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Hochwasserschutz in Bad Honnef: Der Möschbach soll natürlich fließen

Hochwasserschutz in Bad Honnef : Der Möschbach soll natürlich fließen

Die Renaturierung des Möschbachs und der Hochwasserschutz in Rommersdorf gehen in die nächste Phase. Die Stadt stellt 15.000 Euro für das Projekt.

Am 10. Januar 1914 berichtete die Honnefer Volkszeitung über „sintflutartige Regenfälle“. Unter anderem trat der Möschbach über die Ufer, riss Böschungen mit sich, überflutete Keller und Häuser. Knapp hundert Jahre später, am 20. Juni 2013: Der in weiten Teilen verrohrte Bach konnte bei einem Starkregen die Wassermassen nicht mehr fassen. Der historische Ortskern von Rommersdorf versank in den Fluten.

Jetzt hoffen der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bad Honnef auf Abhilfe durch eine möglichst naturnahe Entwicklung des Möschbachs. Jetzt stimmten in gemeinsamer Sitzung Bau- und Umweltausschuss dafür, einen Eigenanteil von circa 15 000 Euro für die weitere Planung zur Verfügung zu stellen. Unumstritten ist das Projekt im Ort nicht, wie sich zuletzt 2013 bei einer Bürgerversammlung gezeigt hatte.

Das Thema „Offenlegung des Möschbachs“ habe eine „lange Geschichte“, mindestens seit 1997, so Martina Hirschberg, Geschäftsführerin des Wasserverbandes. 2008 wurde das erste Stück an der Wilhelmstraße offen gelegt. Hirschberg und Ingenieur Michael Stelter stellten im Ausschuss – wie vor drei Jahren in der Bürgerversammlung – die Vorplanung vor. Diese soll nun konkretisiert werden.

Der Wasserverband, der laut Hirschberg für Unterhaltung und Pflege von insgesamt 1500 Bachkilometern, davon 125 Kilometer in Bad Honnef, zuständig ist, hat in seinem Etat für 2016 bereits Gelder eingestellt. Ausgehend von der üblichen Landesförderung in Höhe von 80 Prozent verblieben 15 000 Euro bei der Stadt.

Ein geringer Betrag gemessen an den Gesamtkosten: Die Bachlaufgestaltung kostet 1,6 bis zwei Millionen Euro. Eine Realisierung wäre sicher nur über Jahre hinweg Stück für Stück möglich. Nächster Schritt ist nun die Entwurfsplanung, die Planfeststellung würde folgen – mit dezidierter Bürgerbeteiligung, wie alle Fraktionen im Ausschuss betonten.

Ein solches Verfahren werde sicher noch einmal ein bis zwei Jahre dauern, so die Verwaltung. Stelter erläuterte: Zum einen sei es Ziel, „zu schauen, wie eine ökologische Aufwertung zu erzielen ist“; auch der Naherholungsfaktor sei wichtig. Zum anderen: „Die Folgen der Verrohrung bekommt man oft Jahrzehnte später zu spüren.

Im Juni 2013 geschah, was die hydraulischen Berechnungen vorgezeichnet hatten.“ Statt heute 1800 Liter pro Sekunde soll der Möschbach später 4000 Liter fassen. Stelter zum sogenannten 100-Jahres-Hochwasser: „Das kann 100 Jahre gut gehen, es kann aber auch zweimal in zwei Jahren passieren.“ Grundsätzliches Ziel seien „naturnahe Durchlässe“ und dort, wo es möglich ist, ein natürliches Bachbett.

Die Vorplanung sieht unter anderem vor, dass die Teiche im Wald oberhalb des Ortes verschwinden. Der in Talrichtung links vom Bach verlaufende Weg samt Brücke würde entfallen. Den meisten Abstimmungsbedarf gebe es im Ortskern. Stelter: „Es würde sicher teils Sinn machen, in Vorgärten hineinzugehen. Oder man macht wieder ein Kastenprofil“ – nämlich dort, wo für das Projekt kein Grunderwerb möglich ist. Auch für den Spitzenbach existieren zwei Planvarianten: entweder eine Offenlegung auf dem Areal der Parkresidenz oder ein Bachverlauf entlang der Straße. Bei Variante zwei würden die Parkplätze wegfallen, so Stelter.

Er betonte: „Das alles geht nur im größtmöglichen Konsens. Wir hoffen, möglichst viele Bürger mitnehmen zu können.“ Jutta Schmidt, Leiterin Fachdienst Verkehrspflicht bei der Stadt Bad Honnef, nannte es die „letzte Chance, substanziell etwas zu tun. Ich bin sehr dankbar, dass der Wasserverband Mittel für die Planung bereitstellt“. Denn: „Uns fressen die Sanierungskosten auf.“ Die Verrohrungen seien extrem schadhaft, immer wieder komme es zu Einbrüchen.

Peter Profittlich (CDU) bezweifelte, „dass wir die Offenlegung so hinkriegen“; man solle das Thema vertagen und zur Vorplanung erst die Bürger befragen. Dem folgten die Ausschussmitglieder nicht. Zum einen, so etwa Burkhard Hoffmeister (Grüne), sei die Vorplanung schon vor drei Jahren vorgestellt worden. Und: „So weit, dass etwas in Stein gemeißelt wäre, sind wir noch lange nicht.“ Beispiele aus anderen Kommunen zeigten, dass „jedes Grundstück erreichbar bleibt“. Für eine Konkretisierung der Pläne sprach auch Lucia Olbrück (SPD).

Hansjörg Tamoj (CDU): „Egal, warum wir etwas verändern, es wird dazu führen, dass Bürger Sorge haben. Wir müssen das ernst nehmen. Aber der Zustand ist schlecht. Mit der fachlichen Expertise sind wir auf dem richtigen Weg.“