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Hilfe für Flüchtlinge: Aus der Sparkasse wird eine Oase

Hilfe für Flüchtlinge : Aus der Sparkasse wird eine Oase

Das „Ökumenische Netzwerk Integration“ eröffnet in der früheren Filiale der Sparkasse in Selhof ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge und Helfer.

Sie wollen „einen Stein ins Wasser werfen“, sagt Hans-Joachim Ewald. Sie wollen Impulse geben und vor allem dort mit Beratung und Projekten unterstützend tätig sein, wo es um einen zentralen Baustein von Integration geht: die Arbeitswelt. Sie, das sind die Mitglieder des neuen Vereins „Ökumenisches Netzwerk Integration“. Morgen tun die Akteure dazu einen wesentlichen Schritt: In der ehemaligen Sparkassenfiliale in Selhof wird das Begegnungszentrum „Oase“ zunächst mit der Nachbarschaft offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Gut vier Monate Vorlauf liegen hinter den Akteuren. Kurz vor Weihnachten startete der Verein. Impulsgeber waren und sind die evangelische und die katholische Kirchengemeinde. „Wie bekomme ich die Menschen in Beschäftigung?“ Das, so Vereinsvorsitzender Ewald und sein Vize Thomas Kollritsch, sei eine der wichtigsten Fragen von Integration. Und genau darauf will das ökumenische Netzwerk, zu dessen geschäftsführendem Vorstand neben Ewald und Kollritsch Diakon Franz Gunkel gehört, Antworten geben und das Rüstzeug bereitstellen, dass auch andere dasselbe tun können. Mit Beratung, mit Projekten, mit offenen Gesprächsrunden und vielem mehr.

Der übergreifende Vereinszweck sei, Flüchtlinge und Migranten zu unterstützen, ihnen Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen. Nicht nur die Flüchtlinge, auch die ihnen helfenden Menschen wie die zahlreichen Paten seien folgerichtig Adressaten des Netzwerkes, ebenso Vereine und Initiativen, die Projekte – gleich aus welchem Themenfeld – anbieten. „Wir unterstützen ehrenamtliche Arbeit. Wir schaffen Möglichkeiten. Wir informieren und stellen Kontakte her. Wir beschaffen Drittmittel“, heißt es in der Information des Netzwerkes.

Die Info ging allem voran an die Anwohner der ehemaligen Bankfiliale, die Ende 2014 geschlossen wurde. Frühe und offene Kommunikation sei „einfach eine Stilfrage“, sagt Kollritsch: „Und wir wollen alle von Anfang an einbinden.“ Dabei, so Ewald, „muss man klar sagen: Wir eröffnen keine Disco. Wir knüpfen Bande und geben Bürgern Raum, dasselbe zu tun.“

Obwohl alle Themen denkbar seien, sei es „wichtig, konzeptionell ein Hauptthema zu entwickeln“, sagt Ewald. Denn, auch darauf legen die Akteure großen Wert: Es gehe keinesfalls darum, bereits vorhandene Aktivitäten in der Stadt zu doppeln oder gar zu ersetzen. Ewald: „Auf sehr vielen Ebenen wird gute haupt- und ehrenamtliche Arbeit geleistet. Es geht nicht darum, etwas zu konterkarieren, sondern es sinnvoll zu ergänzen.“ Bündelung lautet das Stichwort. Ewald: „Es gibt unzählige Angebote und Fördermöglichkeiten. Dies zu überblicken, braucht es schon fast einen Lotsen.“

Was es noch braucht? „Eine schlagkräftige Struktur“, sagt Ewald – ein Netzwerk eben, basierend auf den Kirchengemeinden und dem Sachverstand ihrer Akteure. Zwei weitere wichtige Voraussetzungen banden die meiste Zeit der Vorbereitung: die Sicherstellung der Finanzierung und die Suche nach einem Zentrum. Mittlerweile ist der Mietvertrag unterschrieben. Und die ehemalige Sparkasse sei ein Glücksgriff: Zentral gelegen, biete sie beste Voraussetzungen. Was die nötigen Anpassungen der Räume angeht – auch die eigneten sich eventuell schon für erste Projekte. Langfristig sei „Selbstverwaltung“ ein Ziel. „Warum muss einer von uns die Tür aufschließen?“, sagt Ewald.

Unterstützung gibt es vom Erzbistum Köln: Mit Mitteln des Bistums kann für zunächst ein Jahr eine Stelle eingerichtet werden, um die kirchlichen Aktivitäten zu koordinieren. Zusätzlich wird in der „Oase“ eine Stelle aus dem Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlingshilfe geschaffen für die praktische Arbeit. Kollritsch: „Die Grundfrage ist, wie kann ich die Arbeit für und mit Flüchtlingen verstetigen nach dem Tag der Begrüßung. Dabei sind wir alle vor Ort gefragt.“

Dankbar sind die Netzwerk-Aktiven, die Fördermitgliedschaften möglich machen wollen, auch für das Entgegenkommen der Sparkasse, die seit Schließung in Selhof noch eine Automatenfiliale vorhält, und der Vermieter Jörg und Dirk Pütz. Ewald: „Sie haben uns bei den Vorbereitungen extrem unterstützt.“ Eng vernetzt sei man zudem mit der Stadt: Für sie sei das Begegnungszentrum ein wichtiger Baustein im entstehenden Masterplan Integration. Ewald: „Ziel des Begegnungszentrums ist nicht nur, dass Flüchtlinge sich treffen und informieren können, sondern jeder, der oder die sich interessiert. Eine Oase schließt niemanden aus.“

Wer sich mit dem „Ökumenischen Netzwerk Integration“ in Verbindung setzen möchte, kann dies per E-Mail unter kontakt@oekumenisches-netzwerk-integration.de.