Große Schau am Wochenende: 60 Künstler zu Kunsttagen im Siebengebirge erwartet

Große Schau am Wochenende : 60 Künstler zu Kunsttagen im Siebengebirge erwartet

Unter dem Motto "Stadt und Land in Königswinter" führt das Programm in Galerien, Ateliers und Kirchen. Der Besucher kann da schnell den Überblick verlieren. Wir haben fünf Ausstellungsorte besucht.

Die Kunsttage Königswinter stehen im Zeichen des 50-jährigen Stadtjubiläums, und unter dem Motto „Stadt und Land in Königswinter“ zeigen zahlreiche Künstler an diesem Wochenende ihre Werke in besonderen Räumen, in Galerien, in ihren Ateliers oder Werkstätten.

Bürgermeister Peter Wirtz eröffnete die Kunsttage im Palastweiher: „Das ist ein tolles Programm und ein schöner Auftakt für den Königssommer, der schon eine Marke geworden ist!“ 60 Kunstschaffende sind dabei – fast unmöglich, alle Stationen zu besuchen. Im Folgenden geben wir fünf Tipps:

Barbara Schwinges verbindet in ihrem Werk Berg und Tal und auch Konfessionen. Die Diplom-Designerin zeigt in der evangelischen Christuskirche in der Altstadt und in der katholischen Pfarrkirche Sankt Pankratius in Oberpleis Rauminstallationen.

Blaue Stoffbahnen fließen vom Altar ins Kirchenschiff und sind mit Bibeltexten wie „Seht die Vögel am Himmel ...“ beschriftet – der Bezug zu den beiden Tauben, die die Schlusssteine der Oberpleiser Kirche bilden, und ein Fensterbild mit der Arche Noah und einer Taube.

Schräge Vögel als Sonderedition

Für die Installation falteten Kinder und Senioren 300 Papiertauben und -boote. In der Oberpleiser Kirche sind die Boote zu entdecken, in der Christuskirche schweben Tauben hoch oben im Kirchenschiff oder sitzen auf den Stoffbahnen. Besucher dürfen Boote und Vögel nach Hause mitnehmen oder sie in der jeweils anderen Kirche aussetzen.

Ziemlich schräge Vögel sind während der Kunsttage im idyllischen Park des Wintermühlenhofs zu entdecken: Meisterwerke der Glaskunst. Neben Fantasietieren und Fabelwesen aus dem Glasstudio Borowski haben dort auch zwölf Berühmtheiten aus Glas ihren Auftritt – zum Beispiel Freddie Mercury, Bob Marley, Elton John, Pablo Picasso oder Vincent van Gogh.

Stani Borowski hat diese limitierte Sonderedition unter dem Begriff „Lauter schräge Vögel“ entwickelt, extra für die Kunsttage und das Sommerfest der Galerie. Nur das Tirilieren bleibt den echten Vögeln im Park überlassen. Es gibt noch mehr zu sehen: in der Continuum Gallery Unikate der Familie Borowski, auf dem Heuboden Skulpturen internationaler Künstler. Der Erlös des Verzehrs fließt in die Nepal-Hilfe.

Retrospektive und chinesische Kalligraphie

Ilse Kempf nimmt Besucher des Awo-Treffs in Niederdollendorf mit auf eine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte. In der Retrospektive gibt es Arbeiten aus allen Lebensphasen der 75-jährigen Künstlerin. Traumhafte Magnolienblüten in Temperafarben auf schwarzem Untergrund, die sie bereits 1958 malte, stehen einer modernen, filigranen Version in Aquarell gegenüber.

Ein Stoffentwurf ist zu sehen, denn Kempf war Textildesignerin in Krefeld, besuchte die Ingenieurschule. Auch bezaubernde expressionistische Porträts und Landschaften – etwa der Stenzelberg in Acryl oder die Hülle in Spachteltechnik – zeigt sie.

Hong Tang-Knoben lädt in ihr neues Refugium in Rhöndorf unter der Adresse Karl-Broel-Straße 4 a ein. In ihrem Art-Studio am Rhein präsentiert die Chinesin chinesische Malerei und Kalligraphie. Und sie ist überzeugt: „Für mich ist das Leidenschaft, ich möchte anderen die Kalligraphie zugänglich machen. Wer Interesse hat, schafft das auch.“

Für die Künstlerin, die in ihrer Heimat mit Kunst aufwuchs, ist das Siebengebirge die zweite Heimat. Und so macht sie nicht nur schon seit vielen Jahren bei den Kunsttagen mit, sondern verknüpft auch die Techniken der asiatischen und europäischen Kulturen.

Dann ist schon mal Ölmalerei mit chinesischen Schriftzeichen zu entdecken oder der Oelberg neben Landschaften aus ihrer Heimat. Wer beim Besuch vom Kalligraphie-Fieber angesteckt wird, kann selbst aktiv werden: Hong Tang-Knoben gibt Workshops.

Die Töpferei Dietz feiert im September Geburtstag – sie ist so alt wie die Stadt Königswinter. Wer kennt sie nicht, die Arbeiten aus diesem Atelier, bei denen so gern der Drache ins Spiel kommt, ob er in einem Brunnen Feuer speit oder sich dekorativ auf Schalen, Tassen oder Kannen breit macht.

Zu den Kunsttagen zeigt Familie Dietz ihr breites Spektrum an Arbeiten. Und Töpferkurs-Schüler von Veronika Dietz stellen ebenfalls aus. An diesem Samstag findet ab 16 Uhr eine Rakubrand-Aktion statt. Es handelt sich um eine jahrhundertealte japanische Brenntechnik, bei der die Keramik mit einer langen Zange dem 1000-Grad-Brennofen entnommen wird. Ein Schock für das Material, für Zuschauer indes ein tolles Vergnügen, was bei einer Kunsttage-Tour nicht fehlen sollte.

Das Programm der Kunsttage Königswinter samt Flyer zum Download ist unter https://kunsttage-koenigswinter.de/ zu finden.

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