Der Enkel macht es dem Opa nach: Das ist der neue Schützenkönig in Rhöndorf

Der Enkel macht es dem Opa nach : Das ist der neue Schützenkönig in Rhöndorf

Dirk Gerth, der in der Schweiz lebt, ist neuer König der Hubertus-Schützen in Rhöndorf. Als Bürgerkönigin lässt sich Monika Sieg krönen.

Peng! Als Hans-Günter Haas am Samstagabend um 20.19 Uhr auf den Rumpf des Königsvogels der Sankt Hubertus-Schützengesellschaft Rhöndorf ballerte, krachte ein dicker Brocken herab. Danach hielten in der Endphase des Schießens nur noch zwei auf den Holzvogel: Erster Zugführer Rolf Wagner und Dirk Gerth.

Da wusste der 41-jährige Newcomer bei den Hubertusschützen noch nicht, dass er 13 Stunden später mit Königskette und Lebensgefährtin Antje Riege als Königin an seiner Seite in der Pfarrkirche Sankt Marien Platz nehmen würde, um nach dem Hochamt im Festzug auf den Schützenplatz zu gelangen, wo gestern Tag zwei des Rhöndorfer Schützenfestes stattfand. Während der Zug zur Kranzniederlegung zu Ehren der Gefallenen an der alten Kapelle stoppte, wagte sich endlich die Sonne heraus und schien hernach auf das strahlende Königspaar, das mit Königs-Oma Edith Müsgen, Vater Alfred Gerth und Pfarrer Herbert Breuer in der weißen Kutsche zum Schützendomizil rollte.

Am Abend zuvor wurde es schon dunkel, als das Königsschießen in die entscheidende Phase ging. Der schier endlose Kampf um den Bürgerkönigs-Titel, den Monika Sieg für sich ausmachte, hatte den Zeitplan restlos durcheinandergerüttelt. Abwechselnd traten Rolf Wagner und Dirk Gerth an den Schießstand, klopften sich zwischendurch aufmunternd auf die Schulter. Angespannte Stille herrschte am Schießstand, wo die Vorstandsmitglieder um Präsident Peter Profittlich das Duell konzentriert verfolgten. „Es bröselt, es bröselt …“ Und um 20.30 Uhr der Aufschrei. Dirk Gerth hatte mit dem 170. Schuss den Vogel weggepustet. Profittlich verkündete dem Publikum, das an diesem nasskalten Abend tapfer ausgeharrt hatte, das Ergebnis und rief ein dreifaches „Horrido“ auf den neuen König aus.

Die Decke Musik stimmte das „Waidmannsheil“ an und bei Dirk Gerth (48) bildete sich eine lange Schlange – alle wollten dem neuen König gratulieren. Gerth umarmte seinen Mitstreiter und dankte ihm herzlich für den fairen Wettstreit. Unterdessen war Gerths Lebensgefährtin Antje Riege herbeigeeilt. „Ich freue mich sehr“, so die 44-Jährige.

Auf Königinnen-Staat gar nicht eingestellt

Dem Präsidenten bekundete die neue Majestät: „Es ist mir eine Ehre, ich bin sehr gerührt!“ Schießleiter Harald Sroke überreichte dem König die Vogelreste. „Die kommen über den Fernseher“, meinte Gerth schmunzelnd. Sein TV steht allerdings am Zürichsee, er lebt seit elf Jahren in der Schweiz und trat 2017 der Rhöndorfer Hubertus-Schützengesellschaft bei. „Ich bin stolz darauf, Mitglied dieser tollen rheinischen Schützengesellschaft zu sein.“ Das hat seinen Grund: Sein Opa Heinz Gerth war zu Adenauer-Zeiten mit Frau Gretl 1963/64 Rhöndorfer Schützenkönigspaar.

Dass Dirk Gerth nun selbst mit auf den Vogel schoss, ergab sich während des Wettkampfs. Völlig überrascht wurde auch seine Antje, die nach dem Schießen den Kleiderschrank von Marieluise Redeligx sichtete, um sich ein Kleid für den Sonntag auszuwählen. Denn auf Königinnen-Staat war sie gar nicht eingestellt. Und Alfred Gerth, der nach seinen vielen Auslandsjahren für das Auswärtige Amt, zuletzt als Vizebotschafter in Malta, wieder in der Honnefer Heimat ist, war „riesig stolz“ auf seinen Sohn. Er selbst hatte den linken Flügel des Königsvogels weggeputzt, weitere Pfänder gingen an Ralf Stang (Krone), Richard Stang (Kopf), Siggi Benz (rechter Flügel) und Peter Profittlich (Schweif). Vater Alfred wurde Adjutant des Königs, der zusammen mit Herbert Gyr die neue Majestät zur Krönung ins Schützenhaus hineintrug, wo Vize-Präsident Franz Gunkel und Offizier Hans-Günter Haas sie mit Königskette und Diadem schmückten, von denen sich Vorjahreskönigspaar Hans und Caro Linden trennen mussten.

Ihre Kette erhielt auch Monika Sieg. Sie kam, sah und siegte. Präsident Profittlich: „Dein Vater, unser Män Trommeschläger, hat oben im Himmel vor Glück Tränen in den Augen.“ Sieg: „Dabei war ich beim Firmenschießen die Schlechteste.“ Taxi Trommeschläger hatte dann auch nur Platz drei belegt hinter Sonntag-Chacon und Praxis Müller. Beim Vereinsschießen gewann der TV Eiche I vor der Rhöndorfer Feuerwehr und dem TV Eiche II. Am Sonntag gab es weitere Wettbewerbe. Und König Dirk Gerth sagte erst einmal einen für Oktober gebuchten Flug ab – da muss er schließlich zum Königsball in Rhöndorf sein.

Mehr von GA BONN