Unternehmen investiert in Naturschutz: Am Dachsberg entsteht Oase für Frosch und Wildkatze

Unternehmen investiert in Naturschutz : Am Dachsberg entsteht Oase für Frosch und Wildkatze

Im Honnefer Gewerbegebiet an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz vergrößert die Firma Wirtgen ihr Gelände, gleichzeitig gibt sie vier Millionen Euro für einen neuen Grünkorridor aus. Begleitet wird das ökologische Vorhaben vom Rhein-Sieg-Kreis.

Die Wasserfrösche schaffen es gerade noch, vor dem Fotografen in ihren Tümpel zu springen. Dem gelingt es anschließend nur mit viel Geduld, ein paar Amphibien vor die Linse zu bekommen. Eine Momentaufnahme im neu entstandenen Grünkorridor am Dachsberg.

So ein bisschen wie die Frösche müssen sich auch die Vertreter der Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises am Anfang der Gespräche mit der Firma Wirtgen vorgekommen sein, als es um die Erweiterungspläne des Weltunternehmens aus Rheinland-Pfalz ins Gewerbegebiet Dachsberg auf NRW-Gebiet ging. Die Vorstellungen lagen weit auseinander.

Das hat sich inzwischen total geändert. „Ich freue mich, dass wir mit der Firma Wirtgen etwas Modellhaftes für eine gute Zusammenarbeit geschaffen haben“, sagt Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz.

Vier Millionen Euro nimmt das Unternehmen für das ökologische Gesamtkonzept in die Hand. Ziel des Vorhabens ist es, dass Amphibien und andere Tiere, vor allem die Wildkatze, aber auch Rehe und Wildschweine, von einem Waldgebiet östlich der Kreisstraße 30 in den Siebengebirgswald westlich von Autobahn und ICE-Trasse gelangen können. So wird praktisch ein Biotopverbund geschaffen.

Umzäunung schützt die Wildkatzen

Bisher ging das mehr schlecht als recht über einen Grünkorridor, der jedoch der Unternehmenserweiterung weichen musste. Wirtgen vergrößert sein Betriebsgelände über die Landesgrenze hinweg von 380 000 auf 470 000 Quadratmeter. So konnte die Stadt Bad Honnef auf einen Schlag ein Problem lösen: Nur ganz wenige Unternehmen wollten sich bis dato in dem Gewerbegebiet ansiedeln. Die Flächen lagen jahrelang brach und verbuschten zusehends.

Schwarz und Christoph Rüter, Abteilungsleiter im Amt für Natur- und Landschaftsschutz im Rhein-Sieg-Kreis, sind überzeugt, dass der neue Grünkorridor für die Tierwelt erhebliche Vorteile mit sich bringt, auch wenn er mit 50 Metern weit schmaler ist als sein 120 Meter breiter Vorgänger.

Der neue Korridor ist von einem 1,80 Meter hohen Zaun umgeben, der unten mit einem Blechstreifen verschlossen ist, damit die Amphibien nicht durchschlüpfen können. Ein schräg angesetztes Blech am oberen Rand verhindert, dass Wildkatzen ihn überwinden. Der Bach, der durch den alten Grünkorridor verlief, wurde umgeleitet und geteilt und verläuft jetzt sowohl durch den neuen Korridor als auch auf rheinland-pfälzischem Gebiet.

Gelände soll sich in Heidelandschaft verwandeln

In dem neuen Grünkorridor sprießen Steinklee, Schafgarbe, Kamille, wilde Möhre und Disteln. In den eigens gebildeten Haufen aus Basaltsteinen finden Frösche Winterquartiere, auf dem aufgeschichteten Totholz halten Vögel Ausschau nach Insekten. Auf den nährstoffarmen Lehmböden soll sich durch regelmäßiges Mähen in den nächsten Jahren eine Heidelandschaft entwickeln.

„Uns ist aber wichtiger, dass der Korridor für die Wildkatze funktioniert“, sagt Rüter. Die Wildkatze sei auch in diesem Gebiet heimisch, wenn auch in geringer Zahl. Dies sei durch Totfunde und Nachweise an Lockständen belegbar. Die größte Gefahr für die Tiere sei dabei der Straßenverkehr. Man sei deshalb froh, dass der Schutzzaun auch entlang der Kreisstraße verlaufe.

Weiter nördlich gibt es einen zweiten Grünkorridor, dessen Durchlass unter der Kreisstraße ebenfalls verbreitert wurde. „Wir haben jetzt zwei vernünftige Querungen der Kreisstraße. Vorher gab es Rohre mit 30 Zentimetern Durchmesser, jetzt haben wir zwei Meter breite Tunnel“, sagt Rüter.

Tier-Tunnel unter Autobahn und ICE-Trasse

Auch unter Autobahn und ICE-Trasse verläuft seit dem Bau der Bahnstrecke eine zwei Meter breite Röhre, sodass die Tiere die Ein- und Ausgänge auf beiden Seiten leichter finden könnten. Eine Grünbrücke über Autobahn und Bahnstrecke hatte sich beim Bau der ICE-Strecke aus Kostengründen nicht finanzieren lassen.

Vor allem aber sind die beiden Kopfseiten des Grünkorridors naturschutzfachlich optimiert worden. Auf der Ostseite vergrößert Wirtgen zurzeit als Ausgleichmaßnahme für die Versiegelung im Gewerbegebiet die bereits vorhandenen Heideflächen. Im Winter wurde der Fichtenwald gerodet. Die Baumstümpfe sind noch zu sehen.

Im Herbst wird ein Forstmulcher hier eine ebene Fläche schaffen. Anschließend wird die oberste Nadelschicht abgetragen, sodass sich auch hier Heide entwickeln kann. Auf der anderen Seite der Autobahn entsteht ebenfalls eine Heidefläche.

Christoph Schwarz ist mit den ökologischen Maßnahmen, die Wirtgen bisher finanziert und umgesetzt hat, sehr zufrieden. „Wir haben gemeinsam das gemacht, was wir erreichen konnten. Jetzt hoffen wir, dass wir vielleicht in zehn Jahren den ökologischen Erfolg einfahren können, weil die Tiere den neuen Korridor annehmen.“ Gut sei auch, dass die Firma Wirtgen ihre Bemühungen noch nicht abgeschlossen habe. Dem Unternehmen obliegt die Pflege der Maßnahme für die kommenden 30 Jahre.

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