Sinzig hat erstmals einen Jugendbeirat

In der Politik mitmischen : Teenager aus Sinzig wählen Jugendbeirat

Premiere im Kreis Ahrweiler: Sinziger Jugendliche wählen ihren Beirat für die Stadt. Sie wollen in der Politik mitmischen.

Premiere im Kreis Ahrweiler. Sinzig hat als erste Stadt einen Jugendbeirat. Diesem gehören 25 junge Sinziger an. Die Grundlagen dafür hatte die Stadtverwaltung mit einem Satzungsentwurf geschaffen, der vom Stadtrat einstimmig verabschiedet wurde. Aufgabe des Jugendbeirates soll es sein, die Organe der Stadt bei Fragen bezüglich der minderjährigen Einwohner duch Anregungen, Empfehlungen und Stellungnahmen zu beraten – auch aufgrund eigener Initiative.

Somit kann sich der Jugendbeirat im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten am kommunalen Willensbildungsprozess bei spezifischen kinder- und jugendrelevanten Themen beteiligen. Der Vorsitzende des Jugendbeirates hat darüber hinaus das Recht, sich in einem Ausschuss des Stadtrates, im Stadtrat selbst oder in Ortsbeiräten nach den Bestimmungen der jeweiligen Geschäftsordnung zu äußern, sofern Angelegenheiten, die von wesentlicher Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen in Sinzig sind, beraten werden.

Per Handy die Wähler ins Rathaus gelotst

Doch es war eine eher schwierige Geburt, die im Ratssaal über die Bühne ging. Fast 670 Einladungen zur Wahlversammlung hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen an alle Sinziger zwischen dem 14. und dem 18. Lebensjahr verschickt. Mindestens 30 Teilnehmer brauchte die Wahlversammlung, und es wurde knapp.

Nach der Begrüßung zählte Bürgermeister Andreas Geron gleich zwei Mal nur bis 29 und gab dann nur das kurze Kommando: „Handys raus“. Das zeitigte Erfolg. Binnen kurzer Zeit waren 35 Wahlberechtigte im Ratssaal.

„Mit dem Jugendbeirat haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass sich Jugendliche aktiv mit Ideen, Anregungen und Hinweisen in die politische Diskussion vor Ort einbringen können. Ich freue mich, dass dann doch noch so viele gekommen sind“, sagte der Stadtchef dann bei seiner zweiten Begrüßung.

Für etwas mehr als die Hälfte der jungen Sinziger war der Ratssaal im Obergeschoss des Rathauses beim Betreten übrigens vollkommen fremdes Terrain. Ein Umstand, der durch kostenlose Erfrischungsgetränke dann etwas abgemildert wurde und zu Kommentaren wie „Ist ja doch ganz gemütlich“ führte.

Auch für Sophie Kessel von der Stadtverwaltung als zuständige Sachbearbeiterin und Büroleiter Christian Weidenbach war die Wahl eines Jugendbeirates Neuland. Bei den jungen Teilnehmern waren keine vorgefertigten Zielsetzungen zu finden, vielmehr herrschte Neugier darauf, was denn ein Jugendbeirat erreichen kann.

In einer ersten Fragerunde fanden sich zunächst nur elf Kandidaten, später 16. Da die Wahlzettel aber auch noch ergänzt werden durften, konnte die Stadtverwaltung schließlich den Jugendbeirat auf 25 Mitglieder aufstocken. „Sehr schön, dass das alles noch so schnell geklappt hat“, freute sich Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron über den neuen Beirat, dem auch seine Tochter Hannah angehört. Auch viele Stadtratsmitglieder und Vertreter aus den Ortsbeiräten fast aller Sinziger Stadtteile waren zur Beobachtung der Wahlversammlung gekommen. Und ein bisschen politischen Anschauungsunterricht gab es für die Jugendfeuerwehr. Diese war mit Winfried Kraatz ins Rathaus gekommen, obwohl die meisten Mitglieder noch gar nicht wählen durften. „Einstimmung aufs nächste Mal“, hieß es dazu von Kraatz, der sich nach der Wahl den Glückwünschen der Gäste anschloss.

„Der Jugendbeirat wird künftig alle zwei Jahre gewählt und ist allen anderen Beiräten und Ausschüssen der Stadt gleichgestellt“, sagte Geron. Mitglieder, die während ihrer Amtszeit 18 Jahre alt werden dürften weitermachen. Ausgestattet ist der Beirat mit einem Startetat von 1000 Euro.

Weitergehen wird es nun nach den Aussagen von Bürgermeister Andreas Geron wie folgt: Im neuen Jahr soll es eine konstituierende Sitzung geben. Dann wird der Jugendbeirat seinen Vorsitzenden oder seine Vorsitzende wählen und erste Ideen sammeln. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den anderen politischen Gremien wird sich dann zunächst etwas einspielen müssen.