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Lufthansa-Kapitän setzte Fluggast kurz vor dem Start an die Luft

Lufthansa-Kapitän setzte Fluggast kurz vor dem Start an die Luft

Berliner verklagte den Bonner Reiseveranstalter wegen vertaner Urlaubszeit

Bonn. (rik) Die 14-tägige Reise nach Amerika war für ein Paar aus Berlin im September 2000 bereits am Flughafen Frankfurt/Main zu Ende. Der 27-jährige Berliner wurde kurz vor dem Start vom Kapitän an die Luft gesetzt und BGS-Beamten übergeben, und seine Freundin ging mit ihm von Bord. Begründung für den Rausschmiss: Der betrunkene Fluggast habe randaliert und die Passagiere verängstigt. Das Paar aber beteuert: Alles Unsinn, wir waren der Crew nur lästig. Die Berliner zogen vor das Bonner Amtsgericht und verklagten den Bonner Reiseveranstalter und die Lufthansa auf Rückerstattung des vollen Reisepreises und Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden von knapp 6 300 Mark.

Unstreitig ist nur: Das Paar saß mit den anderen Passagieren abflugbereit an Bord, doch der Flieger hob nicht wie geplant um 17.10 Uhr ab. Statt dessen wurden die Fluggäste gebeten, die Maschine wegen technischer Probleme wieder zu verlassen, um ihnen die Warterei an Bord zu ersparen. Was dann passiert sein soll, schildern beide Seiten unterschiedlich. Glaubt man der Lufthansa, so habe der Berliner geschimpft und die anderen Gäste geängstigt mit lautstarken Tiraden von einem Komplott der Stasi, das zum Absturz der Maschine führe. Er und seine Freundin hätten nicht mehr mitfliegen wollen, es sich dann aber in letzter Sekunde überlegt.

Als sie nun aber andere Plätze bekamen, habe der angetrunkene 27-Jährige randaliert und gedroht, er werde auf seinen Sitz pinkeln. Da habe der Kapitän von seiner Bordgewalt Gebrauch gemacht und den Passagier rausgeworfen. Das Paar aber erklärt: Wir hatten wegen der dreistündigen Verspätung nur Angst, in Los Angeles den Anschluss an unsere Reisegruppe zu verpassen, deshalb an Umbuchen gedacht und die Crew um Hilfe gebeten, aber nicht bekommen. Der 27-Jährige sei keineswegs betrunken gewesen, was die BGS-Beamten bestätigen könnten. Nun sollen elf Zeugen - die BGS-Leute, der Lufthansa-Kapitän und seine Mannschaft - der Richterin bei der Wahrheitsfindung helfen.