Müllkontingent wird von Leverkusen gefüllt

Müllkontingent wird von Leverkusen gefüllt

Rhein-Sieg-Kreis bietet zu wenig Geld

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Das Tauziehen um die freien Kapazitäten in der Bonner Müllverbrennungsanlage (MVA) ist beendet. Jene 30 000 Tonnen Abfall, die nächstes Jahr noch Platz finden, darf der kommunale Entsorger Avea nach Bonn liefern.

Das Unternehmen organisiert für mehr als 700 000 Bürger in Leverkusen und dem Bergischen Land die Müllbeseitigung. Die Vergabe des Bonner Kontingents war von zahlreichen Dissonanzen begleitet gewesen, nachdem der Stadtwerke-Aufsichtsrat zunächst dem umstrittenen Müll-Multi Remondis einen freihändigen Zuschlag gegeben hatte, dies jedoch nach einem Stadtratsbeschluss rückgängig machen musste.

Hinzu kam: Nach Bekanntwerden des Remondis-Angebots, den Müll für 132 Euro je Tonne zu liefern, gingen weitere Offerten ein. Im Zuge einer Markterkundung wurden 70 Firmen kontaktiert, mit vier davon wurde weiter verhandelt ( der GA berichtete).

Der Gewinner, Avea aus Leverkusen, war der beste kommunale Anbieter und liefert nun den Müll zum Preis von 149 Euro pro Tonne. Im Vergleich zum ersten Angebot von Remondis (132 Euro) steht sich die MVA GmbH der Stadtwerke damit nun deutlich besser, hat aufs Jahr gerechnet einen Einnahmevorteil von gut 500 000 Euro.

Dennoch keine gute Laune bei den Stadtwerken. "Es hätte auch sein können, dass wir kein Angebot bekommen, weil alle ihren Müll für nächstes Jahr schon untergebracht haben", grantelte SWB-Chef Hermann Zemlin. "Das ist wie an der Börse."

Hintergrund für seinen Frust: Er hatte seinem Aufsichtsrat die private Alba-Gruppe aus Berlin vorgeschlagen, die noch etwas mehr geboten hatten als Avea. Doch der fünfköpfige Aufsichtsrat entschied sich für das objektiv zweitbeste Angebot, weil man lieber mit einem kommunalen Partner arbeiten will.

Außen vor blieb auch der Rhein-Sieg-Kreis, der mitgeboten hatte. Allerdings zu wenig, denn mit 146 Euro bestand keine Chance auf den Zuschlag. Alba lag nach GA-Informationen bei 152 Euro, allerdings seien wegen höherer Schlackemengen bis zu 20 000 Euro vom Umsatz abzuziehen.

Nachdem Zemlin schon bei der ersten Vergabe für das MVA-Kontingent von den Grünen kritisiert worden war ("entweder er kennt die Auftragslage seines Hauses nicht oder er konterkariert ganz bewusst die vom Stadtrat gewollte konsequente Kommunalisierung der Müllwirtschaft"), blieb öffentliche Kritik an der Vorauswahl des SWB-Chefs diesmal aus. Hinter den Kulissen soll es jedoch gekracht haben.

"Die Stadtwerke hatten sich aus rein wirtschaftlicher Erwägung für Alba ausgesprochen", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Hürter (SPD), sprang Zemlin bei und schloss einen bewussten Täuschungsversuch aus. Zemlins Blick richtet sich derweil auf kommendes Frühjahr, wenn jene 30 000 Tonnen erneut ausgeschrieben werden sollen - diesmal allerdings für neun Jahre. Wieviel Profit die Bonner dann mit ihrem MVA-Kontingent machen, ist völlig offen. Zemlin warnte aber bereits: "Nächstes Jahr kann das ganz anders aussehen."

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