, und es wäre noch für alle genug Platz gewesen", so Askew. Stattdessen gab ein Wort das andere und schließlich fuhr der Bus ohne den Rollstuhlfahrer ab.

Der Hennefer beschwerte sich bei der RSVG. Der stellvertretende Betriebsleiter Herbert Knopp sieht den Vorfall aber etwas anders. "Ich habe mit dem betreffenden Fahrer gesprochen und der gab zu, dass er nicht sofort den Unterschied zwischen einem Scooter und dem elektrischen Rollstuhl von Herrn Askew erkannt habe", so Knopp. Allerdings sei nicht hinnehmbar, auf welche Art und Weise Askew auf die Beförderung bestanden hätte.

"Wenn dort bereits zwei Kinderwagen und ein Rollator stehen, ist für einen sicheren Transport aller Fahrgäste einfach zu wenig Platz", erklärt er. Eine unabhängige Zeugin habe Knopp auf Nachfrage bestätigt, dass Askew lautstark auf die Beförderung bestanden habe.

"Ich habe bei dem Gespräch mit Herrn Askew an dessen Einsicht appelliert. Wenn ein Bus voll ist, wird es nun mal schwierig, ihn zu befördern. Da muss er dann schon auf den nächsten Bus warten", findet Knopp. Wären Fahrradfahrer in dem Bus gewesen, sähe die Sache anders aus.

"Die Personenbeförderung hat Vorrang. Damit ein Rollstuhlfahrer befördert werden kann, müssen im Zweifelsfall Radfahrer den Bus verlassen", erläutert der stellvertretende Betriebsleiter. Die sichere Beförderung habe allerdings immer Vorrang. "Ich möchte nicht in einem Bus stehen, wenn bei einer Vollbremsung solch ein E-Rollstuhl quer durch den Bus schießt."

Roy Askew bemängelt weiterhin, dass Busfahrer nicht gut genug geschult seien, um den Unterschied zwischen E-Scooter und E-Rollstuhl zu erkennen. Er werde auch künftig den Bus benutzen, "hoffentlich aber ohne solche Auseinandersetzungen".