Neues Hilfsangebot in Oberpleis: Anlaufstelle für Menschen in Not in Königswinter

Neues Hilfsangebot in Oberpleis : Anlaufstelle für Menschen in Not in Königswinter

Wenn die Probleme überhandnehmen, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät - dann bietet das ehrenamtliche Team des neuen Lotsenpunkts in Oberpleis Hilfe an, eine neue Einrichtung der Pfarreiengemeinschaft Königswinter am Oelberg.

Immer mehr Menschen suchen in ihrer Not Rat und Hilfe im Oberpleiser Pfarrhaus bei Diakon Udo Casel und Pfarrer Markus Hoitz. „Es gibt zwei Wochen, da passiert gar nichts, und dann gibt es Tage, da kommen drei Menschen, die Not leiden und deren Leben in Schieflage geraten ist“, sagt Casel.

Das war der Auslöser, den „Lotsenpunkt Königswinter am Oelberg“ an der Oberpleiser Pfarrkirche zu starten. Die Pfarreiengemeinschaft als Träger und der Caritasverband Rhein-Sieg bieten so eine geschützte Anlaufstelle im ländlicheren Raum, und nicht nur für Christen.

„Einen Ort, wo Ehrenamtliche Gesprächspartner sind, die erst einmal zuhören und dann mit den Betroffenen gemeinsam überlegen, was man tun kann“, so Claudia Gabriel vom Caritasverband. 45 derartige Lotsenpunkte gibt es bereits im Bistum.

Das Lotsenpunkt-Logo besteht aus roten Radarwellen und dem Motto „Es gibt immer einen Weg“. Auch bei der Eröffnung der neuen Anlaufstelle in Oberpleis war es überall zu sehen – auf Bannern und Broschüren.

Ein geschultes Team von zehn ehrenamtlichen Lotsen suche ab sofort einen Ausweg für die Betroffenen, vermittele Hilfesuchende zu professionellen Fachberatungen, unterstütze beim Ausfüllen von Formularen oder versuche, Unstimmigkeiten mit Behörden und Ämtern zu klären, erklärte Susanne Molnar, die als Projektverantwortliche den Lotsenpunkt aufgebaut hat.

Die meisten geraten unverschuldet in kritische Situationen

Sie hofft, dass das Team weiter wächst und sich noch mehr Ehrenamtliche ausbilden lassen in Kommunikation und Gesprächsführung, in Krisenmanagement und Sachwissen. Zu den ersten Lotsen in Oberpleis gehört Klaus Kallis.

Er hat bereits eine langjährige Erfahrung als Schuldnerberater. „Auch für denjenigen, dem es heute noch gut geht, kann die Welt morgen ganz anders ausschauen. Die meisten geraten unverschuldet durch tragische Unfälle in die kritischen Situationen.“ Betroffene stünden unter hohem Leidensdruck mit Folgen für die Familie, die kaum zu überblicken seien.

Und weil „in unserer reichen Gesellschaft Not und Armut hinter Mauern stattfinden“ und immer mit einem schuldhaften Verhalten des Betroffenen in Verbindung gebracht würden, sei das Schamgefühl groß, sich Hilfe zu holen. „Es ist auch meistens so, dass nicht ein Problem alleine da ist. Da ist nicht nur der Partner gegangen, da ist dann auch das Geld weg und da ist auch die Kindererziehung schwierig“, berichtete Diakon Udo Casel. „Es gilt das Ganze zu sehen und die verschiedenen Dinge anzupacken.“

Die Altersarmut in Königswinter steigt zusehends

Auch Kooperationspartner kamen bei der Vorstellung des neuen Lotsenpunkts zu Wort, wie Cornelius Hentze vom Netzwerk Integration Königswinter und Königswinters Sozialamtsleiterin Hildegard Walter, die von steigender Altersarmut sprach: „Das zeigt sich in den Beratungsgesprächen. Hatten wir im Jahr 2010 noch 250 Grundsicherungsfälle, so sind es inzwischen fast 500. Die Schwierigkeiten liegen in der Tat darin, dass viele sich nicht trauen oder auch den Weg nicht kennen. Bis jemand wirklich einen Antrag auf Grundsicherung stellt – davor liegen oft Hürden.“

Deshalb sei sie froh über die Lotsen. Wie auch Bürgermeister Peter Wirtz. Er hoffe, dass diese die Ratsuchenden auch angesichts eines „riesigen Angebots an gesetzlichen Hilfen in kaum zu überblickender Zahl“ und eines „Straußes an Möglichkeiten“ dazu bringen, nach Hilfe zu fragen. Vielleicht werde der Lotsenpunkt als niederschwelliges Angebot anders angenommen als ein Amt und die Menschen hätten im „Schutzraum Kirche“ eine andere Möglichkeit, sich zu öffnen.

„Wir sind erst dann Kirche, wenn wir zu den Menschen gehen, die uns brauchen“, stellte der Diakon fest, und Pfarrer Markus Hoitz sagte besonders an die Lotsen gewandt: „Kirche ist da, wo Sie aus den Gaben, die Gott Ihnen gegeben hat, Ihren Kompetenzen, das Christsein ernst nehmen und umsetzen. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich.“

Der Lotsenpunkt in Oberpleis, Siegburger Straße 8-10 (an der Rückseite der Pfarrkirche), ist dienstags von 16 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung freitags nachmittags geöffnet. Kontakt per E-Mail: lotsenpunkt@kirche-am-oelberg.de