Zwischen Arbeit und Ruhestand: Zwar-Gruppe in Königswinter gegründet

Zwischen Arbeit und Ruhestand : Zwar-Gruppe in Königswinter gegründet

Zwar, das steht für "Zwischen Arbeit und Ruhestand". In Königswinter gibt es nun eine Gruppe, in der Menschen nach der Berufsphase gemeinsam aktiv bleiben. In ganz NRW gibt es 250 solcher Netzwerke.

Zwar freuen sich viele auf den Ruhestand, dann aber wird es ihnen doch zu ruhig, zumal, wenn Kinder und Enkel weiter weg wohnen. „Einen großen Bekanntenkreis haben wir noch nicht, seit wir hier wohnen. Wir sind neugierig“, meinen zwei 60-Jährige im Kreis von Gleichaltrigen in der CJD-Aula, wo ein „Zwar-Netzwerk“ für den Talbereich ins Leben gerufen werden soll. Die Abkürzung „Zwar“ dabei steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Ein Teinehmer erzählt: „Ich hatte einen Aortariss. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt durfte ich nicht wieder arbeiten. Damit musste ich erst mal klarkommen. Ich hatte keine Zeit, mich auf den Ruhestand vorzubereiten.“ Vielleicht finden diese Königswinterer und viele andere bald Gleichgesinnte, mit denen sie Unternehmungen starten können – mit „Zwar“.

Rund 2600 Bürger zwischen 56 und 70 Jahren von der Rheinschiene hatte die Stadt Königswinter schriftlich zur Gründungsversammlung eingeladen. Zahlreiche Interessierte dieser Altersklasse sind gekommen, um zu hören, was dieses Netzwerk eigentlich bedeutet und sich, in vier Gruppen aufgeteilt, etwas zu „beschnuppern“.

Mehr als 250 Netzwerke in Nordrhein-Westfalen

Die Frauen und Männer formulieren dabei ihre Erwartungen. „Ich bin noch berufstätig und suche im geselligen Bereich etwas“, so eine 62-Jährige. Eine ehemalige Grundschulleiterin hingegen „interessiert die Vernetzung“. Und zwei weitere Anwesende kommen erstmals ins Gespräch, obwohl sie in der Nachbarschaft leben. Auch Christiane Kentrup (55) ist gekommen. „Ich arbeite noch, aber mich interessiert, was hinter 'Zwar' steckt. Ich bin neugierig. Mich würden Gesprächsrunden, auch gemeinsame Wanderungen oder Radtouren reizen“, sagt sie.

Claudia Gabriel von der Caritas wird die „Zwar-Gruppe“ ein Jahr lang begleiten. Die Basisgruppe versammelt sich alle zwei Wochen im Ernst-Rentrop-Haus der evangelischen Kirchengemeinde. „Von hier aus planen und gestalten Sie Ihre Interessen“, erläutert Paul Stanjek von der Zwar-Zentralstelle NRW in Dortmund, die vom Land gefördert wird, um in ganz Nordrhein-Westfalen Kommunen und freie Träger beim Aufbau von selbstorganisierten Netzwerken zu beraten und zu begleiten. „Mittlerweile sind dadurch mehr als 250 Netzwerke entstanden.“ Kooperationspartner in Königswinter sind die Stadt, der Caritasverband Rhein-Sieg, die evangelische und katholische Kirche.

Aktiv bis ins hohe Alter

„Ich bin froh, dass so viele der Einladung gefolgt sind“, meint Bürgermeister Peter Wirtz als Schirmherr. Gerade für Menschen, die nicht im Verein sind, ist dieses Netzwerk wichtig. Pfarrer Dariusz Glowacki macht darauf aufmerksam, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten die Lebenssituation verändert hat – mit Menschen, die oft auch im hohen Alter noch unabhängig und selbstständig sind. „'Zwar' spricht diese Menschen an. Danke für dieses Engagement“, so der Pastor.

Wie sich die Gruppen bilden, erklärt Stanjek in seinen Erläuterungen: „Es gibt keine Mitgliedsbeiträge, keine Vereinssatzung, keine Wahlen. Der Zusammenhalt beruht auf den Kontakten und Beziehungen zwischen den Teilnehmern. Das Netzwerk ist weltanschaulich unabhängig, jeder ist willkommen. Es geschieht nur, was sie mitbringen und was sie interessiert.“ Ob Wandern, Radfahren, Kultur, auch bürgerschaftliches Engagement für den Stadtteil und für andere Menschen nennt er als Beispiele für ein gutes Gelingen.

Die „Zwar“-Basisgruppe Königswinter trifft sich am Montag, 17. Juni, von 17.30 bis 19.30 Uhr im Ernst-Rentrop-Haus, Grabenstraße 22, Königswinter, danach im 14-tägigen Rhythmus. Weitere Infos bei Claudia Gabriel, 0 22 41/1 20 93 07, E-Mail: claudia.gabriel@caritas-rheinsieg.de, und im Internet unter www.caritas-rheinsieg.de oder www.zwar.org

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