Gutachter: Schimmelbefall macht Oedekovener Schüler krank

Gutachter: Schimmelbefall macht Oedekovener Schüler krank

So lautet Ergebnis einer Elternbefragung an der Grundschule, das am Mittwoch im Bonner Wissenschaftsladen vorgestellt wurde - Experten werfen Gemeinde vor, schlecht informiert zu haben

Alfter. "Kinder, die in stark von Schimmel belasteten Räumen unterrichtet wurden, waren häufiger krank als ihre Mitschüler in weniger belasteten Räumen."

So fasste die Baubiologie-Expertin des Bonner Wissenschaftsladens, Antje Lembach, am Mittwoch die Ergebnisse der Elternbefragung an der Oedekovener Grundschule zusammen. Wie berichtet, hatte ein Gutachten Ende 2007 eine "extreme Gesundheitsgefährdung" durch Schimmel in verschiedenen Räumen der Grundschule bescheinigt.

Daraufhin wurden drei Klassen in die benachbarte Hauptschule und eine ins evangelische Gemeindezentrum Katharina-von-Bora-Haus ausquartiert. Die Lehrerinnen hingegen traten innerhalb des Schulgebäudes die Wanderschaft an. Sie brauchten immer neue Quartiere, weil immer wieder Schimmel gefunden wurde.

Parallel dazu wurde die Schule saniert - pünktlich zum gerade begonnenen Schuljahr - und verschickte die Elterninitiative "Gesunde Schule in Oedekoven" zusammen mit der Schulpflegschaft einen Fragebogen zur Gesundheit der Schüler an alle Eltern. Gestern informierten die Elterninitiative und der Wissenschaftsladen in Bonn über das Ergebnis der Untersuchung.

Von rund 350 verschickten Fragebögen erhielt die Elterninitiative 204 Antworten zurück. Die Häufigkeit typischer Krankheitssymptome entspricht der Belastung der Räume mit Schimmel. So litten in den ehemaligen Klassen 4 a und 4 b doppelt so viele Schüler an Konzentrationsschwächen wie in der 4 c, deren Klassenraum nicht belastet war.

Auch andere Symptome wie Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen oder Müdigkeit und Schlappsein traten in den belasteten Klassen häufiger auf. "Nachdem meine Tochter Sophia in die Hauptschule umgezogen war, ging es ihr sofort besser", berichtete Gabi Oehmke. Ähnliches bestätigten auch andere Eltern, deren Kinder mittlerweile auf weiterführende Schulen wechselten. Typisch ist aber auch das Gegenteil, dass die Schimmelbelastung das Immunsystem schwächt oder zu Asthma führt, so dass die Kinder länger geschädigt bleiben.

Die Elterninitiative "Gesunde Schule in Oedekoven" kritisiert das späte Handeln und die Informationspolitik der Gemeinde. "Der Verdacht einer Schimmelbelastung bestand bereits seit Jahren, und nichts wurde unternommen", sagte Wolfgang Renneberg für die Initiative. Wegen Konzentrationsstörungen und Krankheit hätten Kinder schlechtere Schulempfehlungen bekommen - eine Hypothek fürs Leben.

Bereits im Jahr 2005 gab es ein Gutachten, das allerdings nur zwei Räume im Neubau untersuchte und zu keinem Befund führte. Doch vorher wie nachher wurde immer über modrigen Geruch in verschiedenen Räumen geklagt und die Gemeinde zum Handeln aufgefordert. Umso verärgerter ist Renneberg, dass die Gemeinde und auch die Schulleitung nicht über die Ergebnisse der Elternbefragung informieren. Die Schulleiterin Mechthild Gründer habe die Verteilung der Ergebnisse vor den Ferien gestoppt. "Die Auswertung zu verteilen, ist nicht meines Amtes", begründet sie das.

"Wenn wir unsere Kinder in die Obhut der Schule geben, wollen wir wenigstens darüber informiert werden, welchen Belastungen sie ausgesetzt waren", findet dagegen Renneberg. Außerdem fragt er sich, ob vielleicht auch andere Grundschulen oder Kindergärten der Gemeinde mit Schimmel belastet sind.

Auch in Witterschlick und Alfter gebe es Feuchtigkeitsprobleme. Es sei bekannt, dass bei starkem Regen Wasser aus dem Boden der Alfterer Annaschule dringe. "Wir meinen, dass alle Eltern in der Gemeinde das Recht haben, über den Zustand der Kindergärten und Schule und mögliche Gesundheitsgefahren informiert zu werden", betonte er. Geht es nach Bürgermeisterin Bärbel Steinkemper, kann von einer Nässe in den übrigen beiden Grundschulen in Alfter und Witterschlick keine Rede sein. Auch den Vorwurf, als Verwaltung zu spät gehandelt zu haben, wies sie am Mittwoch auf Anfrage zurück.

Als die Belastung im vergangenen Jahr festgestellt worden sei, habe man prompt reagiert. "Wir haben mit Vertretern der Schule und der Eltern zusammen gesessen, die über jeden Schritt informiert worden sind", sagte Steinkemper. Hinzu kamen Veranstaltungen in der Schule und auch verschiedenen Treffen.

Was das Gutachten von 2005 anbelangt, erklärte Steinkemper, dass es damals zwar einen Schimmelverdacht gegeben habe, dass dieser aber nicht durch eine Untersuchung der Raumluft nachgewiesen worden sei.

Stichwort: Schimmel

Die Ursache für Schimmelpilzbefall von Gebäuden ist erhöhte Feuchte etwa durch direkten Wassereintritt oder durch falsche Beheizung und Lüftung. Der Pilz entwickelt sich im Verborgenen. Erste Anzeichen sind ein modriger, muffiger Geruch und dunkle Flecken an Wänden, Decken oder Möbeln.

Wenn der Schimmel bereits sichtbar ist, besteht rascher Handlungsbedarf, da von dem Pilz eine Gesundheitsgefahr ausgehen kann. Das Einatmen der Sporen führt zu allergischen Reaktionen, die den Grippesymptomen ähneln. Bestimmte Schimmelpilzarten wie Aspergillus, Hefepilze und andere, die auch in der Schule gefunden wurden, sind außerdem hochgiftig und führen zu extremer Müdigkeit und schweren Wahrnehmungsstörungen.

Weitere Infos unter www.umweltbundesamt.de oder unter www.schimmel-schimmelpilze.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Auftrag zum Handeln"

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