Bürgerprotest in Hennef: Anwohner klagen über zu schnelle Autos in Hennef

Bürgerprotest in Hennef : Anwohner klagen über zu schnelle Autos in Hennef

Weil zuviele Autos mit Tempo 50 durch eine 30-km/h-Zone fahren, haben sich Hennefer Bürger Sorgen um ihre Sicherheit gemacht. Auch im Planungsausschuss war dies ein Thema.

Mit deutlich mehr als 50 Stundenkilometern rauscht ein Fahrzeug an den Anwohnern der Straße „In der Aue“ vorbei. Dort beginnt eine Tempo-30-Zone, zudem ist es eine Anliegerstraße. „Das passiert hier jeden Tag. Viele fahren hier deutlich zu schnell“, sagte Wilfried Bolle. Ehefrau Monika hatte noch am Morgen gefährliche Situationen zu meistern. „Da wird zu schnell gefahren, rechts vor links missachtet und zudem vergessen, dass es sich hier um eine Anliegerstraße handelt“, sagte Monika Bolle. Das Problem bestünde seit mehreren Jahren. Grund: Mit der Einrichtung des in der Nähe liegenden Bauhofes sei auch die Straße durch die kleine Ortschaft ausgebaut worden. Allerdings ohne Gehweg, sodass die Fahrbahn fast sechs Meter breit sei. „Das ist breiter als die B 8 und lädt geradezu zum Rasen ein“, sagte Wilfried Bolle. „Mir wurde sogar schon Prügel angedroht, wenn ich Autofahrer darauf hingewiesen habe, langsamer zu fahren“, sagte Winfried Scholz, der seit 40 Jahren dort wohnt.

Bereits Ende März stand das Thema im Planungsausschuss auf der Tagesordnung. Peter Ehrenberg von der CDU hatte sich mit einem Antrag dafür stark gemacht, dass die Stadt endlich etwas macht, um mehr Sicherheit für die Anwohner zu erreichen. „Wer von der Kläranlage aus nach einer Kurve in das Wohngebiet kommt, drosselt sein Tempo nicht“, sagte Ehrenberg. Vorher dürfe 50 gefahren werden, deshalb wäre es eigentlich sinnvoll, die Tempo-30-Zone auszuweiten. „Wir haben genug Rennstrecken in Hennef.“

Ehrenberg schlug aber auch vor, die rechte Fahrbahnseite der Straße In der Aue aus Richtung Kläranlage kommend auf einer Länge von 200 Metern abzupollern und Hindernisse wie Baumscheiben aufzustellen, um die motorisierten Verkehrsteilnehmer zu zwingen, ihr Tempo auf 30 Stundenkilometer zu drosseln. Das hätte den positiven Nebeneffekt, dass für die mehr als 20 Kinder, die in der Ortschaft leben, ein provisorischer Gehweg geschaffen werden könnte. „Das kostet nicht viel Geld. Zudem stehen für eine Maßnahme sogar Haushaltsmittel bereit, die im vergangenen Jahr auf meinen Antrag hin eingestellt wurden“, sagte Ehrenberg. Monika Grünewald von der CDU hatte sogar die Idee, aus dem Bereich eine Fahrradstraße zu machen. „Die Siegaue ist mittlerweile ein großes Naherholungsgebiet, wo sich jedes Wochenende die Radler tummeln“, sagte Grünewald.

Anwohner Wilfried Bolle und Nachbar Josef Müller hatten sogar einen Blickfang gebastelt: ein Kinderfahrrad von Bolles Enkel, das mit einer „30“ versehen auf die Einhaltung der Geschwindigkeit hinweisen soll. „Das scheint trotzdem keiner zu sehen“, sagte Bolle. Auch die Hinweisschilder aus Richtung Stoßdorf kommend seien nicht effektiv. „Die stehen in einer Kurve und werden von den Autofahrern viel zu spät gesehen.“ Bolle war deshalb bereits vor einem Jahr bei der Stadt vorstellig geworden. „Da wurde ich quasi nur belächelt. Die Schilder würden laut Stadt an der richtigen Stelle stehen“, sagte Bolle.

Dass viele Autofahrer die Anliegerstraße als Schleichweg nutzen, um ohne störende Ampeln von Hennef bis fast nach Stoßdorf zu kommen, sei laut Bolle eine Tatsache. „Das ist hier aber ein Wohngebiet und keine Durchgangsstraße“, sagte Bolle. Sicher hätten hier vor ein paar Jahrzehnten nur ein paar Häuser gestanden. Mittlerweile seien es aber laut Bolle mehr als 50, in denen auch Familien mit ihren Kindern lebten. „Da geht es ja auch um die Schulwegsicherung.“ Die Stadt hatte im Planungsausschusses keine Notwendigkeit gesehen, die Tempo-30-Zone auszuweiten. Laut dem Beigeordneten Michael Walter gilt auf den Straßen außerhalb der Tempo-30-Zone grundsätzlich Tempo 50, da das Gebiet sich noch im Bereich der geschlossenen Ortschaft Hennef befindet. „Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens mit seltenem Begegnungsverkehr wäre es selbst mit baulichen Einengungen kaum zu erreichen, dass sich das Geschwindigkeitsniveau deutlich auf 30 Stundenkilometer reduziert“, ließ Walter den Ausschuss wissen. Daher empfiehlt die Verwaltung, die Tempo-30-Zone auf den Abschnitt In der Aue zwischen Gewerbegebiet bis auf Höhe der Brücke Steinstraße zu reduzieren. „Mittelfristig sollte der Gehweg, der jetzt noch kurz vor Beginn der Bebauung endet, bis zum Ende der Straße In der Aue ausgebaut werden.“ Der Ausschuss verwies das Thema in den Arbeitskreis Verkehr. „Der tagt demnächst, und dann werden wir erneut darüber sprechen“, sagte Ehrenberg.

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